Zwei Frauen, ein Chefsessel

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"Die Alternative wäre, dass die Arbeit liegen bleibt, bis die andere im Büro ist. Das wäre ineffizient hoch drei." Sybille Hartmann richtet sich entschlossen auf, als sie das sagt, und auch Elisabeth Stute sitzt plötzlich kerzengerade. Ineffizienz finden beide fast so überflüssig wie Gemecker über berufstätige Rabenmütter, bei diesen Stichwörtern werden sie hellwach und kriegen einen sehr energischen Blick.

Auch Sybille Hartmann hat zwei Kinder. Zwölf und neun, und als sie noch kleiner waren und sie Vollzeit gearbeitet hat, besuchten sie eine Kindertagesstätte, die das ganze Jahr geöffnet hat: "Manchmal mussten meine Kinder in den Ferien früh aufstehen. Sie mussten in die Kita, ich musste ins Büro." Parallel hat die 42-Jährige immer nach dem Königsweg für Kinder plus Karriere gesucht, so wie Elisabeth Stute. Job-Sharing in der Chefetage erlaubt beides, und nicht nur die Frauen, auch ihr Unternehmen profitiert davon.

Als Elisabeth Stute Anfang 2006 wegen Krankheit länger ausfiel, hat Sybille Hartmann wie immer zweieinhalb Tage die Woche gearbeitet. Irgendwann hat sie zu ihren Kollegen gesagt: "Merkt ihr was? Der Controller ist krank." Die reagierten irritiert und meinten verständnislos: "Wieso, der Controller steht doch vor uns?" Sybille Hartmann strahlt, als sie die Geschichte erzählt: "Erst später haben sie mich verstanden. Dass Job-Sharing den Arbeitsstau wegen Krankheit deutlich verringert."

Je länger das Gespräch dauert, umso öfter greifen die Sätze der Frauen wie Zahnräder ineinander. Sie sind der gelebte Beweis, dass Führung teilbar ist, allerdings beweisen sie auch, dass dabei wirklich kein Platz für Eitelkeiten ist. Job-Sharing funktioniert nur durch eine besondere Mischung aus Sensibilität und Sachlichkeit und gipfelt im Idealfall im so genannten Monatsresultat von Stute und Hartmann.

"Unser Job-Sharing-Masterpiece", verkündet Elisabeth Stute. Einmal im Monat bereitete die 40-Jährige am Wochenanfang die Abschlusszahlen vor, die ihre Kollegin fertigstellte und in die Unternehmenszentrale nach Rotterdam schickte. Dienstags musste Stute das Resultat dann auf einer Konferenz präsentieren. "Ich habe mich immer bestens vorbereitet gefühlt", sagt sie, und Hartmann nickt gelassen: "Und ich hatte nie den Wunsch, da auch hingehen zu wollen. Schon deshalb nicht, weil die Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, genau wissen, welcher Beitrag von wem kommt."

Das vierköpfige Team der beiden hat sich schnell an die Doppelspitze gewöhnt. Und ihre Chefs wunderten sich anfangs nur, wie sie donnerstags etwas mit Sybille Hartmann weiterbesprechen konnten, das sie montags mit Elisabeth Stute begonnen hatten. "Die haben gerätselt", lächelt Stute, "dabei ist es nicht so schwer: Natürlich schreibt jede eine Übergabe, aber gleichzeitig versuchen wir, am Ende unserer Arbeitstage möglichst viel fertig zu bekommen, weil das die Übergabe erleichtert. Als Vollzeitkraft hätte man es vielleicht bis zum nächsten Tag liegen gelassen. Job-Sharing diszipliniert ungemein."

  • Text: Christa Thelen
    Fotos: Christina Körte
    BRIGITTE Heft 24/2006
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