Marathon in Neu Delhi für die Sicherheit von Frauen
alle Videos"Tape Deck Heart" von Frank Turner
Was das wohl für ein Gefühl ist? Wenn man vor 80000 Zuschauern steht, um sie anzuheizen für die größte Show des Jahres, dann kann einem schon das Herz in die Hose rutschen. Oder es verpasst einem einen mordsmäßigen Adrenalinschub. Den hat Frank Turner definitiv bekommen, als er letztes Jahr im Vorprogramm der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele auftrat - auf persönliche Einladung von Danny Boyle, dem gefeierten Regisseur der Veranstaltung und einem von Turners größten Fans. Dieser Abend hat den Bekanntheitsgrad des 31-Jährigen schlagartig gesteigert. Das ist gut so, denn seine Musik hat maximale Aufmerksamkeit verdient - der Engländer schafft das Kunststück, sensible bis zarte Songwriter-Qualitäten mit seiner punkigen Vergangenheit zu vermischen. Soll heißen: Der Mann hat Gefühl und Stimme und ist sich trotzdem nicht zu schade dafür, ordentlich die Hütte zu rocken. "Tape Deck Heart" (Universal), sein neues Album, hat das Zeug zum Dauergast in meinem CD-Player.
"The Shocking Miss Emerald" von Caro Emerald
Popmusik macht am meisten Spaß, wenn sie überraschend ist. Und Geschichten produziert wie die von Caro Emerald. Eigentlich hatten zwei Produzenten die Niederländerin 2007 nur deshalb zu Probe-Aufnahmen ins Studio eingeladen, weil sie jemanden für einen Pop-Act in Japan suchten, und Caro durfte auch nur ran, weil die A-Besetzung ausgefallen war. Daraus wurde am Ende der wahrscheinlich größte Überraschungserfolg der niederländischen Musikgeschichte — Emeralds Debüt klebte über ein halbes Jahr wie Kaugummi auf Platz 1 der Holland- Charts. Und das mit einem seltsam mitreißenden Mix aus zeitgenössischen Pop-Beats und Swing der 30er Jahre, den man so auch noch nicht gehört hatte. Genau da, wo diese in jeder Hinsicht überraschende erste Platte aufhört,macht die 32-Jährige mit der alten Seele auf "The Shocking Miss Emerald" (Universal) weiter. Mittwippfaktor: hoch.
"Hymns For The Haunted" von Amanda Jenssen
Das Finale einer schwedischen Castingshow hat Amanda Jenssen 2007 noch verloren — seitdem aber gehört die 24-Jährige zu den Gewinnern der Musikszene im Norden. Ihr drittes Album muss wohl eine Art Hommage an Nick Cave sein: "Hymns For The Haunted" (Sony) ist ein düsterschöner Strauß von Schauergeschichten. Herrlich.
"Rangoon" von Max Prosa
Jetzt mal ehrlich: Ich verstehe die Texte von Max Prosa auch nicht immer. Da ist schon viel assoziatives Zeugs dabei, viel Symbolik und Kunst, für dessen Verständnis ein Proseminar 2 Deutsche Lyrik nötig ist. Aber es hört sich immer gut an, was sich der 22-Jährige auf seinem zweiten Album "Rangoon" (Sony) zusammenreimt. Interessanter Typ.
"Understated" von Edwyn Collins
Zwei Schlaganfälle hat Edwyn Collins im Jahr 2005 erlitten, seine Gesundheitsprognosen waren nicht rosig. Unterkriegen ließ und lässt sich der 53-Jährige aber nicht - unverdrossen nimmt der Schotte seine Songs auf, zum Teil großartige Pop-Perlen, mit brüchiger Stimme gesungen. "Understated" (Rough Trade) heißt seine neue CD. Die ist toll.
"Schüchtern ist mein Glück" von Peter Plate
Das letzte Comeback von Rosenstolz war wohl der verzweifelte Versuch, das abzuwenden, was nicht mehr abzuwenden war: das Ende von AnNa R. und Peter Plate als gemeinsames Projekt. Musik machen beide aber immer noch: AnNa kommt im Mai mit ihrer neuen Band Gleis 8 zurück. Peter ist schon jetzt wieder da, solo mit der Platte "Schüchtern ist mein Glück" (Universal). Nun wissen Rosenstolz-Kenner, dass das Singen nicht die ganz große Stärke des 45-Jährigen ist. Die gute Nachricht aber ist: Man gewöhnt sich an seine dünne Stimme, und das ist gut so, denn diese Platte hat es verdient, gehört zu werden. Dem Rosenstolz-Stil bleibt Plate treu, er war es ja, der die Songs geschrieben hat. Aber das Album hat eine eigene Note, eine tiefsitzende Sehnsucht, die es bei allen Schwächen besonders macht.
