"Wo ist Ihre Zunge?"
Nächste Aufgabe: Summen. "Stellen Sie sich vor, Sie essen was Leckeres." Und so summen alle laut vor sich hin; nicht, dass man sich dabei nicht seltsam fühlen würde - Summen im Kreise anderer Erwachsener - aber es dient ja einem höheren Ziel.
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Nun bitte alle antreten zum Lippenflattern. Das klingt, wie wenn Kinder mit dem Auto spielen: brumbrum. Erst wenn es in der Nase kitzelt, flattert man richtig.
Frau Schweizer macht es vor
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Eine wichtige Frage ist ja immer auch: Wie laut soll oder muss ich reden. Spricht man zu leise, hört einen keiner, schreien jedoch wirkt unentspannt, aggressiv und macht zudem heiser. Ausserdem sollte man sich halbwegs wohl in seiner Haut fühlen. Auch hier hat die Trainerin einen Tipp: Einsprechen. Machen Schauspieler immer, Laien nie. Erstmal vor sich hinbrabbeln, um die Stimmbänder aufzuwärmen.
Auch wenn es sich komisch anhört
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Dann üben Sie die ersten Sätze des Vortrags. "Stellen Sie sich schonmal hin und sagen laut: 'Herzlich Willkommen meine Damen und Herren'. Immer wieder - und nach einigen Sätzen spüren Sie, wie sich Ihre Stimme einpendelt. Das ist Ihre Wohlfühllautstärke, und in der halten Sie Ihren Vortrag", sagt Esther Schweizer.
Im Idealfall kann man auch ein paar Minuten vorher in den Raum, wo die Präsentation stattfinden soll. Und diese Chance sollten Sie immer nutzen, um sich mit dem Zimmer und der Akkustik vertraut zu machen. Außerdem: Vielleicht wollen Sie noch das Rednerpult verschieben, die Fenster öffnen, das Licht ändern? Das geht jetzt alles prima - und Sie bauen vielleicht Ihre Nervosität ab, weil Sie aktiv Ihre Umgebung gestalten.
Sagen, was man meint
Ein Motto, zu dem Esther Schweizer an diesem Tag oft ermutigt, ist "die Bereitschaft zum inneren Ja". Hört sich vielleicht ein bisschen nach Scientology an, aber Frau Schweizer nimmt man in diesem Seminar irgendwie alles ab und eigentlich hat sie ja recht: Wer selbst nicht Ja sagt zu seinen Ideen, seiner Gehaltsforderung, seinem Standpunkt, wie soll der jemand anderen überzeugen? Was ebenfalls nicht zu unterschätzen ist: Ja zu sich, Mut zur Persönlichkeit - "Machen Sie sich Ihre Stärke bewusst". Und dazu gleich die nächste Übung: Laut und klar den eigenen Namen sagen. Mit allem drum und dran. "Wie Sie Ihren Namen nennen, entscheidet so viel - ein genuscheltes `'Stolle' oder ein lautes, lächelndes, 'Doktor Julia Stolle' trennen Welten". Die Gruppe versucht sich, einigen fällt es schwer, ihren Namen auszusprechen wie einen Hauptgewinn. Ist irgendwie auch albern. Aber es sind ja alle zum Üben gekommen
Es ist übrigens gar nicht einfach, das zu meinen, was man sagt. Schon das übliche "Herzlich Willkommen meine Damen und Herren" kann man versauen - wenn man in Gedanken die Zuhörer zählt, sich übers Licht ärgert oder überlegt, ob die Frisur denn jetzt sitzt. Jeder, der es probiert, merkt selbst, wie anders die Damen und Herren klingen, wenn man sie in dem Moment wirklich ansprechen will.
So geht das den ganzen Tag: Man sagt "Ja!", und meint das so. Man stellt sich vor, ohne seinen Namen zu vernuscheln. Man hält ein Kurzreferat und denkt dabei nicht an die Frisur. Sondern nur an das, was man zu sagen hat. Sucht seine Zunge. Blubbert und flattert mit den Lippen. Lacht irgendwann über sich und die anderen. Und bekommt wirklich eine festere und überzeugendere Stimme.
Um 17 Uhr sind die Frauen ordentlich erledigt - an sich zu arbeiten, gegen die eigenen Gewohnheiten zu kämpfen und ständig kritisiert zu werden ist kein Spaziergang. Zum Abschluß sagt die Trainerin, dass ein derartiges Seminar mit Männern nicht möglich ist: Denen sei es viel zu peinlich, vor einer Gruppe Schwächen in Zungenhaltung oder Kieferlockerheit zuzugeben. Männer kommen zum Einzelcoaching. Schade eigentlich.













