Überwachung am Arbeitsplatz: Ich werde bespitzelt!

Manchmal lassen sich Fehler natürlich nicht vermeiden. Allein schon, weil wir unglaublich viel wegschaffen müssen, in immer weniger Zeit. Am Personal wird bei Schlecker nämlich fast fanatisch gespart. Trotzdem wird uns bei jeder Betriebsversammlung vorgerechnet, wir seien zu teuer.

Dabei wurde der Personalspiegel in den letzten Jahren ohnehin ständig gesenkt, viele Filialen sind jetzt montags bis samstags von acht bis 20 Uhr geöffnet, trotzdem wurden uns kaum mehr Personalstunden genehmigt. In meiner Filiale müssen wir zum Beispiel mit nur einer Vollzeitkraft und drei Teilzeitkräften auskommen. Das heißt: Spätestens ab halb vier sitze ich allein im Laden und muss im Grunde nonstop durcharbeiten, Kunden bedienen und kassieren, Waren aussortieren, nachfüllen, auspreisen, Böden wischen und abends um acht die großen Körbe mit den Saisonartikeln wieder in den Laden schieben. Sechs Stunden ohne Pause sind laut Arbeitszeitgesetz ja erlaubt - und Schlecker reizt das voll aus.

Wenn ich zwischendrin mal aufs Klo muss, habe ich Pech gehabt. Theoretisch darf ich den Laden dafür zwar kurz zusperren, meist sind aber Kunden drin, die kann ich ja nicht einfach rausschmeißen.

Es ist verrückt: Eigentlich bin ich wegen der Kunden Verkäuferin geworden. Weil wir so viele andere Dinge erledigen müssen, empfinde ich die aber oft nur noch als Störfaktor. Zum Beispiel, wenn einer nur was Kleines für 80 Cent kauft, den Umsatz also kaum steigert, mich aber trotzdem im Schnitt zehn Minuten kostet. Denn kassieren und freundlich sein ist Schlecker ja zu wenig.

Wir müssen jedes Mal auf Bestellshop, Kundenmagazin und die Saisonartikel hinweisen und möglichst noch was Zusätzliches unterjubeln. Überprüft wird das durch Testkunden. Wenn die behaupten, dass ich sie nicht korrekt bedient habe, gibt es böse Briefe nach Hause, oder mein Bezirksleiter erklärt mich für überfordert und ungeeignet. Und ich kann mich noch nicht mal wehren, weil ich mich oft gar nicht an die Situation erinnere.

Ich frage mich, wer eigentlich die Testkunden kontrolliert. Der Druck hat System, glaube ich. Wir sollen das Gefühl haben, ständig auf der Abschussrampe zu sitzen, austauschbar zu sein. Damit sich keine traut, den Mund aufzumachen. Am Anfang habe ich mich gewundert, warum fast nur Frauen in den Läden arbeiten - bei anderen Drogerieketten ist das ja eher gemischt. Inzwischen denke ich: Auch das ist gewollt. Frauen sind oft sensibler, lassen sich leichter einschüchtern. Manche sind ja auch alleinerziehend und deshalb auf den Job angewiesen. Da arbeitet man lieber doppelt, als eine Kündigung zu riskieren.

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