"Lounge Jewels" von Sharon Brauner
Diese CD ist für Sharon Brauner eine Herzensangelegenheit. Jiddische Klassiker hat die Berlinerin aufgenommen, Evergreens der jüdischen Kultur, arrangiert wie Lounge-Songs, gesungen in einer Sprache, die von immer weniger Menschen gesprochen wird. Es ist die Sprache ihrer Familie, und deshalb gibt es im Booklet von "Lounge Jewels" (Solo Musica) viele Fotos der Eltern und Großeltern der Schauspielerin und Sängerin zu sehen. Ein schönes, ungewöhnliches Projekt!
"Enchanted Forest" von Anna Prohaska
Nymphen, Waldgeistern, Göttinnen — all diesen magischen Wesen leiht die Sopranistin Anna Prohaska ihre Stimme auf ihrem neuen Album "Enchanted Forest" (Deutsche Grammophon). Verzaubert hat sie die Klassikwelt schon seit ihrem Debüt "Sirène" vor zwei Jahren. Warum der junge Star der Berliner Staatsoper ausgerechnet Barock-Arien von Monteverdi bis Händel aufgenommen hat? Diese Stücke "greifen mir einfach in die Brust hinein und quetschen mein Herz", sagt sie. Was absolut auch für uns Zuhörer gilt.
"Bankrupt!" von Phoenix
Irreführende Plattentitel gibt es immer mal wieder. Phoenix liefern das neueste Beispiel dafür. "Bankrupt!" (Warner), also: bankrott sind die vier Franzosen in keiner Beziehung. Das fünfte Album der Pariser Elektropopper bietet zauberhafte Musik, bei der der Himmel voller Discokugeln hängt.
"New Day Dawn" von Gentleman
Tilmann Otto aus Köln wird am 19. April 39 Jahre alt. Seinen Ehrentag begeht der Jubilar mit der Veröffentlichung eines eigenen Tonträgers: "New Day Dawn" (Universal) heißt das neue Album, das der Pastorensohn unter seinem Künstlernamen Gentleman produziert hat. Es ist einer der größeren Namen im internationalen Musikgeschäft: Alle seine Alben schafften es in halb Europa in die Charts, in Deutschland sogar auf Platz 1. Er gewann Echos und Kometen, die bedeutendsten deutschen Musikpreise. Wichtiger aber: Gentleman ist einer der renommiertesten Reggae-Musiker weltweit, selbst auf Jamaika, wo der gebürtige Osnabrücker früher viel Zeit verbracht hat, wird seine Musik gehört — und gemocht. So gesehen spricht eigentlich nichts dagegen, dass auch sein neues Werk einschlägt. Es ist nämlich auch noch richtig gut, eine frühlingsfrische Mischung aus klassischem Reggae, aus Soul und Pop mit Tiefgang. Sozusagen sein Geschenk an uns. Wir sagen: Danke schön.
“Johannes Brahms/Clara Schumann” von Lisa Batiashvili
Die Geige kennt den Weg Kaputte Instrumente, bröckelnde Mauern — in unserer letzten Ausgabe berichteten wir über eine Musikschule in Tiflis, die trotz Armut großartige Musiker ausbildet. Prominenteste Absolventin ist derzeit die Violinistin Lisa Batiashvili. Auf ihrem neuen Album "Johannes Brahms/Clara Schumann" (Deutsche Grammophon) spielt sie ausschließlich Werke, die für den Geiger Joseph Joachim geschrieben wurden. Und zwar auf ihrer Stradivari, die einst Joachim gehörte. "Ich hatte beim Spielen fast das Gefühl, dass das Instrument die Musik kennt", sagt Batiashvili. Zu bescheiden: Sie spielt diese Musik einfach so überzeugend, als ob sie für sie komponiert wurde.
