Marathon in Neu Delhi für die Sicherheit von Frauen
alle Videos"Süße Blasphemie" von Elif Shafak
Dies ist ein Roman über eine Frau, die ein Buch liest - und plötzlich scheint der historisch-mystische Roman mit dem Titel "Süße Blasphemie" einzig und allein für sie geschrieben zu sein: Das Werk hebt ihr Leben aus den Angeln, öffnet ihr Herz für die Liebe und ihre Seele fürs Spirituelle. Klingt kitschig, irgendwie nach Coelho, ist aber richtig gute, kluge Unterhaltung. Weshalb ich der türkischen Autorin Elif Shafak alle Leser des brasilianischen Bestseller-Autors wünsche. Ihr neuer Roman "Die vierzig Geheimnisse der Liebe" erzählt die Geschichte von Rumi, dem berühmten persischen Sufi-Dichter, und seinem Soulmate, dem Wanderderwisch Schams. Und von Ella, einer Hausfrau in Boston, die mit 40 aus ihrem Leben mit Mann und Kindern ausbricht, weil sie diese Geschichte - und ihren Autor - nicht mehr aus dem Kopf kriegt. (Ü: Michaela Grabinger, 512 S., 22,90 Euro, Kein & Aber) Übrigens: Beim Kauf des Buches gibt's das eBook gratis dazu!
"Ein Jahr voller Wunder" von Karen Thompson Walker
Dieses Debüt von Karen Thompson Walker ist das, was man in ihrer Heimat USA einen "Coming of Age"-Roman nennt - und einen "End of World"-Roman zugleich. Das ist tragisch für Julia, die junge Heldin, aber erzählerisch ein genialer Kniff. Julia verliebt sich zum ersten Mal — und die Welt gerät aus den Fugen. Dass es wirklich so ist, begreifen der Teenager und der Rest der Menschheit nicht sofort: Die Tage werden länger, mit der Erdrotation stimmt was nicht. Irgendwann bleibt der Himmel dunkel, und wenn doch mal ein Lichtphänomen alles erleuchtet, kann die Strahlung tödlich sein. Kurz darauf ist das Magnetfeld zusammengebrochen — und Julias Familie auch. Walker hat sich das alles ausgedacht, während sie als Lektorin für einen Verlag auf der Suche nach brauchbaren Manuskripten war. Das Motto "Wenn ich eine gute Geschichte lesen will, schreibe ich sie selber" hat sie zielstrebig umgesetzt, und zwar immer morgens vor dem Job, sogar in der U-Bahn. Herausgekommen ist "Ein Jahr voller Wunder", ein Liebesbrief an das Leben, das weitergeht, auch wenn die Welt dem Untergang geweiht ist. Lesenswert, egal wo, egal in welchem Alter. (Ü: Astrid Finke, 320 S., 19,99 Euro, btb, ab 13. Mai im Handel)
"Das Mütter-Mafia-Buch. Die Kunst, den Alltag zu feiern" von Kerstin Gier
Dieses Geschenkbuch von Bestseller-Autorin Kerstin Gier ist perfekt für den Muttertag. Und wenn Sie selbst Kinder haben, am 12. Mai von Ihren Lieben allerdings eher weniger bis nichts erwarten, dann machen Sie sich diese Freude einfach selbst: "Das Mütter-Mafia-Buch. Die Kunst, den Alltag zu feiern" ist eine wunderschön gestaltete Liebeserklärung an den Familien-Wahnsinn. Mit viel Galgenhumor und genialen Geheimrezepten gegen Frust und Selbstmitleid. Und wer die vorausgegangene Roman-Trilogie über die berüchtigte "Mütter- Mafia" noch nicht kennt, darf sich die Hörbücher, gelesen von Comedian Mirja Boes, gleich dazuwünschen — oder selbst kaufen. (Geschenkbuch: 160 S., 15 Euro, Lübbe; Hörbuch-Trilogie: ca. 10 Euro pro Band)
"Perla" von Carolina De Robertis
