Schminkschule: Der Nude-Look
alle VideosArezu Weitholz: Wenn die Nacht am stillsten ist
Es geht um Sehnsucht, Kontrolle und, natürlich, um die Liebe.
Ludwig hat Schlaftabletten genommen - ein Suizidversuch? Seine Freundin Anna sitzt an seinem Bett und erzählt ihm von ihrer bewegten Vergangenheit, vom Selbstmord ihres Vaters, der Krankheit ihrer Mutter. Ob Ludwig sie hört, ist ungewiss. Als Leserin, das ist sicher, will man immer mehr hören von Anna, will wissen, wie sich eine so tiefgründige Frau in so einen materialistischen Mann verlieben konnte. Arezu Weitholz' klangvoller Debütroman entwickelt eine enorme Sogkraft. Eine große, stark erzählte Liebesgeschichte. (224 S., 17,95 Euro, Kunstmann)
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Die besten neuen Krimis
Die besten Taschenbücher für den Sommer
Was sich jetzt zu lesen lohnt
Lilly Lindner: Bevor ich falle
Als Kind wurde die Autorin missbraucht. Heute schreibt sie grandiose Bücher.
"Ich konnte alles sein, vom zuckersüßen Schulmädchen bis hin zum schwarz gekleideten Grunge-Rock-Girl. Ja, ich hatte mich in den letzten Jahren durch sämtliche Möglichkeiten der Selbstdarstellung getestet und war zu dem Schluss gekommen, dass es scheißegal ist, was ich trage, solange ich mich selbst nicht tragen kann." Was geht in dem Kopf eines traumatisierten Mädchens vor? Nur wenige können diese komplexe Gefühlswelt so bewegend beschreiben wie die Autorin Lilly Lindner, die als Kind missbraucht wurde und 2011 mit ihrer Autobiografie "Splitterfasernackt" einen Bestseller landete. In ihrem ersten Roman erzählt sie nun die Geschichte von Cherry, deren Mutter sich umbringt, als sie neun Jahre alt ist. Ihr gefühlskalter Vater und die Welt lassen sie allein mit ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen. Sie flieht in die Sucht nach Schmerz, den sie sich mit Rasierklingen zufügt. Erst als sie dem Musiker Scratch begegnet, findet sie zu sich. Ein kunstvolles, poetisches Romandebüt. (304 S., 16,99 Euro, Droemer; auch als eBook)
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Erri de Luca: Montedidio
Ein stilles Meisterwerk.
Dieses schmale Buch besteht aus Sätzen, die wie ein Hauch daherkommen und die einen erst in der Nachwirkung umhauen. Es hat Erri de Luca in Italien zum meistgelesenen Autor des letzten Jahrzehnts gemacht. Dort erschien der Roman 2001. Ein 13-jähriger Junge aus einem Armenviertel Neapels arbeitet Anfang der 60er Jahre in der Werkstatt eines Tischlers und eines Schusters, lauscht den Geschichten der alten Männer über das Meer und das Leben. Abends steigt er mit einem hölzernen Bumerang auf ein Dach, um mit ihm das Fliegen zu üben, denn die Welt von oben zu sehen ist sein Traum. Die eher sparsame Handlung steuert auf ein Ende zu, an dem das Fliegen gelingen wird, nur anders, als es sich der Junge ausgemalt hat. (Ü: Anne Kopetzki, 224 S., 14,99 Euro, Graf; auch als eBook)
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Jodi Picoult: Ein Lied für meine Tochter
Packendes Drama über einen unerfüllten Kinderwunsch.
Die Story: Zoe und Max versuchen, mit Hilfe künstlicher Befruchtung ein Kind zu bekommen, doch es klappt nicht. Irgendwann hält Max den Druck nicht mehr aus, trennt sich und zieht zu seinem Bruder, der einer evangelikalen Gemeinde angehört. Zoe verliebt sich derweil in eine Frau und will mit ihr ein Kind - und Zugriff auf ihre noch eingefrorenen Eizellen. Doch die will auch Max, und bald streiten die beiden vor Gericht um das Sorgerecht für die nicht geborenen Kinder.
Die Autorin: Schnell- und Vielschreiberin, 45, lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in New Hampshire und schickt von dort ihre Bestseller um die Welt, mindestens einen pro Jahr.