"Kein unbeschriebenes Blatt" von Diane Weigmann
Es gibt diese verzweifelten Momente, in denen man mit ansehen muss, wie minderbegabte Trällerschnuten zu Megastars werden - und auf der anderen Seite Riesentalente einfach nie so groß werden, wie sie es verdient hätten. Diane Weigmann zum Beispiel, deren Karriere als Sängerin der Lemonbabies vielversprechend begann. Und die nun seit Jahren ihre Musik online verkauft. Resonanz: geht so. 39 ist sie inzwischen, und mit "Kein unbeschriebenes Blatt" (Rotschopf) nimmt sie mit eigenem Label einen neuen Anlauf auf das große Publikum: herrlicher Pop, von Indie bis Retro, von zart bis fröhlich, der vom Leben einer Frau knapp vor 40 erzählt. Das ist toll. Kaufen Sie diese Platte.
"Awayland" von Villagers
Irland verfügt über eine kaum zählbare Menge großartiger Musiker - wenn eine Band mit ihrem Debüt dort 70 Wochen in den Charts bleibt (und nicht wenige davon auf Platz 1), muss sie schon was Besonderes sein. Das sind Conor J. O'Brien und der Rest der Villagers auf jeden Fall. Auch "Awayland" (Domino), Album Nummer zwei, zierte mit ihrem verschachtelten Indie-Pop die Chart-Spitze. Zu Recht.
"Lento" von Youn Sun Nah
Aus Korea kennt man Autos und Fernseher und Handys - aber Jazz-Sängerinnen? Nun, es gibt sie. Youn Sun Nah ist eine. Dazu eine mehrfach preisgekrönte, auch den "Echo" hat 43-Jährige schon gewonnen. Nicht zuletzt, weil nur wenige so klar, so perfekt singen wie sie. Das macht ihr neues Album "Lento" (ACT) so herausragend.
"The Golden Age" von Woodkid
Yoann Lemoine aus Reims ist disziplinlos. Soll heißen: Er lässt sich nicht festnageln. Er dreht sensationelle Musikvideos (für Katy Perry und Taylor Swift zum Beispiel), macht aber unter dem Namen Woodkid selbst Musik, die mitunter so experimentell klingt, dass man sich fragt, ob es überhaupt noch Musik ist. Spannender Typ, der 28-Jährige. Und spannende Platte, dieses "The Golden Age" (Universal).
"Kraniche" von Bosse
Heimat, wo auch immer Ich weiß noch immer, wo und wie ich erfahren habe, dass sich Kurt Cobain erschossen hat ("Tagesschau", Schlafzimmer). Axel Bosse war 14 damals und hat an diesem Tag ein Mädchen in seinen Armen gehalten - und ein Lied gemacht aus seinen Erinnerungen an diese "Schönste Zeit", in der für ihn alles begann. Es ist der vielleicht wunderbarste Song auf "Kraniche" (Universal), dem neuen Album des 33-Jährigen, aber auch der Rest ist großartig. Überhaupt: Bosse ist einer der besten Songwriter Deutschlands. Finden seine Kollegen schon ganz lange, aber inzwischen sind auch seine Konzerte stets ausverkauft. Vielleicht deshalb, weil er mit wenigen Worten ein heimeliges Gefühl schafft. Bosse weiß: Heimat ist, wo unser Herz hängt - und unsere Erinnerungen.
"Bye Bye Manchester" von Mélanie Pain
Manchester sehen und gehen Da saß also Mélanie Pain, die Sängerin von Nouvelle Vague, im schönen Paris und träumte von Englands Norden. Genauer: von Manchester, der Stadt von New Order und The Smith. Hier wollte sie leben, den Geist ihrer musikalischen Idole aufsaugen und Songs schreiben. Hat die Französin auch gemacht. Manchester war dann weniger spektakulär, als sie gedacht hatte, sagt sie, aber das Ergebnis kann sich hören lassen: "Bye Bye Manchester" (Rough Trade), meist zauberhaft auf Französisch, manchmal auf Englisch gesungen, vereint Indie-Britpop und Nouvelle Chanson auf das Schönste.
"Huellas" von Lily Dahab
Schön, schöner, am schönsten Eigentlich greift bei mir ein ausgewachsener Abwehrreflex, wenn ich höre, dass ein Musical-Star eine Platte macht. Lily Dahab, lange in der spanischen Version von "Cats" aktiv, hat ihn mit wenigen Takten beiseite gewischt. Erstens, weil ihr neues Album "Huellas" (Edel) aber auch mal gar nix mit Musical zu tun hat, sondern mit Tango und Jazz und melancholischem Liedgut aus Dahabs Heimat Argentinien. Zweitens, weil ich lange keine derart schöne Stimme gehört habe. Und drittens, weil die Frau atemberaubend attraktiv ist. Manchmal hört ja auch das Auge mit.
