Die Kunst des Schreibens

  •  
  •  

Brigitte.de: Fähigkeit zur Selbstkritik, viel Lesen, worauf kommt es sonst noch an?

Klaus Modick: Selbstkritik ist eine Sache, zu viele Selbstskrupel sind allerdings auch nicht gut. Die blockieren einen. Wenn es läuft und fließt, dann sollte man ruhig hemmungslos sein und dem vertrauen, was man schreibt. Natürlich immer mit dem Wissen, dass das so noch nicht in Stein gemeißelt ist. Aber man hat dann etwas, mit dem man arbeiten kann. Vor allem bei Prosa sollte man nicht am einzelnen Wort brüten, weil man dann nicht weiterkommt. Denn wie heißt es so schön: Je länger man ein Wort ansieht, desto fremder schaut es zurück. Die Inspiration und die Ideen kommen ohnehin mit der Arbeit. Viele Leute sagen zu mir: Ich habe da zwar Ideen, aber ich weiß nicht, wie ich sie hinschreiben soll. Aber man kann eben nur schreiben, indem man schreibt. Natürlich brauche ich vorher Ideen und lange Texte erfordern auch eine strukturelle Vorarbeit, aber wirklich gut wird ein Text immer erst dadurch, dass ich während des Schreibens und der Arbeit selbst merke, wie das Ganze eigentlich sein soll.

Brigitte.de: Was ist bei der Themenwahl zu beachten?

Klaus Modick: Man sollte sich keine Themen suchen, nach dem Motto: Stand nicht neulich in der Zeitung, dass der große Berlin-Roman noch fehlt, den könnte ich jetzt doch mal schreiben. So etwas geht schief, nicht wegen des Themas, sondern weil ich, wenn ich Literatur schaffen will, nur über etwas schreiben kann, bei dem mir selber das Herz ein bisschen aufgeht.

Brigitte.de: Und was tue ich, wenn eine Schreibblockade auftritt?

Klaus Modick: Da gibt es einen ganz konkreten Tipp: Einfach das, was man zuletzt geschrieben hat, noch mal abschreiben. Dann merkt man erstens, dass ein Text durchaus noch veränderbar ist, und durch den zweiten Anlauf bekommt man häufig einen Schwung, der einen über die Blockade hinweg trägt. Ein gutes Mittel, dass ich auch selber praktiziere.

Brigitte.de: Wenn mein Werk fertig ist, wie bringe ich es dann am besten an einen Verlag?

Klaus Modick: Die klassische Methode ist: Sie machen von ihrem Manuskript eine Kopie oder besser gleich zehn oder zwanzig, und dann schicken Sie es an verschiedene Verlage. Diese Methode gilt ja im Allgemeinen als hoffnungslos. Aber ich habe genauso angefangen, habe zehn Verlage umsonst angeschrieben, aber beim elften oder zwölften dann eben doch eine Zusage bekommen. Das war damals in den 80ern, da gab es die Literatur-Agenten-Tätigkeit noch kaum. Die ist heute eine Alternative zur klassischen Methode.

Brigitte.de: Und an Agenten kann ich mich auch als Debütant wenden?

Klaus Modick: Ja. Der Vorteil ist, dass die Agenten den Markt genau im Blick haben und beurteilen können, in welches Verlagsprogramm der eigene Titel passen könnte. Natürlich sind die auch kritisch und nehmen nicht jeden, aber wenn sie daran interessiert sind, ein Buch zu vermitteln, können sie das natürlich sehr viel gezielter tun als ein unerfahrener Debütant. Generell ist es sehr wichtig, die Verlage und deren Ausrichtung zu kennen. Es passiert häufig, dass Leute sich einfach irgendwelche Verlagsnamen und Adressen herausschreiben, das Manuskript dort hinschicken und mit ihrem Kochbuch dann leider bei einem Krimi-Verlag landen. Um zu wissen, ob man in das Umfeld eines Verlages passt, sollte man schon das eine oder andere gelesen haben oder sich zumindest die Verlagsprogramme angucken.

Brigitte.de: Gibt es denn noch andere Möglichkeiten, ein Manuskript unterzubringen?

Klaus Modick: Versuchen Sie, so viel wie möglich in Literaturzeitschriften zu publizieren, auch wenn es dafür nicht immer ein Honorar gibt. Erstens ist für die Autoren selber die Tatsache, überhaupt publiziert zu werden, sehr motivierend. Zweitens lesen Lektoren diese Zeitschriften und vielleicht fällt man dann dem einen oder anderen auf. Außerdem sind Verlage meistens nicht nur an einem einzelnen Manuskript interessiert, sondern daran, einen Autor aufzubauen. Um das abschätzen zu können, wollen sie häufig mehr sehen als nur dieses eine Manuskript. Wenn es dann noch andere Texte gibt, die schon veröffentlicht sind, und sei es in noch so abseitigen, kleinen Medien, ist das immer gut.

Brigitte.de: Und dann sind da auch noch die Literaturwettbewerbe ...

Klaus Modick: Ja, davon gibt's eine ganze Menge. Wenn der jeweilige Wettbewerb das eigene Werk trifft, sollte man sich auf jeden Fall daran beteiligen. Aber auch hier gilt: Gut informieren, was eigentlich gefragt ist. Wer zu einem Wettbewerb für satirische Literatur ein Trauerspiel einschickt, wird nicht weit kommen.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  • Interview: Katharina Wantoch
    Foto: Andreas Klehm
BRIGITTE im ABO