Da muss man durch: Die Story ist packend, aber auch recht konstruiert. Man merkt, dass Max und Zoe Platzhalter für eine Konstellation sind, die Picoult mehr interessiert als tiefgründig gezeichnete Charaktere: der Streit zwischen der religiösen Rechten und dem liberalen Amerika.
Das hat man davon: Gänsehaut, weil die Geschichte fast physisch spürbar macht, wie die Gehirnwäsche der bigotten BibelHardliner funktioniert.
Perfekt für: alle, die Gerichtskrimis mögen.
(Ü: Rainer Schumacher, 576 S., 22,99 Euro, Lübbe; auch als E-Book)
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John Irving: In einer Person
Wer bin ich? Und wenn ja, wie liebe ich? Über die Suche nach der sexuellen Identität.
Die Story: William Abbott wächst in den 50ern in einer kleinen Stadt in Vermont auf. Früh weiß er zwei Dinge: Er ist bisexuell, und er will Schriftsteller werden. Seine Neigungen führen ihn zur geheimnisvollen Bibliothekarin Miss Frost, ins Schwulenmilieu von Wien und später an die Sterbebetten seiner Freunde, die in den 80ern an Aids erkrankt sind.
Der Autor: Ringer und Romancier, legt hier seinen 13. Roman vor. Seine Manuskripte verfasst er handschriftlich.
Da muss man durch: Das Irving-übliche Setting aus Vermont, Jungsschule und Wien. Das übliche Personal aus alleinerziehenden Müttern, Söhnen ohne Vätern, Ringern und anderen Exzentrikern. Eine unübliche Menge von Shakespeare- und Ibsen-Zitaten.
Das hat man davon: Irving wagt sich an ein kollektiv verdrängtes Thema: Aids in den frühen 80ern. Und er scheut sich nicht, das Schicksal der Betroffenen in allen Facetten zu beschreiben. Allerdings erst im letzten Drittel des Buches.
Perfekt für: treue Fans, Freunde skurriler Familienromane und bisexueller ComingofAge-Geschichten.
(Ü: Hans M. Herzog und Astrid Arz, 736 S., 24,90 Euro, Diogenes; auch als eBook)
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Eowyn Ivey: Das Schneemädchen
Eine Liebesgeschichte mit süßem Schmelz.
Wie ein sahniger Schokotoffee: sehr süß, aber köstlich. Mabel und Jack, ungewollt kinderlos, wandern nach Alaska aus und landen in einem harten Farmerleben. Alles scheint unerträglich. Bis im Winter das Schneemädchen Faina in das Leben des Paares tritt - und im Sommer wieder verschwindet. So geht das Jahr um Jahr. Der zwischen Märchen und Wirklichkeit schwebende Roman erzählt die Geschichte einer tiefen Liebe und ganz nebenbei von der Besiedlung Alaskas. Ein behutsames Buch, das sehr zufrieden macht. (Ü: Claudia Arlinghaus, Margarete Längfeld und Martina Tichy, 464 S., 19,95 Euro, Kindler)
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Alain Claude Sulzer: Aus den Fugen
Von Zufällen, Überraschungen und dem Mut zur Veränderung.
"Das war's." Mit diesem knappen Satz bricht der weltberühmte Pianist Olsberg sein Konzert ab und verlässt den Saal. Die Zuhörer sind schockiert. Er selbst ist von sich am meisten überrascht. So war das nicht geplant. Aber nicht nur sein Leben wird sich ändern - auch das einiger Hauptfiguren in Alain Claude Sulzers Erzählung, die an einem einzigen Abend spielt. Sie erleben eine böse Überraschung, als sie zu früh nach Hause kommen, oder streiten sich vor dem Konzert, das sie dann gar nicht erst besuchen. Atmosphärisch dicht komponiert verwebt Sulzer die Schicksale. Das Konzert ist zwar abrupt zu Ende, die Erzählung aber schwingt noch lange nach. (231 S., 18,99 Euro, Galiani; auch als eBook)
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Liza Klaussmann: Zeit der Raubtiere
Tiger sind gefährlich. Menschen manchmal auch. Vor allem, wenn sie aus der eigenen Familie kommen.
