Überwachung am Arbeitsplatz

Schlecker-Mitarbeiterin: Ich werde bespitzelt!

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Als sich vor Kurzem alle über die Lidl-Bespitzelungen aufgeregt haben, konnte ich nur müde lächeln. Videoüberwachung habe ich persönlich zwar nicht erlebt. Doch in den Schlecker-Filialen gibt es hinter den Regalen Hohlräume, in die sich in den 90er Jahren vor Dienstbeginn Detektive gequetscht haben, um dort bis zum Abend - mit Schreibzeug, Butterbrot und Pinkeleimer ausgerüstet - Stellung zu halten.

Durch die Löcher in der Regalrückseite haben sie überprüft, ob wir was mitgehen lassen. Informiert hat uns keiner. Aber wir wussten, was los ist. Manchmal hat man ein Husten gehört, einige Kolleginnen haben die Spitzel auch ertappt und sich furchtbar erschreckt. Natürlich war einem die Vorstellung, observiert zu werden, extrem unangenehm. Doch was sollten wir tun? Uns beschweren und danach vielleicht in eine Filiale versetzt werden, die doppelt so weit vom Wohnort entfernt ist?

Damit stellt man bei Schlecker nämlich gern unbequeme Personen ruhig und verhindert Betriebsratsgründungen, dazu gibt es sogar schon Gerichtsurteile und ganze Bücher. Denn wer traut sich schon, gegen eine Versetzung zu protestieren? Man ist doch froh, überhaupt einen Job zu haben.

Wenn Schlecker einen loswerden will, geht das nämlich schneller, als man denkt. Es gibt ja so viele Methoden. Zum Beispiel den Trick mit den abgelaufenen Waren: Vor Kontrollbesuchen werden bereits aussortierte Konserven oder Gläschen mit Babybrei heimlich ins Regal zurückgestellt. Fast jede Kollegin hat das schon erlebt. Belegen kann ich das natürlich nicht, nur vermuten. Ein Indiz ist zum Beispiel, wenn der Bezirksleiter beim Kontrollbesuch schnurstracks zu einem bestimmten Regal geht und sofort die abgelaufene Ware rauszieht.

Am Anfang ist mir das oft passiert, ich habe dann immer fast an meinem Verstand gezweifelt, weil ich mir so sicher war, alle verdorbene Ware aussortiert zu haben! Im Büro wurde ich danach für unfähig erklärt, den Job korrekt auszuführen. Mir wurde nahegelegt, doch lieber die Pause ausfallen zu lassen oder mit der Arbeit für den Betriebsrat aufzuhören, um den Laden "in den Griff" zu bekommen. Irgendwann begann ich dann, alle aussortierten Produkte mit schwarzem Edding zu markieren, damit sie keiner unbemerkt ins Regal zurückstellen kann. Seitdem wurden bei mir kaum mehr abgelaufene Waren gefunden. Merkwürdig, nicht wahr?

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  • Protokoll: Kristina Maroldt
    ein Artikel aus der BRIGITTE 16/08
    Foto: Nopileon/Photocase.com
Letzte Kommentare
  • fledermaus
    am 14.01.12 um 20:23
    Hi Leute!
    Bis vor kurzem war ich noch der Meinung,das es mir bei Schlecker eigentlich gut geht.Lohn kommt pünktlich und arbeitszeiten stimmten auch.
    So nun nicht mehr.
    Ich mußte ungewollt als Springer raus,obwohl mein Laden noch besteht.
    Am Anfang lief auch alles gut.
    Jetzt habe ich eine neue BL bekommen und alles ist Scheiße.
    Meine Wünsche zwecks Arbeitplan und Urlaub werden nicht mehr berücksichtig.
    Das Unternehmen steht nicht mehr hinter uns,obwohl es---- es sagt.
    TRAURIG,weil wir es zu dem gemacht haben,was es jetzt ist
  • Lisa
    am 28.12.11 um 13:33
    Schlecker ist cooool, die Eigenmarke ist totaal GUT ! :)
  • Laura
    am 13.12.11 um 17:30
    Schlecker ist ein knallharter Arbeitgeber.Ich wurde selber schon mehrfach überfallen und wurde dabei auch verletzt.Jeden Tag zittert man im Laden und betet das kein "Fremder" mehr in den Laden kommt.Ich verstehe nicht, das diese Thematik ausgerechnet von Mitarbeiterinnen heruntergespielt wird.Und das ist ja nicht nur "irgendein " Nachteil im Job, sondern es schränkt einen erheblich ein, immer in Angst arbeiten zu müssen.Und es lockt auch nicht den Täter an sich an, nur weil man darüber berichtet, sondern es sind die Leute vor Ort, die ja bemerken, das man nur alleine da steht und dann auch mal spontan reinkommen und einen belästigen, klauen und Angst einjagen.Von den Schikanen der Vorgesetzten will ich gar nicht erst anfangen.Den Betriebsrat gibt es erst einige Jahre, ich habe noch die Zeit miterlebt als man von den Bezirksleitern noch angeschrien und beleidigt wurde, weil man die Arbeit einfach nie geschafft hat oder nur in der Freizeit, trotz Fleiß.
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