Buchkunst aus 1001 Nacht

Auf der Frankfurter Buchmesse regiert das geschriebene Wort, denken Sie. Das ist richtig, aber nicht so ganz. Wir zeigen Ihnen wahre Buchkunstwerke, die fast ohne Schrift auskommen - und die jetzt auf der Buchmesse zu sehen sind.

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Mohamed Hassan Youssef Aly, Antiq-book, 2002

Mohamed Hassan Youssef Aly, Antiq-book, 2002

Vom 6. bis 10. Oktober steht Frankfurt wieder ganz im Zeichen der Buchmesse - und mittendrin finden die Besucher den "Platz der Buchkunst". Zum fünften Mal organisiert der BuchDruckKunst e.V. Hamburg diesen Schauplatz für "Bücher der anderen Art". Eines der Highlights: die Ausstellung "Buchkunst aus der Arabischen Welt", die der diesjährigen Gastregion der Buchmesse gewidmet ist. 21 Künstler aus Ägypten, Bahrain, Irak, Jordanien, Palästina, Qatar und Syrien zeigen dort ihre außergewöhnlichen Buchobjekte. Kurator der Ausstellung ist der Berliner Künstler Dr. Erich Paproth. Er war es, der durch seine privaten Kontakte zu arabischen Buchkünstlern diese Ausstellung ermöglicht hat. "Über offizielle Stellen kommt man da nicht weiter, Buchkünstler sind einfach nicht bekannt genug. Das ist in der Arabischen Welt nicht anders als bei uns", sagt Wibke Bartkowiak, erste Vorsitzende des BuchDruckKunst e.V. Hamburg. Zusammen mit ihrem Mann macht sie sich schon seit mehr als zwanzig Jahren für die Buchkünstler stark. In Bartkowiaks Haus sind in den letzten Wochen all die Buchkunstwerke aus den arabischen Ländern eingetroffen, die jetzt in der Ausstellung gezeigt werden. Und Wibke Bartkowiak war richtig erstaunt, wie reibungslos der Versand geklappt hat. Nur einmal musste sie zum Zoll, um eines der Pakete auszulösen.

Die bösen Überraschungen gab's erst, als sie die Pakete öffnete: Kaum ein Künstler hatte sich an die vorgegebenen Maße von 30x40 cm gehalten. Zum Glück hatte Wibke Bartkowiak noch größere Vitrinen auf Lager, sonst hätten die bis zu 60 cm hohen Bücher womöglich gar nicht gezeigt werden können. Doch damit nicht genug: Eines der Kunstwerke hatte die lange Reise nicht unbeschadet überstanden. Bei Sliman Mansurs Keramik-Buch "Living inside" (Foto 5 in unserer Bilderstrecke) war eine Ecke abgebrochen. Das hätte bei seinem zweiten Werk, einem 15 Kilo schweren Buch aus Metall (Foto 3), wohl nicht passieren können. "Als ich Sliman Mansur von dem Schaden erzählt habe, sagte er, das hätte bestimmt etwas zu bedeuten, und ich solle das Buch auf jeden Fall so kleben, dass man den Riss sieht", berichtet Wibke Bartkowiak.

Die größte Überraschung erlebte sie, als sie das Buch "Notes from planet called earth" von Faisal Samra auspackte (Foto 6). Auf einer der Seiten hat die Künstlerin einen toten Fisch verarbeitet. So groß der optische Genuss beim Anschauen dieses Werkes auch ist: In diesem einen Fall freut man sich direkt, dass die Objekte auf der Buchmesse hinter Glas gezeigt werden.

Info: Die Ausstellung "Buchkunst aus der Arabischen Welt" wird am 7. Oktober um 11.30 Uhr eröffnet. Außerdem auf dem "Platz der Buchkunst" (Halle 4.1, Q 501): Vorführungen künstlerischer Drucktechniken wie Siebdruck, Walzensiebdruck und Deviprint, Herstellung von Papyrus und zwei weitere Ausstellungen. Direkt neben dem "Platz der Buchkunst" zeigen 48 Buchkünstler an Einzelständen ihre Werke. Weitere Infos unter www.buchdruckkunst.de.

  • Katharina Wantoch
    Fotos: Emanuel Ebinal
BRIGITTE im ABO