Ein heißer Sommer in den 60ern auf Martha's Vineyard, der Sommerinsel von Amerikas Ostküsten-Adel. Cocktail-partys, Tennisturniere und Segelausflüge bestimmen das Leben der Cousinen Nick und Helen auf dem alten Familiensitz "Tiger House". Doch dann finden ihre halbwüchsigen Kinder eine tote Frau im Gras. Damit bekommt das vermeintliche Idyll einen Riss: Auf einmal lässt sich nicht mehr verbergen, dass die Ehen der Cousinen am Abgrund stehen, und jedes Familienmitglied scheint ein dunkles Geheimnis mit sich herumzutragen. Die Autorin Liza Klaussmann ist die Ur-Ur-Ur-Enkelin von Herman Melville ("Moby Dick") und gehört selbst zu den etablierten Clans der Ostküste. So gekonnt, wie sie allerdings in ihrem eleganten literarischen Debüt die Mittel der Suspense einsetzt, könnte sie auch gut mit Alfred Hitchcock verwandt sein. (Ü: Michaela Grabinger, 432 S., 19,99 Euro, Droemer; auch als eBook)
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Cornelia Funke: Lebendige Schatten
Lieben Sie Märchen für Erwachsene? Lassen Sie sich von diesem Buch verzaubern.
Die Story: Jacob Reckless muss ein weiteres dunkles Abenteuer überstehen. Um seinen Bruder zu retten, zahlt er einen hohen Preis - denn nun lastet ein Fluch auf ihm. Die fieberhafte Suche nach einem Gegenmittel beginnt. Nur ein lange verschollener Schatz kann Jacobs Leben retten.
Die Autorin: Cornelia Funke, 53, lebt mit ihrer Familie in Los Angeles. Ihre "Tintenwelt"Triologie und der erste RecklessBand verkauften sich millionenfach. Das "Time Magazine" wählte sie unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt.
Das hat man davon: Zu alt für einen Ausflug in die Welt von Grimms Märchen? Nicht mit Jacob Reckless, dessen Märchen auch Erwachsene in ihren Bann ziehen. Zwar treffen wir in der Spiegelwelt auf Bekannte aus der Kindheit, auf Rapunzelhaar und Prinzen zu Pferd. Doch die finsteren Fantasien, die Funke ihrer Geschichte einhaucht, machen sie für jedes Alter lesenswert.
Da muss man durch: die lange Suche nach einer Identifikationsfigur, denn die Charaktere bleiben etwas blass.
Perfekt für: ein gemütliches Wochenende, um vollständig in die Geschichte einzutauchen.
(411 S., 19,95 Euro, Dressler)
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Katharina Hagena: Vom Schlafen und Verschwinden
Ein Netz von kunstvoll verwobenen Schicksalsfäden.
In einer einzigen schlaflosen Nacht entspinnt sich die schicksalhaft verknüpfte Handlung um einen verschwundenen Jungen und Ellen, die nachtwachende Schlafforscherin. Mit feinem Sprachgefühl erzählt die Autorin von Liebe und Sehnsucht und bewegt sich mit Leichtigkeit zwischen Poesie und Magie, in der Grauzone zwischen Wachen und Schlafen. Nach ihrem Überraschungserfolg von "Der Geschmack von Apfelkernen" legt Katharina Hagena ein gelungenes zweites Buch nach. (256 S., 18,99 Euro, Kiepenheuer & Witsch; auch als eBook)
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Amanda Eyre Ward: Was im Schatten blieb
Einfühlsamer Familienroman mit Krimi-Elementen. Hollywood kann kommen!
Lauren war sechs Jahre alt, als ihre Mutter ermordet wurde. Von ihrem Mann, Laurens Vater? Davon ist die junge Immobilienmaklerin fest überzeugt - und verweigert jeden Kontakt mit dem Vater, der seit mehr als zwanzig Jahren im Gefängnis sitzt. Sie spricht mit niemandem über ihre Vergangenheit und hält ihren Freund Gerry auf Abstand. Erst als ihr Bruder Alex verschwindet, macht sich Lauren auf die Suche nach der Wahrheit. Sie stößt dabei auf ein dunkles Geheimnis - und lernt endlich zu lieben. Ein Familienroman, der mit immer neuen Wendungen überrascht, gefühlsklug, einfühlsam und spannend. Guter Stoff für einen Film - ein Roman der Autorin wurde schon mit Sandra Bullock in der Hauptrolle verfilmt. (Ü: Alexandra Hinrichsen, 288 S., 8,99 Euro, rororo)
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Martin Suter: Die Zeit, die Zeit
Herrlich verrückt und wunderbar leicht.
Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Zeit. Es gäbe, stattdessen, nur Veränderung, weil man ja nur durch Veränderung überhaupt erkennt, dass Zeit vergangen ist. Stellen Sie sich außerdem vor, dass Sie über den Mord an Ihrer großen Liebe so traurig sind, dass Sie alles tun, alles glauben würden, um ihn ungeschehen zu machen. Dann sind Sie mitten in Peter Talers Welt: Seine Frau wurde vor seiner Haustür erschossen, der Täter ist unauffindbar. Talers kauziger Nachbar Knupp scheint allerdings ein geheimes Wissen über Zeitreisen zu haben: Man muss einfach jede Veränderung rückgängig machen und alles wieder so herrichten, wie es am Tag vor dem Mord war, dann kommt die Verstorbene zurück . . . Dieses Buch ist herrlich irritierend und reißt einen mit in eine abstruse Gedankenwelt: Ist Zeit wirklich nur Einbildung - und wenn ja: Wie spät ist es jetzt? (304 S., 21,90 Euro, Diogenes)
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Jenny Erpenbeck: Aller Tage Abend
Wie viele Leben können in einem einzigen stecken?
Jenny Erpenbeck hat ihren neuen Roman kühn konstruiert: Sie lässt ihre Heldin gleich fünfmal sterben
(240 S., 19,99 Euro, Knaus; auch als eBook)
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Als Kind in Galizien, als junge Frau in Wien, als Verratene im Gulag, als verdiente Berliner Genossin, zuletzt im Altenheim: Fünfmal stirbt dieselbe Frau in diesem Buch, immer geht die Geschichte weiter, erzählt als Möglichkeit eines anderen Lebens. Was wäre passiert, wenn der Mutter eingefallen wäre, das Kind mit einer Handvoll Schnee zu retten? Was, wenn die junge Frau eine andere Straße genommen hätte? Jenny Erpenbeck erzählt in "Aller Tage Abend" von den großen Fragen des Lebens.
BRIGITTE: Wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Hauptfigur fünfmal in den Tod zu schicken?
Jenny Erpenbeck: Jemand, der mir sehr nahestand, ist vor einigen Jahren plötzlich und vollkommen unerwartet gestorben. Dieser Schnitt mitten durch ein Leben hat mich viele Dinge anders sehen lassen. Eine ganze Biografie bekommt sozusagen eine Überschrift. Und diese Überschrift macht der Tod. Indem ich die Frau in meinem Buch mehrfach sterben lasse, erzähle ich im Grunde davon, wie viele Leben in einem einzigen stecken können.
In Ihrem Buch hängt vieles von Zufällen ab. Glauben Sie nicht an Schicksal?
Schicksal ist für mich ein zutiefst fragwürdiger Begriff, weil er jemanden voraussetzt, der "das Schicksal" vorherbestimmt. Und daran glaube ich nicht. Ich sehe eher ein bewegliches Geflecht, in das unser Leben eingebettet ist und in dem eigene Entschlüsse, aber ebenso Entscheidungen von anderen Menschen und eine unendliche Zahl anderer Umstände eine Rolle spielen. Warum geht man diese Straße entlang und nicht jene? In jeder Sekunde entscheidet sich immer wieder alles.
Wenn man so viel über den Tod nachdenkt wie Sie, ändert sich dann etwas im Leben?
Es relativiert vieles. Kleinlichkeit, Streitereien, Anstrengungen, die einer unternimmt, um zu gefallen oder irgendwem das Leben schwer zu machen - all das wirkt, wenn man es gegen die große universelle Leere aufrechnet, auf einmal recht lächerlich.