Nicht nur der Papst kommt aus Argentinien, sondern immer wieder auch Literatur, die mich umhaut. "Luz" von Elsa Osorio war so ein Buch, und jetzt "Perla" von Carolina De Robertis, die eine argentinische Oma hat und heute in den USA lebt. Beide Romane erzählen von geraubten Kindern, die auf der Suche nach ihren Eltern sind. Während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 wurden etwa 30000 Menschen verschleppt. Die meisten verschwanden spurlos. In Gefangenenlagern geborene Kinder raubte das Regime, sie kamen zu regierungstreuen Bürgern. Noch heute suchen Großmütter per DNA-Test nach ihren Enkelkindern und junge Frauen wie Perla nach ihren wahren Wurzeln. Als Tochter eines Offiziers wächst sie wohlbehütet auf. Und ahnt, dass ein Schatten auf ihrer Familie liegt... (Ü: C. Holfelder-von der Tann, 336 S., 18,99 Euro, Krüger)
"Leben" von David Wagner
"Leben" will der sterbenskranke Held dieses Buches, das von der Lebertransplantation des Autors David Wagner erzählt: "Wann passiert es schon, dass einem die Verlängerung des eigenen Lebens angeboten wird?" Und dann klingelt das Telefon, und eine Stimme sagt: Wir haben ein passendes Spenderorgan. "Den eigentlichen Preis habe ich schon bekommen", hat Wagner gesagt, als er für seine mit ironischer Distanz und doch wahnsinnig intensiv erzählte Geschichte mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. (288 S., 19,95 Euro, Rowohlt)
"Kirschholz und alte Gefühle" von Marcia Bodrozic
Sprachlich kraftvoll und zart zugleich löst Marcia Bodrožić, die 1973 in Kroatien geboren wurde und mit zehn nach Deutschland kam, mit "Kirschholz und alte Gefuhle" eine wahre Bilderflut aus: Ihre Heldin hat alles hinter sich gelassen. Die Heimat, ihre Familie, den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Vom Kirschholztisch ihrer Großeltern aber kann sich Arjeta Filipo nicht trennen. Auf ihm breitet sie Jahre nach ihrer Flucht alte Fotos aus und wird von Erinnerungen eingeholt. Der Verrat des Mannes, der sie liebte, ein altes Geheimnis. Und Arjeta begreift: Wenn sie leben will, muss sie sich der Vergangenheit stellen. (224 S., 19,99 Euro, Luchterhand)
"Die Scanner" von Robert M. Sonntag
Was wäre, wenn es keine Bücher mehr gäbe? "Die Scanner" führt ins Jahr 2035 und zu einer geheimen Büchergilde: eine verbotene Organisation aus pleite gegangenen Buchhändlern, arbeitslosen Autoren und anderen Buchmenschen, die dem Wahn der Digitalisierung zum Opfer gefallen sind. (176 S., 12,99 Euro, S. Fischer)
"Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte" von Catherynne M. Valente
September ist ein Mädchen und muss das Feenland retten. Dabei hilft ihr der Ehrenwerte Lindwurm A-bis-L, ein belesener Gefährte in dieser wilden und wunderbaren Abenteuermischung aus "Zauberer von Oz", "Alice im Wunderland" und "Unendlicher Geschichte". (Ü: Sylke Hachmeister, 320 S., 17,95 Euro, Rowohlt Rotfuchs, ab 12 Jahre)
"Blinde Vögel" von Ursula Poznanski
