Leseprobe: Ein Auszug aus "Bitterfotze" von Maria Sveland

Wie gleichberechtigt sind Männer und Frauen heute wirklich? Die schwedische Autorin Maria Sveland hat mit ihrem Roman "Bitterfotze" in ihrer Heimat für Diskussionen gesorgt. Lesen Sie den Anfang des Romans, der jetzt auch auf Deutsch erschienen ist.

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Über das Buch

Maria Sveland, Bitterfotze, Ü: Regine Elsässer, KiWi, 8,95 Euro

Lassen Sie sich nicht vom Titel abschrecken, "Bitterfotze" ist keine schwedische "Feuchtgebiete"-Version, verfolgt aber dasselbe Ziel: Sara, erfolgreiche Journalistin und Mutter eines zweijährigen Sohnes, ist enttäuscht. Vom Kinderkriegen, das die Frauen zu Hause anbindet, während die Männer ihr Leben weiterführen. Von ihrem Ehemann, der eigentlich zu den Guten gehört und sie trotzdem gleich nach der Geburt ein paar Wochen allein lässt. Und vom Zustand der Gesellschaft, die zwar Gleichberechtigung predigt, aber immer noch von den Bedürfnissen der Männer dominiert wird. Wütend und ehrlich schreibt Maria Sveland, 34, gegen die Ungerechtigkeit und ihre eigene Bitterfotzigkeit an. "Dieses Buch kann mehr für die Gleichberechtigung tun als alle Reden dieser Welt", schrieb eine schwedische Zeitung. Also lesen, nachdenken, ändern.
Angela Wittmann

Der Anfang des Romans: LUST AM FLIEGEN

Ich bin erst dreißig und schon so verbittert.

An einem scheußlichen Januarmorgen sitze ich im Flugzeug nach Teneriffa. Ich bin unendlich müde, hässlich und wütend. Nein, nicht wütend, sauer. Ich bin schrecklich sauer. Auf alles, am meisten auf mich, und das macht mich eiskalt. Ich bin schon viel zu lange sauer. Eine graue Zementmasse macht mich hart. Ich will zu viel Wein trinken und alles Hässliche vergessen. Wie solche Januarmorgen. Ich habe den Januar schon immer gehasst.

Ich sitze im Flieger, lese Angst vorm Fliegen und versuche, bessere Laune zu bekommen, vielleicht sogar ein Weilchen richtig glücklich zu sein?

Ich bin erst dreißig und schon so verbittert. Ich bin richtig bitterfotzig.

Das war nie so geplant. Ich habe wie alle anderen von der Liebe geträumt. Aber ein Verdacht, der vielleicht eine Einsicht ist, hat sich allmählich in mir ausgebreitet, und er macht tiefe, eitrige Wunden: Wie sollen wir jemals zu einer gleichberechtigten Gesellschaft kommen, wenn es uns nicht einmal gelingt, mit demjenigen gleichberechtigt zu leben, den wir lieben?

Ich bin dreißig, genau wie Isadora in Angst vorm Fliegen, allerdings unendlich viel müder und langweiliger. Die Familienhölle hat mir jegliche Energie genommen, ich bin voller emotionaler Schmutzflecke. Ich könnte sie sein. Ich könnte du sein, Isadora, wenn ich etwas fühlen würde. Aber ich bin völlig emotionslos und habe nicht einmal Angst vorm Fliegen.

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Letzte Kommentare
  • Nana
    am 01.03.09 um 00:41
    Das ist jetzt aber wirklich alles sehr, sehr pessimistisch.
 
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