Arbeitszeit

Soziologin Jutta Allmendinger: "32 Stunden sind genug"

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BRIGITTE: Ihrem Institut eilt auch der Ruf voraus, besonders elternfreundlich zu sein. Was machen Sie anders?

Jutta Allmendinger: Ich sorge für eine Willkommenskultur. Das klingt abgedroschen, aber alle im Haus wissen, dass ich mich riesig über jedes Kind freue, das von einer unserer Angestellten geboren wird. Ich lasse schon beim Vorstellungsgespräch die Vereinbarkeit ansprechen, entwerfe Szenarien, wie ein Leben und Arbeiten sich bei uns mit Kind gestalten ließe. Ich enttabuisiere das Thema und mache es zur Chefsache.

BRIGITTE: Viele befürchten ja einen Karriereknick, wenn sie Elternzeit nehmen - Männer begründen damit oft, warum sie sich nicht mehr an der Kinderbetreuung beteiligen.

Jutta Allmendinger: Genau das darf nicht sein. Die neue Arbeitskultur muss auch Männern vermitteln: Es ist okay, wenn ihr euch um eure Kinder kümmert, ihr könnt dennoch Karriere machen. Ob ihr ein Sabbatical nehmt, einen langen Auslandsaufenthalt oder bei eurem Kind seid - alles wird gleichermaßen gewürdigt.

BRIGITTE: Wie reagieren die männlichen Mitarbeiter in Ihrem Haus?

Jutta Allmendinger: Ich habe mittlerweile keinen einzigen jungen Vater mehr am Institut, der keine Elternzeit genommen hat.

BRIGITTE: Das klingt fast, als müssten Sie schon aufpassen, dass Sie Nichtmütter und Nichtväter nicht diskriminieren...

Jutta Allmendinger: Darüber mache ich mir manchmal tatsächlich Gedanken. Eine Willkommenskultur für Kinder darf jene, die aus verschiedenen Gründen keine Kinder haben, nicht diskriminieren. Im Moment ist es aber leider auch in der Wissenschaft generell noch so, dass Menschen ohne Kinder und ohne Familie aufgrund ihres größeren Oeuvres noch Vorrang haben.

BRIGITTE: Wie geht es weiter in Deutschland - sagen wir in fünf Jahren -, wie viel Prozent der Frauen werden 2018 mindestens 32 Stunden pro Woche arbeiten?

Jutta Allmendinger: Exakt kann ich das nicht prognostizieren. Aber ich hoffe, dass sich das Arbeitsvolumen von Frauen erhöht und dass es leichter wird, mal weniger und mal mehr Stunden zu arbeiten.

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  • Artikel vom 07.12.2012
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    BRIGITTE 1/2013
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