Zu nah am Tod Gefällt mir! - Ursula Poznanskis Facebook-Krimi. Die Frau aus Österreich ist ein Genie: Sie schreibt Thriller ("Erebos", "Saeculum", "Die Verratenen"), die so gut sind, dass sie dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen hat. Und sie schreibt Krimis für Erwachsene, nach denen ich süchtig werden kann. "Blinde Vögel" heißt der zweite Fall ihrer alleinerziehenden Kommissarin Beatrice Kaspary aus Salzburg. Und wie in all ihren Büchern entführt uns Ursula Poznanski in eine doppelbödige Welt: Nach Rollen- und Computerspielen und Geocaching ist diesmal Facebook dran. Eine Lyrik-Gruppe tauscht sich über Gedichte voller Todesahnungen aus, bis ein Mitglied nach dem anderen einen traurigen neuen Status erlangt: verstorben! Ein Selbstmord-Club? Ein Fluch? Oder eine alte Schuld, die gesühnt wird mit der Macht der Poesie? (16,95 Euro, 476 S., Wunderlich)
"Die merkwürdige Ehe der Coral Glynn" von Peter Cameron
Hart House ist ein düsteres Herrenhaus, wir sind im England der 50er Jahre, es regnet "cats and dogs". Herrlich, da kann man sich beim Lesen einkuscheln und atemlos der Story folgen: Coral Glynn kommt als junge Pflegerin in den alten Kasten, die Hausherrin stirbt, der einsame, im Krieg verkrüppelte Sohn bittet Coral um ihre Hand. Ob das gutgeht? Natürlich nicht, aber dass am Ende doch die Liebe siegt, nach dieser hochdramatischen Geschichte der verpassten Möglichkeiten, das ist eine Riesenfreude. (Ü: Henning Ahrens, 288 S., 19,99 Euro, ab 9. April)
"Zeiten der Ernüchterung" von Carol Edgarian
Wo bleibt die Liebe, wenn der Alltag schwierig wird? Für das Traumpaar Lena und Charlie läuft zunächst alles perfekt. Dann aber kommen die Sorgen. Ein Kind wird tot geboren, die Finanzkrise bedroht die Existenz, ein zynischer Geschäftspartner und ein Ex-Liebhaber locken Charlie und Lena auf Abwege. Wie das Paar mit seinen Problemen ringt, sich dabei fast verliert und am Ende doch wieder zueinanderfindet, beschreibt die amerikanische Autorin Carol Edgarian einfühlsam und temporeich. (Ü: Verena Kilchling, 464 S., 22,90 Euro, Kein & Aber)
"Suna" von Pia Ziefle
Jetzt gibt es "Suna", meinen Liebling unter den Familienromanen 2012, endlich als Taschenbuch. Ich war völlig überwältigt von diesem Debüt der Autorin Pia Ziefle, weil jede ihrer kunstvollen Wendungen eins zeigt: wie stark in dieser Geschichte die Liebe ist. Dabei geht es alles andere als kuschelig los. Ziefle erzählt von einem Baby, das einfach nicht schlafen will. Und von einer Mutter, die sich und ihr Kind durch die ersten Tage und Wochen schleppt, bis sie sich fühlt wie ein Mombie, ein vom Schlafentzug zermürbtes Wesen. Erlösung finden sie und ihre Tochter Suna erst durch eine Erzählung, die locker Stoff liefern würde für Tausendundeine Nacht. Es ist ihre Familiengeschichte. Und damit der Beginn einer Reise in die Vergangenheit zu zwei Müttern und zwei Vätern, zu Vorfahren in Deutschland, Serbien und der Türkei. Alles andere als langweilig, aber am Ende herrscht Ruhe. Pia Ziefle, selbst dreifache Mutter und Adoptivkind, lässt Mutter und Tochter Frieden finden — und Schlaf: "Ich habe nach meinen Wurzeln gesucht, nach meinen und nach deinen, mein Kind, denn ohne Wurzeln kann das Herz nicht wachsen." (9,99 Euro, 304 S., List)
"Bonita Avenue" von Peter Buwalda
