Überwachung am Arbeitsplatz

Schlecker-Mitarbeiterin: Ich werde bespitzelt!

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Richtig wütend macht mich deshalb, dass sie gerade uns Frauen so völlig ungeschützt in den Läden sitzen lassen. Die Tresore im Büro haben Zeitschlösser, an meiner Kasse gibt es noch nicht einmal einen Alarmknopf. Wenn ich abends im Laden bin, draußen ist es dunkel, drinnen ist es hell, jeder kann mich durch die Scheibe sehen, sitze ich dort wie auf dem Präsentierteller - natürlich allein, denn die Kollegin ist ja schon seit nachmittags weg.

Wenn jetzt einer käme und mir eine Pistole an den Kopf hielte, könnte ich nur beten, dass ich die Kasse aufbekomme, bevor der Einbrecher nervös wird und mir eins überzieht. Kolleginnen von mir, die das erlebt haben, hatten noch Monate später Albträume, trauten sich nicht zur Arbeit. Manche bitten dann ihre Ehemänner, sich abends in den Laden zu stellen, sonst würden sie durchdrehen.

Ich selbst habe zum Glück noch keinen Überfall erlebt, dafür hat ein Kunde vor mir mal die Hose runtergelassen. Wer weiß, was der mit mir gemacht hätte, wenn ich nicht wie eine Irre aus dem Laden gerannt wäre. Die Lösung des Problems wäre so simpel: Man könnte zum Beispiel die Kassen umstellen, so dass wir den Eingang besser im Blick haben. Oder die Läden weniger zustellen, damit wir sehen, was zwischen den Regalen passiert. Schlecker macht das aber nur selten, beruft sich auf bautechnische Gründe. Und am besten wäre es natürlich, wenn wir immer zu zweit im Laden wären. Das würde die Einbrecher abschrecken. Doch das ist Schlecker natürlich zu teuer.

Wieso kündigst du nicht?, fragen mich meine Freunde manchmal. Ihr spinnt ja, sage ich dann. Wo soll ich mit über vierzig denn einen neuen Job finden? Es gibt aber noch einen anderen Grund, und der ist mir sehr wichtig: Ich will nicht weglaufen. Ich will kämpfen und anderen "Schlecker-Frauen" damit Mut machen. Und das kann man nur, wenn man selber Mitarbeiterin ist, glaube ich.

Denn selbst wenn jetzt aus Protest keiner mehr bei Schlecker kaufen würde, würde uns das nichts nützen. Im Gegenteil: Dann machen wir weniger Umsatz, bekommen noch weniger Personalstunden genehmigt, haben umso mehr Stress. Nein, wir müssen uns selber helfen. Müssen sagen, was uns stört, und notfalls gerichtlich dagegen vorgehen. Wir haben nämlich Rechte. Wir sind keine Roboter.

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  • Protokoll: Kristina Maroldt
    ein Artikel aus der BRIGITTE 16/08
    Foto: Nopileon/Photocase.com
Letzte Kommentare
  • fledermaus
    am 14.01.12 um 20:23
    Hi Leute!
    Bis vor kurzem war ich noch der Meinung,das es mir bei Schlecker eigentlich gut geht.Lohn kommt pünktlich und arbeitszeiten stimmten auch.
    So nun nicht mehr.
    Ich mußte ungewollt als Springer raus,obwohl mein Laden noch besteht.
    Am Anfang lief auch alles gut.
    Jetzt habe ich eine neue BL bekommen und alles ist Scheiße.
    Meine Wünsche zwecks Arbeitplan und Urlaub werden nicht mehr berücksichtig.
    Das Unternehmen steht nicht mehr hinter uns,obwohl es---- es sagt.
    TRAURIG,weil wir es zu dem gemacht haben,was es jetzt ist
  • Lisa
    am 28.12.11 um 13:33
    Schlecker ist cooool, die Eigenmarke ist totaal GUT ! :)
  • Laura
    am 13.12.11 um 17:30
    Schlecker ist ein knallharter Arbeitgeber.Ich wurde selber schon mehrfach überfallen und wurde dabei auch verletzt.Jeden Tag zittert man im Laden und betet das kein "Fremder" mehr in den Laden kommt.Ich verstehe nicht, das diese Thematik ausgerechnet von Mitarbeiterinnen heruntergespielt wird.Und das ist ja nicht nur "irgendein " Nachteil im Job, sondern es schränkt einen erheblich ein, immer in Angst arbeiten zu müssen.Und es lockt auch nicht den Täter an sich an, nur weil man darüber berichtet, sondern es sind die Leute vor Ort, die ja bemerken, das man nur alleine da steht und dann auch mal spontan reinkommen und einen belästigen, klauen und Angst einjagen.Von den Schikanen der Vorgesetzten will ich gar nicht erst anfangen.Den Betriebsrat gibt es erst einige Jahre, ich habe noch die Zeit miterlebt als man von den Bezirksleitern noch angeschrien und beleidigt wurde, weil man die Arbeit einfach nie geschafft hat oder nur in der Freizeit, trotz Fleiß.
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