Interview: Antje Liebsch
Jenny Mai Nuyen: Noir
Fantasy-Meisterwerk, ganz ohne Elfen
Jung und urban: die Autorin Jenny-Mai Nuyen und ihr neuer Roman
Ein junger Mann erlebt den tödlichen Autounfall seiner Eltern. Seitdem kann er den Tod eines Menschen voraussehen, auch seinen eigenen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (381 S., 14,95 Euro, Rowohlt Polaris)
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Anna Stothard: Pink Hotel
In einem Rutsch gelesen: Liebeskrimi mit Suchtfaktor.
Wild, emotional und ein bisschen schräg liest sich diese bittersüße Geschichte einer Identitätssuche. Ein wohlerzogenes 17-jähriges Mädchen aus London fliegt heimlich zur Beerdigung ihrer Mutter Lily, von der sie seit ihrer Kindheit nichts mehr gehört hat. Und gerät in einen Strudel der Gefühle.
Exzessiv, eher eine Party, ist die Trauerfeier für Lily, die in dem kalifornischen Strandhotel "Pink Hotel" stattfindet. Die Ich-Erzählerin klaut einen Koffer aus dem Schlafzimmer ihrer verstorbenen Mutter.
Spannend ist die Spurensuche, die dann beginnt. Die Tochter will wissen, wie Lily wirklich war, trägt deren Kleider und trifft deren Männer. Doch bald wird sie selbst verfolgt. Und der Liebeskrimi nimmt richtig Fahrt auf.
Erwachsen wird die junge Frau auf der Suche nach der Wahrheit - und findet die Liebe ihres Lebens. Man lässt sie nur ungern wieder los. Der 29-jährigen Autorin ist ein herzzerreißendes Stück gelungen.
(Ü: Hans M. Herzog und Astrid Arz, 368 S., broschiert, 14,90 Euro, Diogenes; auch als eBook)
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Ken Follett: Winter der Welt
Der Krieg ist vorbei. Und jetzt? Jahrhundertsaga vom König des historischen Thrillers.
Ein packender Roman über das düsterste Kapitel des 20. Jahrhunderts. Ken Folletts gründlich recherchierter 1000-Seiten-Wälzer spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und ist die Fortsetzung von "Sturz der Titanen": Der erste Band der Geschichte um fünf Familien in Europa, Russland und Amerika hielt sich 2010 neun Wochen auf Platz eins der Bestsellerlisten, auch bei diesem sind die Aussichten auf eine Spitzenposition gut. Vor dem Hintergrund aus Politik, Spionage, Hass und Gewalt ringen die Menschen mit ihrem Schicksal. In London kämpft der junge Earl Fitzherbert um seine Liebe, während sein Halbbruder Lloyd als Soldat und Politiker den Verlauf der Kampfhandlungen bestimmt. In Berlin müssen die ehemals einflussreichen von Ulrichs mit ansehen, wie ihr Land in den Ruin marschiert, und der Russe Wolodja erkennt im spanischen Bürgerkrieg, dass die Rote Armee nicht unfehlbar ist. An allen Fronten des Krieges hat Follett seine Romanfiguren postiert, und so gelingt es ihm wieder meisterhaft, eine vergangene Epoche zum Leben zu erwecken. (Ü: Dietmar Schmidt, Rainer Schumacher, 1024 S., Lübbe, 29,99 Euro; auch als eBook)
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Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen
Zeitgeschichte, zart erzählt.
Die Autorin und Schauspielerin Margaret Mazzantini hat keine Scheu vor großen Gefühlen. In starken Bildern schildert sie auch in ihrem neuen Buch Schicksale, die sich hinter den Kämpfen der arabischen Revolution verbergen. Da ist Farid, der libysche Wüstenjunge, dessen einziger Freund eine Gazelle ist. Als sein Vater von Gaddafis Truppen ermordet wird, versucht seine Mutter, mit ihm übers Meer zu fliehen. Auf der anderen Seite des Meeres, auf Sizilien, denkt der 18-jährige Vito an seine Mutter Angelina, die nach Italien floh, als Gaddafi an die Macht kam. Bei Ausbruch des Krieges kehrt Angelina nach Libyen zurück und sucht ihre große Liebe von einst. Ein poetisches Buch, das den Blick auf Nachrichten verändert. (Ü: Karin Krieger, 128 S., 16,99 Euro, Dumont; auch als eBook)
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Tim Parks: Sex ist verboten
Wie ist das, wenn man sich strengen Regeln unterwirft?
