Leseprobe: Ein Auszug aus "Bitterfotze" von Maria Sveland

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Unser Hochzeitsfoto hängt in der Diele an der Wand. Wie eine grinsende Erinnerung an all unsere Träume. Was wir alles wollten. Am Hochzeitstag regnete es in Strömen, ich heiratete in einem gelben Regenmantel. Ich starrte das Foto an und sah meine rot geweinten Augen und die regennassen Haare, die am Kopf klebten. Ich weinte, weil ich so gerührt war von all den Freundlichkeiten, der Fürsorge und der Wärme, die wir von Freunden und Verwandten erfuhren.

Ich konnte nicht dazu stehen, verheiratet zu sein.

Damals fühlte es sich groß und erwachsen und schön an, dass wir heirateten. Aber schon ein paar Monate später musste ich mich darüber lustig machen, weil es so absurd war, dass ich geheiratet hatte. Es ist nicht so, dass ich Johan nicht liebe, das habe ich immer getan (außer in dem einen Jahr, in dem es in unserer Ehe kriselte), aber die Wahrheit war, ich konnte nicht dazu stehen, verheiratet zu sein.

Ich ertrug den schmutzigen Ballast nicht, der unweigerlich mit der Ehe folgt. Den schlechten Geschmack im Mund, wenn ich daran dachte, wofür die Ehe steht. Jahrhunderte der Unterdrückung, Millionen unglücklicher Menschen, die im Hintergrund rumoren.

Ich weiß nicht, wie ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen soll, dass ich verheiratet sein will, obwohl ich keine einzige glückliche Ehe kenne. Es ist wie eine Blase auf der Zunge, die man ständig betastet. Obwohl sie brennt. Ich muss einfach alle kritischen Bücher lesen, die je über die Ehe geschrieben worden sind. Besonders in den 70er-Jahren.

Deshalb lese ich immer wieder Angst vorm Fliegen, deshalb beschäftige ich mich mit Suzanne Brøggers Verzweiflung über die Kleinfamilie, als ob es meine eigene wäre. Und ich erkenne, dass es meine eigene ist. Ich kenne keine glücklichen Familien oder Ehen. Keine. Keine in meiner Nähe, Großmütter, Großväter, Mutter, Vater, Tanten und Onkel, Freunde. Alle unglücklich verheiratet. Betrogen vom Mythos der Liebe.

Aus dem Schwedischen von Regine Elsässer © 2009 by Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

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  • Artikel vom 25.02.2009
Letzte Kommentare
  • Nana
    am 01.03.09 um 00:41
    Das ist jetzt aber wirklich alles sehr, sehr pessimistisch.
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