"Wie wollen wir eine strahlende Persönlichkeit sein, wenn wir nicht wissen, wie sich die Hinterseite unserer Schneidezähne anfühlt?" Das fragt Esther Schweizer, Kommunikationstrainerin und ausgebildete Schauspielerin. Sie spricht wohl artikuliert mit passender Mimik und Gestik, wie Trainer das nun mal so machen. Nur dass das bei ihr kein bisschen aufgesetzt wirkt oder unnahbar. Und deshalb kann sie solche Sätze sagen und keiner lacht oder rollt mit den Augen. Stattdessen tasten alle mit der Zunge im Mund herum und warten auf das große Strahlen.
Alle, das ist eine Gruppe Frauen im besten Alter und in besten Berufen: Eine Zahnärztin, eine Rechtsanwältin, eine Buchhalterin. Zwei Personalratsvorsitzende, die Kulturbeauftragte eines Landkreises. Sie besuchen das Seminar "Erfolgreiche Kommunikation für Frauen im Beruf" – und wollen sich von Esther Schweizer beibringen lassen, wie man vor Gruppen redet, besser spricht, wahrgenommen wird, überzeugt.
Inhalt? Egal!
Für den Erfolg einer Rede, so haben Studien gezeigt, ist der Inhalt zu lediglich sieben Prozent verantwortlich. Wichtiger sind: Tonfall mit 38 Prozent und Körpersprache mit 55. Fazit: Wer selbstbewusst auftritt, seinen Vortrag mit Haltung und Stimme positiv unterstreicht, kann ordentlich Mist erzählen. Und jede inhaltlich noch so fundierte Präsentation geht unter, wenn man sich mit Mausestimme und hängenden Schultern hinterm Overhead-Projektor versteckt.
Augen zu und üben
Also üben, üben, üben, bitte: Die Gruppe stellt sich auf im Kreis und ertastet mit der eigenen Zunge den Mundraum. Dann wird gegähnt. Und gestreckt. Die ersten Kiefer knacksen. "Gut so, ab sofort ist Gähnen eine Lockerungsübung! Weiter!", sagt Schweizer. Und als alle wieder ruhig im Kreis stehen, will sie wissen: "Wo ist Ihre Zunge?" Bei fast allen Teilnehmerinnen klebt sie am Gaumen. Nicht schön, denn trainierte Zungen liegen locker und flach im Mund. Aber wenn man nicht aufpasst, wandert die Zunge aus Anspannung gerne an den Gaumen - und erschwert somit Luftholen und reden.