"Nirgends so fremd wie daheim." Mit diesem genialen Satz wirbt der Verlag für einen Familienroman, der eigentlich eine gewaltige Familienexplosion ist. Peter Buwalda sprengt eine Patchwork-Gemeinschaft, die das Glück gepachtet zu haben scheint und doch fahrlässig mit Lügen zündelt. Wem kann man noch trauen, wenn die Stieftochter mit ihrem Freund in Pornos macht und der Sohn einen Menschen erschlagen hat? Siem Siegerius, früher Spitzensportler, heute Spitzenmathematiker und angesehener Rektor einer niederländischen Elite-Uni, ist erschüttert. Dass dann in seiner Heimatstadt Enschede auch noch die Feuerwerksfabrik in die Luft fliegt, wirkt ein wenig konstruiert. Die Wendungen, die "Bonita Avenue" - benannt nach einer Straße im fernen Berkeley, wo die "happy family" einst wirklich glücklich war - dann aber nimmt, sind mitreißend wie eine Achterbahnfahrt, bei der man nur noch schreien möchte. Weil das Herz sonst zerspringt. (Ü: Gregor Seferens, 640 S., 24,95 Euro, Rowohlt)
"Undine" von Benjamin Lacombe
Ich verschenke dieses Jahr nur Nixen-Bücher zu Ostern. Weil sie betörender sind als alle Feen und Vampire zusammen. Ein Blick in das fein gemalte Gesicht von Undine, die vor Liebe ein Mensch werden will — und alle anderen Fabelwesen können die Flatter machen. (Ab 12 Jahre, 46 S., 22,95 Euro, Jacoby & Stuart)
"Watersong" von Amanda Hocking
Und noch was fürs Teenager-Herz: Start der Meerjungfrauen-Fantasy-Saga von Amanda Hocking, die als eine der erfolgreichsten Self-publishing Autoren der Welt gilt. Angefangen hat Hocking mit Vampiren — jetzt geht's auf der Suche nach Liebe in die Tiefe. (Ab 13, 320 S., 15,99 Euro, cbj)
"Von Meerjungfrauen, Kapitänen & fliegenden Fischen" von Renate Raecke
Eine von Stefanie Harjes zauberhaft illustrierte Reise über die Meere und quer durch die Literatur: zu den unsterblichen Erzählern Otfried Preußler, Michael Ende, Goethe, den Grimms — und vielen Dichtern mehr, die den Nixen und Wassergeistern verfallen sind. (Ab 6, 208 S., 19,99 Euro, Boje)
"Der Feind meines Vaters" von Almudena Grandes
Tagsüber ist der kleine Nino einfach nur ein kleiner Junge wie alle anderen im andalusischen Dorf. Nachts aber liegt er in seinem Bett in der Kaserne der Guardia Civil, wo er mit seiner Familie wohnt, und hält sich die Ohren zu, während sein Vater und die anderen Beamten die Gefangenen verhören und misshandeln. Es ist das Ende der 40er Jahre in Spanien, und das Franco-Regime versucht mit aller Macht, die letzten Widerstände der "Roten" zu brechen. N inos Dorf ist ein Ort voller Wäscheleinen mit schwarzen Kleidern und stolzen Frauen, die allein leben — die Männer tot oder in die Berge geflüchtet. Kann es sein, dass sein geliebter Freund Pepe zu den Guerilleros gehört? Der neue Roman "Der Feind meines Vaters" von Almudena Grandes zeigt, dass zum Erwachsenwerden auch gehört, sich für die richtige Seite zu entscheiden. (Ü: Roberto de Hollande, 400 S., 19,90 Euro, Hanser)
"Rechnung offen" von Inger Maria Mahlke
