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Überraschungscoup des Nobelpreiskomitees: Mit der Auszeichnung für Herta Müller hatten die wenigsten gerechnet. "Mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa zeichnet Herta Müller Landschaften der Heimatlosigkeit", heißt es in der Begründung der Jury. Sie haben die "Landschaften" der gebürtigen Rumänin noch nie aus der Nähe gesehen? Keine Sorge, da sind Sie nicht allein. Allen, die aus aktuellem Anlass etwas von Herta Müller lesen möchten, empfehlen wir ihr neues Buch "Atemschaukel".
2004 ging der Nobelpreis an Elfriede Jelinek für "den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen".
Die Österreicherin Jelinek gehört zu den kritischsten Autorinnen unserer Zeit. In ihren Stücken prangert sie die Missstände nicht nur der österreichischen Gesellschaft an ("Ein Sportstück"/"Stecken, Stab und Stangl") und provoziert durch ihren sarkastischen und teilweise vulgären Stil. Von vielen für ihre direkte Art und ihre Schreibkunst geliebt, von manchen dafür verschmäht und angefeindet - kaum eine Schriftstellerin polarisiert so sehr wie sie.
1999 bekam Günter Grass den Literaturnobelpreis, "weil er in munterschwarzen Farben das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat".
Grass' Werke sind von einer bilderreichen Sprache geprägt, so auch sein bekanntester Roman "Die Blechtrommel". Vor drei Jahren bekannte Grass, dass er in seiner Jugend zur Waffen-SS gehörte. Dies löste eine Debatte um die moralische Haltung seiner Bücher aus, die aber relativ schnell wieder verebbte.
1981 erhielt Elias Canetti den Literaturnobelpreis "für sein schriftstellerisches Werk, geprägt von Weitblick, Ideenreichtum und künstlerischer Kraft".
Wäre es nach seinem Studienfach gegangen, hätte Elias Canetti (1905-1994) auch ein Kandidat für den Chemienobelpreis werden können. Aber letztlich widmete sich der in Bulgarien geborene Canetti doch ganz der Literatur - mit großem Erfolg und als Meister unterschiedlichster Genres.
"Für eine Dichtung, die durch ihre Verbindung von zeitgeschichtlichem Weitblick und liebevoller Gestaltungskraft erneuernd in der deutschen Literatur gewirkt hat", erhielt Heinrich Böll 1972 den Literaturnobelpreis.
Böll (1917-1985) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Seine Werke wie "Ansichten eines Clowns" oder "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" dürften vielen von Ihnen bestens bekannt sein.
1966 bekam Nelly Sachs (1891-1970) den Literaturnobelpreis "für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren."
49 Jahre alt war die jüdische Lyrikerin, als sie im Jahr 1940 gerade noch rechtzeitig aus Berlin ins schwedische Exil fliehen konnte. Die Dramen und Gedichte, die in den folgenden Jahren entstanden, machten sie Jahre später in der noch jungen Bundesrepublik zu einer gefeierten Literatin. Sie selbst kehrte von wenigen Reisen abgesehen nie nach Deutschland zurück.
1946 ging der Literaturnobelpreis an Hermann Hesse (1877-1962) "für sein inspiriertes dichterisches Schaffen, in dessen Entwicklung Kühnheit und das Durchdringen zum Wesentlichen zunehmen, das für die Ideale des klassischen Humanismus eintritt und hohe Kunst des Stils repräsentiert".
Hesses Eltern hatten ihren Sohn zunächst für eine theologische Laufbahn vorgesehen, was dieser aber durch die Flucht aus dem evangelischen Seminar zu verhindern wusste. Seine teils spirituell angehauchten Texte veranlassten die Literaturkritik, Hesses Werk immer wieder als "Kitsch" abzustempeln - was seinem Erfolg aber bis heute keinen Abbruch tut.
1929 erhielt Thomas Mann die Auszeichnung "hauptsächlich für seinen großen Roman 'Buddenbrooks', der sich die Anerkennung als eines der klassischen Werke zeitgenössischen Literatur erworben hat".
Im Jahr 1901 gelang dem Sohn eines Lübecker Speditionskaufmanns und einer Brasilianerin im Alter von 25 Jahren mit seinen "Buddenbrooks" der Durchbruch. Der gefeierte Schriftsteller heiratete, wurde Vater von sechs Kindern und schrieb unzählige Romane, Geschichten und Essays. Im "Tod in Venedig" setzte Thomas Mann (1875-1955) seiner wohl nicht rein literarischen Zuneigung zu hübschen Jünglingen ein Denkmal.
Vor Thomas Mann erhielten die deutschsprachigen Schriftsteller Carl Friedrich Georg Spitteler (1919), Gerhart Hauptmann (1912), Paul Heyse (1910), Rudolf Eucken (1908) und Theodor Mommsen (1902) den Literaturnobelpreis.
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