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T.C. Boyles neuer Roman erzählt ganz wunderbar die Geschichte einer Revolution. Und die Geschichte ihres Revolutionsführers: Alfred Kinsey, jener "Dr. Sex", der das sexuelle Verhalten einer ganzen Nation erforschte - und mit seinem Kinsey-Report Ende der 40er ein mittleres Erdbeben im prüden Amerika auslöste. Boyle, für uns einer der besten zeitgenössischen Erzähler, lässt einen fiktiven Mitarbeiter von Professor Kinsey - für seine Studenten kurz Prok - von seiner Zeit mit dem kauzig-progressiven Sexualforscher berichten und setzt so Kinseys spannender, komplexer, gradliniger und trotzdem widersprüchlicher Persönlichkeit ein würdiges Denkmal. John Milk wird 1939 der erste Mitarbeiter von Kinsey, später ein Freund seiner Familie, noch später sein Liebhaber und der seiner Frau Mac. Alles kein Problem, findet Kinsey: Der von der wissenschaftlichen Seite des Sex besessene Forscher behauptet, dass man durchaus sämtliche sexuellen Bedürfnisse und Neigungen ausleben kann und muss, ohne dass die Liebe zwischen Eheleuten Schaden nimmt. Das funktioniert auch für Milk ganz ordentlich. Bis er selbst heiratet und feststellt, dass Theorie und Praxis Welten voneinander entfernt sind. (Ü: Dirk van Gunsteren, 472 S., 24,90 Euro, Hanser)
Angela Wittmann
Leseprobe
Das erste Kapitel aus "Dr. Sex": Viel Spaß mit unserer Leseprobe.
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"Dr. Sex" auf CD: Hören Sie rein!
Seit 25. Februar als Hörbuch im Handel:
T. C. Boyle "Dr. Sex", autorisierte Lesefassung, Sprecher: Jan Josef Liefers, Übersetzung: Dirk van Gunsteren
4 CDs, Laufzeit ca. 300 Min.
Produktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg / Der Hörverlag, 2005
19,95 Euro (unverbindliche Preisempfehlung)
Kleine Kostprobe gefällig? Hören Sie in "Dr. Sex" rein.
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Über Alfred C. Kinsey
1948 veröffentlicht der amerikanische Wissenschaftler Alfred C. Kinsey unter dem Titel "Sexual Behaviour in the Human Male" ("Das sexuelle Verhalten des Mannes") den ersten Teil der bis dahin größten Sexstudie, 1953 mit "Sexual Behaviour in the Human Female" ("Das sexuelle Verhalten der Frau") den zweiten. Beide werden bekannt unter dem Namen "Kinsey-Report" und lösen in Amerika und dem Rest der Welt Empörung aus. Kinsey, der eigentlich Zoologe und auf Wespen spezialisiert war, hatte im Laufe von 15 Jahren fast 20 000 Amerikaner nach ihrem Sexleben befragt. Die Ergebnisse waren ein Angriff auf alle damaligen Moralvorstellungen: Amerikas Frauen und Männer masturbierten, gingen fremd, hatten homosexuelle Neigungen und vorehelichen Sex. Ihre Vorlieben reichten von Analsex bis zu Sadomaso-Praktiken. Außerdem erfuhr die Öffentlichkeit zum ersten Mal alle Details über Orgasmus, Frigidität und Onanie.
Allein "Das sexuelle Verhalten des Mannes" verkaufte sich in den ersten 14 Tagen nach Erscheinen über 180 000-mal. Auch wenn Kritiker später bemängelten, dass Kinseys Auswahl der Studienteilnehmer nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung gewesen sei und der Forscher lediglich seine Triebe ausleben wollte, würdigen Wissenschaftler seine Arbeit bis heute als bahnbrechend. Kinsey gründete 1947 das Kinsey Institute, das seine Untersuchungen des Sexualverhaltens bis heute fortsetzt. (BRIGITTE/Heft 4)