Inger-Maria ist der Vorname der Autorin. Inger kommt aus Schweden (wie die Schauspielerin Inger Nilsson, besser bekannt als Pippi Langstrumpf). Inger-Maria kommt aus Hamburg. Dort ist sie 1977 geboren. Mahlke ist längst eine Marke im Literaturbetrieb. Inger-Maria Mahlke hat so ziemlich jeden renommierten Nachwuchspreis gewonnen: "Open Mike" 2009, den Debütpreis beim Harbour Front Literaturfestival 2010, zuletzt den Ernst-Willner-Preis in Klagenfurt. "Rechnung offen" heißt ihr neuer Roman, aus dem sie in Klagenfurt gelesen hat. Er erzählt von einem Mietshaus in Neukölln, wo jeder eine Rechnung offen hat: Der Hausbesitzer, der kurz vor der Pleite steht. Die afrikanischen Zwischenmieter von ganz unten, die ihre Schlepperkosten abdealen. Und der verlassene Achtjährige, der allein zu Haus ist, weil seine Mutter sich gerade aus dem Staub gemacht hat. Es sind noch mehr arme Würstchen, und am Anfang ist man so verwirrt, als wäre man selbst neu im Haus und auf der Suche nach Orientierung im fremden Elend. Am Ende aber will man alle beschützen und nie mehr verlassen - so sehr hat uns Inger-Maria Mahlke ihre Zwangsgemeinschaft ins Herz geschrieben. (284 S., 19,99 Euro, Berlin Verlag)
"Das Ende der Welt" von Sara Gran
Claire DeWitt ermittelt wieder, und das ist erfreulich. Denn als die US-Autorin Sara Gran ihre Detektivin im ersten Band ("Die Stadt der Toten") einführte, hatte Claire gerade einen Nervenzusammenbruch und schmiss so ziemlich alles ein, was als Droge zählt. Ihr zweiter Fall heißt nun "Das Ende der Welt", und ihre Grundhaltung bleibt düster. Zumindest was die Liebe angeht, die in Mord und Totschlag endet. Der Tote hier ist ihr Ex-Freund. Und wieder bleiben Claire nur die Trauer und die Drogen, die ihr das Bewusstsein erweitern bis an die Grenze zum Jenseits. Philosophisch sind diese Krimis, psychedelisch und übersinnlich gut. (Ü: Eva Bonné, 377 S., 14,99 Euro, Droemer)
"Mein Herz ruft deinen Namen" von Susanna Tamaro
Susanna Tamaro? Ist die Großnichte der italienischen Schriftsteller-Legende Italo Svevo und landete mit "Geh, wohin dein Herz dich trägt" vor fast 20 Jahren einen Welt-Bestseller. An diesen Erfolg knüpft sie jetzt mit ihrem neuen Roman an: "Mein Herz ruft deinen Namen" erzählt von einem Mann, früher Kardiologe, der sich in die Berge zurückzieht, nachdem er seine große Liebe verloren hat. "Ein Buch voller Weisheit, Spiritualität und Liebe", schreibt der Verlag. Klingt nach Coelho, ist aber lange nicht so durchgeknallt und nervig. (Ü: Maja Pflug, 223 S., 19,99 Euro, Piper)
"Himmlische Träume" von Joanne Harris
Joanne Harris? Ist nicht etwa die Femme Fatale aus der TV-Serie "Mad Men". Die wurde von ihren Schöpfern Joan Harris (geborene Holloway) genannt. Joanne Harris hingegen ist eine fast in Vergessenheit geratene Weltbestseller-Autorin: "Chocolat" löste 1999 einen Run auf Liebeskonfekt aus, mit dem dann im Film sogar Johnny Depp gezähmt wurde. Und weil man davon nicht genug kriegen kann, gibt's "Himmlische Träume" als Fortsetzung. (Ü: Adelheid Zöfel, 496 S., 19,99 Euro, List)
„Quasikristalle“ von Eva Menasse
