Brigitte.de: Welche Firma kann das denn in diesen schwierigen Zeiten?
Christian Katz: Zwei Lösungen gibt es dafür. Entweder man sagt: Wir können nicht sofort bezahlen, aber wir nähern uns im Lauf der Jahre dem gerechteren Lohn an. Oder man nimmt den Verlierern wirklich das weg, was den Gewinnern zusteht. Wir hatten schon Betriebe, da haben die Mitarbeiter selber knallhart gefordert, dass es keine Besitzstandswahrung geben soll.
Brigitte.de: Das gibt Ärger, oder?
Christian Katz: Den gibt es sowieso, weil immer einige Leute unzufrieden sind. Sogar einige Gewinner sind sauer, weil sie sich denken: Dann habe ich ja jahrelang zu wenig verdient! Die Personalabteilungen sind meistens begeistert, weil sie endlich ein erklärbares und nachvollziehbares System haben - auch für die Zukunft, wenn sie neue Leute einstellen.
Brigitte.de: Profitieren denn auch Männer?
Christian Katz: Auf jeden Fall. Typische Männerberufe wie Polizist und Strafvollzugsbeamter bekommen bei Abakaba auch mehr Punkte. Wenn wir dagegen in ein Krankenhaus gehen mit den vielen schlecht bezahlten Krankenschwestern, dann profitieren vor allem Frauen. Da greifen all diese Kriterien: einfühlsam sein, mit Leiden und Tod konfrontiert werden, schwere Lasten heben - und das noch im Schichtbetrieb.
Brigitte.de: Wie stehen die Chancen, Abakaba bald in Deutschland anzuwenden?
Christian Katz: Ein Unternehmen, das nicht an Tarifverträge gebunden ist, könnte sich direkt an uns wenden. In größeren Betrieben müssten die Gewerkschaften bereit sein, die Grundlagen von Tarifverträgen zu ändern. Doch da haben die Männer oft das Sagen und Angst, etwas zu verlieren. Der vor kurzem von Frauenministerin Renate Schmidt vorgelegte Leitfaden zur Entgeltgleichheit lässt allerdings hoffen, dass sich auch in Deutschland etwas ändert.