"Elgar Cello Concerto Carter" von Alisa Weilerstein
Neue Wege Es ist das Heiligtum des Cello-Repertoires, das e-moll-Konzert von Edward Elgar. Denn seit den 60er Jahren, als Jaqueline du Pré mit diesem Werk die Klassikwelt mitgerissen hat, muss sich jeder Nachfolger an ihrem hitzigen Genius messen lassen. Alisa Weilerstein hat mit dem Dirigenten Daniel Barenboim das Konzert eingespielt - dem Ex-Mann der 1987 an multipler Sklerose verstorbenen du Pré. Fast 40 Jahre hat er gewartet, bevor er das Stück mit einer anderen Cellistin aufführte. Es hat sich gelohnt: Die CD "Elgar Cello Concerto Carter" (Decca) zeigt, dass es in der Klassik doch immer neue Wege gibt.
„Magma” von Selig
Darf's ein bisschen mehr sein? Nein, es wird nicht klein gedacht bei Selig. Hymnisch sind die Songs von Jan Plewka und Co, und auch die Albumtitel nach der Wiedervereinigung der Band 2008 deuten auf Großes hin: "Und endlich unendlich", "Von Ewigkeit zu Ewigkeit"... "Magma" (Universal), der Titel des neuen Werks der Herren, klingt da geradezu unter- bis hintergründig. Bei der Produktion allerdings wurde es wieder opulent: Selig haben ihr Album bei Steve Power in England produziert, einem der Größten seiner Zunft weltweit, der von Blur bis Robbie Williams so einigen Pop-Größen den richtigen Schliff verpasst hat. "Magma" ist Selig von ihrer besten Seite. Großes Album.
“Girl Talk” von Kate Nash
Es ist Punk, Baby! Als ich Kate Nash vor fünfeinhalb Jahren zum ersten Mal gehört habe, war sie 20 und hatte ein Nummer-eins-Album. Jetzt kommt die dritte CD der Londonerin. Aus dem klugen, ironischen Mädchen mit dem Zeug zum international gefeierten Popstar ist binnen eines halben Jahrzehnts eine zornige Frau geworden, die sich mehr nach Garagenpunk anhört als nach Top-Hit. Mich fasziniert das. Nash pfeift komplett darauf, was die Welt von ihrem Wandel hält. Und wenn man sich auf "Girl Talk" (Universal) einlässt, stellt man fest: Tut irgendwie ganz gut, wenn sich Musik manchmal anfühlt wie ein heftiges Frühlingsgewitter. Respekt.
„Wolke 8” von Lisa Bassenge
Würde Lisa Bassenge Bücher schreiben, würde sie in großen Buchhandlungen wahrscheinlich in das Segment "Freche Frauen" (gibt's wirklich) einsortiert werden. Weil die Berlinerin aber Musik macht, bleibt ihr dieses Schicksal erspart. "Wolke 8" (in-akustik), das neue Album der 38-Jährigen, besticht durch zweierlei: 1. durch den gut gelaunten, teilweise Funken sprühenden Jazz, den sie und ihre Band hinlegen, 2. durch bissige, saukomische und intelligente Texte, in denen es um heulende Schweinehunde, zu riskierende dicke Lippen, dumme Herzen und um das geht, was kommt, wenn das Glück geht. Kurz: Diese Platte hilft dabei, sich den Muff des Winters aus dem Körper zu schütteln.
„Jake Bugg” von Jake Bugg
Wissen Sie noch, was Sie mit 18 gemacht haben? Ich für meinen Teil habe mich morgens übermüdet in eine Hamburger Lehranstalt geschleppt, dreimal die Woche Fußball gespielt, im Supermarkt Regale aufgefüllt, vom verdienten Geld LPs gekauft und versucht, Mädchen mit Mix-Tapes zu beeindrucken. Was ich nicht gemacht habe: irgendwas, mit dem man die Welt schöner machen kann. Das unterscheidet mich signifikant von Jake Bugg. Der Engländer, gerade mal so eben volljährig und eher klein von Wuchs, ist auf dem besten Weg, ein veritabler Superstar zu werden. Auf Platz eins der britischen Album- Charts hat es der Junge aus einer Hochhaussiedlung in Nottingham schon gebracht, und wer mit der gebotenen Andacht seinem Debüt "Jake Bugg" (Universal) zuhört, versteht ganz schnell, warum. Bugg macht einfache, aber einnehmende Musik, seine Stimme wird oft mit Bob Dylan verglichen, aber er hat auch etwas von Oasis oder amerikanischen Songwritern der 70er. Erstaunlich reif klingt das. Sein Manager sagt, Jake habe eine alte Seele. Möge sie dem Jungen nützen.