Wenn auf der Buchmesse in Leipzig (14. bis 17. 3.) die Frühjahrstitel vorgestellt werden, können diese beiden Autorinnen stolz sein: Eva Menasse präsentiert "Quasikristalle", ein funkelndes Gesamtkunstwerk, das in 13 Geschichten das Leben einer einzigen Frau beleuchtet. Wir sehen sie mit den Augen ihrer Kinderwunsch-Ärztin, beobachten sie als genervte Patchwork-Mutter und Oma. Jedesmal ein neues Bild, faszinierend wie der Blick durch ein Kaleidoskop. Auf dem Cover sind übrigens wirklich Quasikristalle zu sehen - erst kürzlich wurde entdeckt, dass es nicht nur Kristalle mit klar symmetrischer Struktur gibt, sondern auch gebrochene -, die diesen Lebensweg aufs Schönste illustrieren. (432 S., 19,99 Euro, Kiepenheuer & Witsch)
„Meine 500 besten Freunde“ von Johanna Adorjan
Auch Johanna Adorján erzählt in "Meine 500 besten Freunde" 13 Geschichten. Am Ende fügen sie sich zu einem Schicksalsreigen mit komplexer Choreografie auf Berliner Parkett: Die Freundinnen, die sich zu Beginn lauernd im Szene-Restaurant Borchardt gegenübersitzen, werden sich wohl niemals mehr verabreden ("Erst später erfuhr ich, dass Eva an diesem Abend schon wusste, dass ich sie seit Monaten mit ihrem Mann betrog"), aber sie laufen sich wieder über den Weg. Genauso wie die überambitionierte Feuilleton-Praktikantin, der Künstler, die Schauspielerin - und all die anderen ruhmsüchtigen Seelen, deren Credo lautet: "Glück kommt in Wellen, und die nächste ist meine." (256 S., 18,99 Euro, Luchterhand)
"August“ von Christa Wolf
Auf der Lit.Cologne (vom 6. bis 16.3.) wird traditionell der Deutsche Hörbuchpreis verliehen. Die Auszeichnung bekommt Dagmar Manzel für ihre Lesung von "August". Mit ihrer letzten Erzählung knüpfte Christa Wolf an ihren Roman "Kindheitsmuster" an. Gewidmet ist sie ihrem Mann Gerhard zum 60. Hochzeitstag. Als Bonus-Track gibt es ein Gespräch mit Gerhard Wolf und ein fast 50-seitiges Booklet mit Privatfotos und Briefauszügen. (ca. 16 Euro, DAV)
"Frösche“ von Mo Yan
Wenn Sie mal was vom chinesischen Nobelpreisträger Mo Yan lesen wollen, dann jetzt diesen ein wenig anstrengenden, aber von Geburt zu Geburt immer wieder spannenden Roman "Frösche": Eine westlich geschulte Hebamme rettet in der Provinz Shandong unzähligen Müttern und Babys das Leben - und ist mit Beginn der Ein-Kind-Politik verantwortlich für Abtreibung und Zwangssterilisation. (Ü: Martina Hasse, 507 S., 24,90 Euro, Hanser)
„Das Leuchten der Ferne“ von Linus Reichlin
Linus Reichlins Debüts haben es in sich: Für sein erstes Buch "Die Sehnsucht der Atome" bekam er vor vier Jahren den Deutschen Krimipreis. Und sein erster Roman, der jetzt ganz ohne Ermittler auskommt, ist ein Stern unter den deutschsprachigen Neuerscheinungen. "Das Leuchten in der Ferne" heißt er, und die Welt, von der er erzählt, ist immer noch voller Verbrechen. Überall dort, wo es am schlimmsten ist, hat sein Held Moritz Martens als Kriegsreporter früher gutes Geld verdient. Heute will seine Geschichten keiner mehr drucken, bis ihm eine schöne Unbekannte von einem afghanischen Mädchen erzählt: Als Junge verkleidet, ziehe die 14-Jährige mit einem Taliban-Führer durch die Berge. Einem Kerl, der Mädchen die Nase abschneide, wenn sie lesen lernen, und der mehr afghanische Frauen getötet habe als amerikanische Soldaten. Die Kleine wolle aussteigen, bevor es zu spät ist. Für 10 000 Dollar wolle sie ihre Story verkaufen. . . Am Ende ist es genauso und noch viel unglaublicher. Und wir sehen unsere Welt - und das ferne Afghanistan - mit anderen Augen. So etwas vermag nur ein großer Roman, der noch spannender ist als die Spitzenkrimis, die Reichlin bislang geschrieben hat. (301 S., 19,99 Euro, Galiani Berlin)
