Mikael Niemi: Liebeserklärung an Schweden

Skurril, surreal, schwedisch: Nach seinem großen Erfolg "Populärmusik aus Vittula" hat Mikael Niemi jetzt einen Krimi geschrieben. "Der Mann, der starb wie ein Lachs" heißt das Buch und spielt wie "Populärmusik" im Tornedal. Mit BRIGITTE.de sprach der Autor über seine Heimat, seine Familie und den "blodstämmare".

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Dass die Welt jemals von einem Landstrich im äußersten Norden Schwedens mit dem Namen Tornedal gehört hat, ist allein Mikael Niemi zu verdanken. 2002 erschien Niemis gefeierter Roman "Populärmusik aus Vittula" über eine Jungsfreundschaft im Tornedal auf deutsch, und seitdem wissen auch wir, dass da oben genau so viel finnisch wie schwedisch gesprochen wird, dass Söhne von ihren Vätern in der Sauna über die Hackordnung der weit verzweigten Großfamilien aufgeklärt werden und dass "knapsu" die schlimmste Beleidigung für einen Mann ist, denn das heißt soviel wie "verweichlicht".

"Populärmusik aus Vittula" stand in Schweden monatelang auf Platz eins der Bestsellerlisten und wurde in 24 Sprachen übersetzt. 2006 kam die Verfilmung ins deutsche Kino.

Nach einem Ausflug in die Science Fiction ("Das Loch in der Schwarte", 2006), so ungewöhnlich wie alles bei diesem Autor, ist Mikael Niemi jetzt mit seinem neuen Roman ganz und gar ins Tornedal zurückgekehrt. "Der Mann, der starb wie ein Lachs" ist ein Krimi mit einem brutalen Mord und Polizisten, die sich um die Aufklärung bemühen. Aber es ist auch und vor allem wieder eine Liebeserklärung an Schwedens äußersten Norden mit all seinen Absonderlichkeiten.

Interview mit Mikael Niemi

Mikael Niemi

Mikael Niemi

Foto: Dan Norra

BRIGITTE.de: Alle Welt liebt Krimis aus Schweden, und dann ist Mikael Niemis neues Buch prompt ein Krimi. Haben Sie sich mit dem Genre auch einen kleinen Scherz erlaubt?

Mikael Niemi: Tatsächlich wollte ich schon immer einen Kriminalroman schreiben, aber der Grund ist ein ganz einfacher: Mein Vater war Polizist in meiner Heimatstadt Pajala, und jetzt habe ich ein Buch über Polizisten in Pajala geschrieben. Darüber weiß ich einfach sehr viel. Nicht, dass es im Leben meines Vaters viele spektakuläre Verbrechen gegeben hätte. Aber ich weiß, wie die Leute sind, die da arbeiten.

BRIGITTE.de: Ihre Heimat ist immer auch eine Hauptfigur Ihrer Romane. Was inspiriert Sie an dieser Landschaft?

Mikael Niemi: Ich bin dort aufgewachsen, alle meine Kindheitserlebnisse haben sich dort zugetragen. Nichts prägt einen so wie der Ort, wo man seine Kindheit verbracht hat. Ich bin viel gereist, aber kein Platz auf der Welt kann die Bedeutung des Tornedal für mich einnehmen. Wenn zum Beispiel Esaias, der Verdächtige, sich erinnert, wie er als kleiner Junge mit seinem Vater fischen war und seinen ersten Fisch tötet und ausnimmt und die Mutter ihm dann den kleinen Fisch gekocht mit Kartoffeln auf den Teller legt - das bin ich.

BRIGITTE.de: Würden Sie denn sagen, dass sie ein besonders gutes Gedächtnis haben?

Mikael Niemi: Ja, das glaube ich schon. Das liegt vielleicht daran, dass meine Mutter auch die kleinsten Geschichten aus unserer Kindheit wieder und wieder erzählt hat. Durchs Zuhören wird man selber aufmerksamer für Details. Überhaupt ist sie eine große Erzählerin.

BRIGITTE.de: Eine Tradition, die ihr Sohn fortführt.

Mikael Niemi: Ja und nein. Ich habe zwar die Geschichten in mir, aber ich erzähle sie nicht so gerne vor anderen Leuten wie sie. Ich habe das probiert, ich war sogar mal in einer Schauspielgruppe, aber ich habe keine Freude daran, mich vor anderen darzustellen. Ich will meine Geschichten ganz im Stillen aufschreiben, an meinem Schreibtisch, per Hand, Blatt für Blatt. Sollen andere sie hinterher lesen.

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