Nebenjobs: Was Sie wissen müssen

Nackt Modell stehen? Oder doch lieber kellnern? Mit einem Nebenjob die Haushaltskasse aufbessern - das gehört inzwischen bei sechs Millionen Leuten zum Alltag. Worauf's beim Nebenverdienst ankommt und was dabei rumkommt.

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So unauffällig wie möglich sucht Antje Winkler im Regal mit den Kinderbüchern nach dem "Räuber Hotzenplotz". Zählt und beobachtet dabei die Verkäuferinnen, kauft schließlich bei einer und weiß schon jetzt: In ein paar Tagen bringt sie das Buch zurück und möchte ihr Geld wiederhaben. Lächelt die Verkäuferin dann auch noch? Antje Winkler wird alles notieren; auch, ob der Laden sauber und die Beratung solide ist. Das schickt sie an ein Marktforschungsinstitut. Und hat zehn Euro mehr in der Tasche.

Test-Shoppen - eine abwechslungsreiche Nebenbeschäftigung für Antje Winkler, wenn in ihrem Hauptjob als Korrektorin gerade Auftragsflaute ist. Etwas ausgefallener ist dagegen der Nebenjob von Sophie Hauser*. Die 42-jährige Dokumentarfilmerin verdient sich ihren Wochenendeinkauf als Aktmodell an Hochschulen, Akademien, Volkshochschulen. Sich vor 20 bis 30 Leuten ausziehen, stehen, sich setzen oder splitternackt räkeln bringt im Schnitt zehn Euro pro Stunde. "Ich mag mich", sagt Sophie schlicht. "Wer das nicht von sich sagen kann, sollte besser nicht als Aktmodell arbeiten." Dann doch lieber putzen, denken sich viele der sechs Millionen Bundesbürger, die sich regelmäßig ein Zubrot verdienen. Oder kellnern, babysitten, Regale im Supermarkt einräumen, an der Kasse sitzen, Zeitungen austragen, Telefondienst schieben. . . Alles bewährte Klassiker unter den Nebenjobs. Leicht auszuüben und relativ gut zu finden - per Kleinanzeige in der Lokalzeitung, im Internet oder am schwarzen Brett im Supermarkt. Allerdings: Mehrere Jobs unter einen Hut zu bekommen erfordert Organisationstalent und Flexibilität - und nicht immer gleicht ein mickriger Stundenlohn das aus. Man muss außerdem wissen, wann die Kräfte nachlassen oder der erträgliche Stresspegel endgültig erreicht ist.

Verlockend erscheinen da Jobangebote im Internet, in Zeitungsanzeigen oder auf Zetteln an Laternenpfählen: "Nebenverdienst! Bis zu 5000 Euro monatlich!" Doch Rüdiger Strichau von der Verbraucherzentrale Berlin warnt: "Vor allem, wenn größere Summen versprochen werden, sollten die Alarmglocken läuten." Häufig handelt es sich um Vertriebsjobs, bei denen zum Beispiel Versicherungen oder Kosmetik an die - noch zu findende - Kundschaft gebracht werden müssen. "Aber für die meisten Leute entpuppt sich der in Aussicht gestellte Umsatz als utopisch", sagt Rüdiger Strichau. Von den Fällen ganz zu schweigen, bei denen man für Ware bezahlen muss, von der man noch gar nicht weiß, ob man sie mit Gewinn weiterverkaufen kann.

Viel Zeit investieren, ohne reich zu werden - lohnt sich da ein Nebenjob dann überhaupt? "Ja", sagt Angelika K. Nickelsburg, Expertin für Zeitmanagement und Selbstorganisation. "Wenn man sich klar macht, was der Nebenjob außer Geld noch für Vorteile bringen kann." Kontakte zum Beispiel. Neue Erfahrungen. Einen Rollenwechsel. Wer im Hauptjob den ganzen Tag streng reglementierte Verwaltungsvorschriften befolgt, kann seinen Einfallsreichtum am Wochenende als Stadtführerin unter Beweis stellen. Irgendwann mal zum Film? Diesem Ziel kommt man als Komparsin zumindest einen Schritt näher. Repräsentieren, organisieren, improvisieren - gehört alles zum Job einer Messehostess. "Solche Erfahrungen können auch in anderen Lebensbereichen nützlich sein", sagt Nickelsburg.

Selbst dem Zeitdruck, unter den Multijobber leicht geraten, kann man so noch etwas abgewinnen. Gerade Frauen, die oft genug versuchen, alles zu schaffen, sind nun gezwungen zu delegieren, Unterstützung von ihren Familien zu fordern, Grenzen zu setzen. Mal Nein zu sagen - das kann einer Sekretärin, die sich stets mit Arbeit überhäufen lässt, auch in ihrem Hauptberuf den Rücken stärken.

*Name von der Redaktion geändert

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  • Text: Gudrun Sonnenberg
    Mitarbeit: Antje Kunstmann
    Foto: clipart.com
    BRIGITTE Heft 09/2007
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