„Der Liebhaber meines Mannes“ von Bethan Roberts
"Tom ist anders", sagt seine Schwester Sylvie zu ihrer besten Freundin Marion. Die kann und will nicht verstehen, was das heißt. Denn sie ist in Tom verliebt, einen jungen Polizisten. Es sind die frühen 60er Jahre im englischen Seebad Brighton, niemand redet offen über Homosexualität, Schwule werden mit Zuchthaus bestraft. Tom und Marion heiraten, doch da ist noch Patrick. Kultiviert, vermögend, Museumskurator — er zeigt Tom eine neue Welt. Eine Weile scheint es gutzugehen, und doch driftet diese Dreierbeziehung unaufhaltsam in den Abgrund. Bethan Roberts beschreibt in "Der Liebhaber meines Mannes" mit viel Fingerspitzengefühl eine Zeit voller Lügen und Heimlichtuerei, die uns knapp 50 Jahre danach fast schon mittelalterlich vorkommt. (Ü: Astrid Gravert, 19,90 Euro, 400 S., Kunstmann)
“Geheime Tochter“ von Shilpi Somaya Gowda
Heimlich bringt eine Mutter in Indien ihr Neugeborenes ins Waisenhaus, weil der Vater das Mädchen töten will. Und in den USA beschließt ein kinderloses Ärztepaar, endlich ein Baby zu adoptieren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren kreuzt die amerikanische Autorin Shilpi Somaya Gowda, deren Familie aus Mumbai stammt, das Schicksal beider Elternpaare. Ein Adoptionsroman, der — wie unsere Reportage auf Seite 106 — von einem Land erzählt, das Frauen das Leben zur Hölle macht. (Ü: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, 432 S., 9,99 Euro, KiWi)
"Der Himmel über Greene Harbor“ von Nick Dybek
Warnung an alle, die "Der Sturm" (und die Verfilmung mit George Clooney) aufgewühlt hat: Dieser Roman ist noch gewaltiger, auch wenn der Held noch gar nicht mit den Vätern zum Fischen rausfahren darf. Cal bleibt an Land, hat Stevensons "Schatzinsel" im Kopf und noch wildere Abenteuer direkt vor der Nase bzw. im Keller seines Elternhauses. Stewart O'Nan, einer der Großen der US-Literatur, hat über den Debütanten Dybek geschrieben: "Stevenson wäre stolz auf ihn. Ein Pageturner voller Geheimnisse, Gefahr und Verrat." Mehr kann man sich an einem kalten Wintertag kaum wünschen. (Ü: Frank Fingerhuth, 320 S., 19,90 Euro, mare)
„Die verlorenen Spuren“ von Kate Morton
Kate Morton kommt aus Australien und schreibt Bestseller, die alle gleich aussehen und deren Titel ähnlich verwechselbar sind ("Der verborgene Garten", "Das geheime Spiel"). Diesmal sind es "Die verlorenen Spuren", die einmal mehr ihre Genialität als Geheimniskrämerin zeigen. Denn obwohl ich jedes Mal auf den ersten Seiten denke, diesmal ist die Geschichte aber ein bisschen trivial, bin ich Kate Mortons Erzählkunst spätestens nach dem ersten Kapitel verfallen. Weil das Verborgene/Geheime/Verlorene doch immer viel raffinierter verpackt ist, als es auf den ersten Blick scheint. Diesmal geht's zurück nach London während des Bombenkriegs und zu einem Familiengeheimnis, das fast unter Schutt und Asche verborgen geblieben wäre.
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