Brigitte.de: Die meisten Krimis gehen gut aus: Am Ende ist der Mörder gefasst. Sind Krimis auch deshalb so beliebt, weil am Ende die Weltordnung wiederhergestellt wird?
Jens Hoffmann: Lange Zeit war das sicherlich ein vorherrschendes Motiv, weil alle Krimis darauf aufgebaut waren. In letzter Zeit gibt es viel mehr Krimis, in denen der Täter davonkommt. Serienmörder erscheinen teilweise als Menschen ohne Bindung, die tun, was sie wollen - jenseits aller moralischen Beurteilungsmöglichkeiten. Darin spiegeln sich auch sehr stark gesellschaftliche Entwicklungen und Ängste wider.
Brigitte.de: Egal, ob der Täter gefasst wird oder nicht. In Krimis ist auf jeden Fall mehr los als im Alltag von Ottonormalverbrauchern. Holen wir uns die Spannung aus den Büchern ins eigene Leben?
Jens Hoffmann: Das spielt bestimmt eine Rolle. Die Medien suggerieren einem ja schon seit längerer Zeit, dass man eigentlich ein ganz besonderes Leben haben muss mit lauter Kicks und viel Action. Das lässt sich natürlich gut in der Fiktion besorgen.
Brigitte.de: Greifen Sie eigentlich privat auch zum Krimi?
Jens Hoffmann: Nein, ich habe beruflich zu viel damit zu tun. Bei mir ist es umgekehrt: Ich freue mich, wenn ich mal andere Sachen lesen kann.
Jens Hoffman, Jahrgang 1968, ist Kriminalpsychologe und beschäftigt sich vor allem mit den Themen Täterprofilerstellung und Stalking. Er arbeitet an der TU Darmstadt und ist außerdem in einem psychologischen Beratungsunternehmen tätig.