Die wichtigste Anweisung steht bereits im Titel: Sex ist verboten. Berührungen und Gespräche auch. Klingt nicht sehr einladend. Und doch bleibt die lebenshungrige Beth monatelang in einem BuddhistenRetreat, hält sich an die strikten Regeln. Als sie jedoch heimlich im Tagebuch eines Mannes liest, bricht etwas in ihr auf. Autor Tim Parks, der selbst lange in einem Retreat war, schält behutsam heraus, warum Beth sich diesen Rückzugsort gesucht hat und vor welchen Geistern sie flieht. So entsteht das packende Porträt einer jungen Frau, die sich erst allmählich ihrer Schuld stellen kann. (Ü: Ulrike Becker, 320 S., 19,95 Euro, Kunstmann)
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A. D. Miller: Die eiskalte Jahreszeit der Liebe
Wenn es in Moskau taut, kommt das Grauen ans Licht.
"In Russland gibt es keine Geschichten über Geschäfte. Und es gibt auch keine Geschichten über Politik. Auch keine Liebesgeschichten. Es gibt nur Kriminalgeschichten", schreibt der ehemalige "Economist"-Korrespondent A.D. Miller. In seinem gefeierten Debüt erzählt er von dem jungen englischen Anwalt Nick, der seit einiger Zeit in Moskau lebt. Er verliebt sich in Mascha, feiert mit ihr in dekadenten Clubs, wärmt sich an ihr und am Wodka. Dass er im Grunde nichts von Mascha weiß, sie dagegen einen Plan mit ihm zu verfolgen scheint, spürt er sehr wohl . . . Millers Debüt über einen Mann im freien Fall stand auf der Shortlist des berühmten BookerPreises. Stimmungsvoll und hart zugleich erzählt dieses Buch viel über ein Land, in dem andere Regeln gelten. (Ü: Bernhard Robben, 288 S., 18,99 Euro, S. Fischer; auch als eBook)
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Lily Brett: Lola Bensky
Was sagt Mick Jagger über Sex, Diäten und seine Mutter?
In ihrem neuen Roman schreibt Lily Brett über ihre eigenen Anfänge als Musik-Reporterin
(Ü: Brigitte Heinrich, 302 S., 19,95 Euro, Suhrkamp; auch als eBook)
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Ende der 60er Jahre: Lola Bensky ist 19 und findet in Melbourne einen Job als RockstarInterviewerin. Bald unterhält sie sich mit Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Mick Jagger, auch über den Holocaust. Denn für die Autorin Lily Brett, Tochter zweier HolocaustÜberlebender, ist Lola Bensky so etwas wie ihr Alter Ego: Bretts Karriere begann ebenfalls bei einem australischen Musikmagazin, sie interviewte die Großen der Szene.
BRIGITTE: Mick Jagger lädt Ihre Protagonistin zu sich nach Hause ein und fragt sie nach ihren Eltern. Ist das so passiert?
Lily Brett: Ja, ich war bei ihm, aber es ist nicht wichtig, welcher Dialog tatsächlich stattgefunden hat; ich habe aus meiner Erinnerung heraus geschrieben und wollte zeigen, was ich damals über diese Stars dachte. Ich mochte Mick Jagger. Er war neugierig, hörte zu.
Wie kamen Sie an Leute wie ihn heran?
Ich hatte keine Angst vor großen Namen, ich rief einfach an und bat um ein Interview. Das muss die beeindruckt haben. Ich war auch keine, die sagte: Ich liebe deine neue Platte. Ich wollte wissen, wie der Mensch ist, der dahinter steckt. Ich fragte zum Beispiel jeden, wie er mit seiner Mutter klarkommt. Heute heißt es immer: Bitte keine Fragen zum Privatleben! Da würden Sie mit Ihren Fragen wahrscheinlich nicht weit kommen. Ja, das war damals noch eine andere Zeit, intimer, unaufgeregter. Heute ist in der Popwelt jeder darauf trainiert, Standard-Antworten zu geben. Und alle sind homogenisiert wie Milch.
Interview: Ulrike von Bülow
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- BRIGITTE 21/2012
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