Mobilität: So belastet Pendeln die Beziehung

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Und die Kinder?

Finden das alles natürlich nicht so klasse, vor allem, wenn sie noch klein sind. Erziehungsprobleme können entstehen. So berichtet ein Vater, dass er sich manchmal fremd in der eigenen Familie fühlt: "Meine Tochter gibt mir zu verstehen, dass ich hier quasi nur zu Besuch bin und nichts verbieten kann."

Verzichten manche Paare deshalb ganz auf Kinder?

Bei den Männern wird die Familiengründung nur hinausgeschoben, die Mehrheit der mobilen Frauen dagegen realisiert den Kinderwunsch wahrscheinlich nie. Drei von vier Wochenend-Pendlerinnen - im Durchschnitt immerhin 36 Jahre alt - sind kinderlos. Und zwar nicht, weil sie sich von vornherein für die Karriere und gegen eine Familie entschieden haben. Sie stellen einfach irgendwann fest, dass der Stress so groß ist, dass es nicht geht.

Gibt es häufig Trennungen?

Vor allem bei Pendlern haben wir ein höheres Risiko festgestellt, dass die Partnerschaft auseinander geht. Und Befragte aus allen Gruppen berichten, dass vieles auf der Strecke bleibt, was mal in Ruhe besprochen werden müsste. Die Angst, dass man sich auseinander lebt, ist da.

Welche Perspektiven sehen die Paare?

60 Prozent der Wochenend-Pendler und sogar 80 Prozent der Menschen mit Fernbeziehungen würden diese Situation gern beenden. Das klappt aber oft nicht. Schließlich hat sich nur ein Drittel davon aus freien Stücken zu dieser Lebensform entschieden; die anderen haben keine andere Arbeit gefunden oder Angst davor, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie sich nicht darauf einlassen.

Wie ließe sich die Situation der Betroffenen verbessern?

Es müsste zum Beispiel möglich sein, dass sie ein oder zwei Tage pro Woche zu Hause arbeiten. Wenn das nicht geht, könnten sie Überstunden ansammeln und dann einen Montag oder Freitag für die Familie frei bekommen oder Zuschüsse zu Heimreisen. Studien aus den USA, wo den Menschen ja schon viel länger diese Lebensform abverlangt wird, belegen: Auch die Firmen profitieren davon - durch mehr Loyalität der Mitarbeiter.

Dr. Ruth Limmer, Diplom-Psychologin, Universität Bamberg

Dr. Ruth Limmer, Diplom-Psychologin, Universität Bamberg

Die Studie "Berufsmobilität und Lebensform"
im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und des Bayerischen Familienministeriums wurde von Wissenschaftlern der Universität Mainz und Bamberg erarbeitet. Unter der Leitung von Professor Norbert Schneider wurden 900 Interviews mit mobilen Berufstätigen und ihren Partnern durchgeführt. Die Hälfte der Paare hatte Kinder.

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  • Artikel vom 14.01.2002
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