“Bach” von David Fray
Ja, der Mann sieht einfach toll aus. Und Klavier spielen kann er auch noch sensationell gut. Der Franzose David Fray schafft es, die Musik von Johann Sebastian Bach jenseits ihrer Erhabenheit mit Emotionen zu füllen, ohne dabei kitschig zu werden. Wem das Album "Bach" (Virgin Classics) nicht genügt, der kann Fray auch live erleben - bis Ende April ist er noch auf Deutschlandtournee.
“Adam Green & Binki Shapiro” von Adam Green & Binki Shapiro
Zynisch? War Adam Green mal. Mit der bezaubernden Binki Shapiro macht der New Yorker jetzt kleine Pop-Perlen. Die Single "Here I Am" von "Adam Green & Binki Shapiro" (Universal) wird in elf Monaten einer der Songs des Jahres sein.
“Wie wir leben wollen” von Tocotronic
20 Jahre Tocotronic! Zehn Alben, inklusive "Wie wir leben wollen" (Universal), dem neuen! Da ist es an der Zeit, kurz vor Ehrfurcht innezuhalten und eine der wichtigsten deutschen Bands überhaupt und aller Zeiten zu würdigen. Weiter so.
“Ashes” von Kyla La Grange
Kyla La Grange "Ich muss traurig sein, um Songs zu schreiben", sagt Kyla La Grange. Dass es die Britin dabei schafft, auf "Ashes" (Sony) nicht deprimierend zu klingen, sondern mitreißenden Pop zu machen, ist große Kunst und zeugt vom Talent der 26-Jährigen. Dass sie nebenbei ein Philosophie- Studium in Cambridge abgeschlossen hat, ist fast unheimlich. Schlau, talentiert, hübsch — wo soll das noch enden?
„Drama Queens” von Joyce DiDonato
Barockoper ist kein Genre, in dem es um Understatement geht: Irre Plots, Läufe, die höchste Stimmakrobatik erfordern, und immer geht es um die ganz großen Gefühle. "Drama Queens" (Virgin Classics) heißt das neue Album mit Barockarien der Mezzosopranistin Joyce DiDonato. Und sie verspricht damit nicht zu viel: Wenn DiDonato die royalen Gefühlsausbrüche der Poppea, Cleopatra oder Iphigenie singt, brennt die Luft. Und die Amerikanerin beweist, dass sie selbst zur Zeit die unangefochtene Königin der Barockoper ist.
“Über die Unruhe” von Wolfgang Müller
Die Liebe, singt Wolfgang Müller, gehört eigentlich ins Heim, alt und gebrechlich, wie sie ist. Aber weil sie noch Fahrrad fährt und schon länger nicht mehr umgefallen ist, darf sie noch eine Weile bleiben. So hört sich das an beim 37-Jährigen, wenn er von Augen singt, die sich über nichts mehr wundern. Davon, dass man jemanden selbst dann vermissen kann, wenn er neben einem liegt. "Über die Unruhe" (Indigo) macht erst neugierig und dann ganz ruhig und aufmerksam, und plötzlich, ohne es wirklich zu merken, ist man gefangen von dieser Poesie. Zu schön.
“Argonautenfahrt” von Kitty Hoff & Foret-Noire
Die Liebe zerbricht, Schalter gehen nicht mehr, draußen vor dem Fenster regnet es junge Hunde - alles nicht so einfach, wenn man Kitty Hoff & Forêt-Noire zuhört. Aber es hat seinen Charme, wenn die 40-Jährige aus Berlin und ihre Band loslegen, mit einer gediegenen Mischung aus Jazz und Chanson. "Argonautenfahrt" (Edel) heißt das neue Album einer Frau, der das Gestern näher zu sein scheint als das Heute.
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