Petra Hammesfahr: Die Geschichten müssen raus

Ihre Biografie ist so spannend wie ihre Bücher: Petra Hammesfahr ist Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin, doch auf dem Weg dorthin hat sie es nicht leicht gehabt.

  •  
  •  
Petra Hammesfahr

Petra Hammesfahr

"Mein Sohn sagt immer, schreib' doch mal einen Liebesroman, aber die interessieren mich nicht, die betrachte ich als verlogen, weil da am Ende immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht." Also lässt Bestseller-Autorin Petra Hammesfahr lieber das Abgründige in ihre Romane einziehen. Mord, Totschlag, Entführung statt Friede, Freude, Eierkuchen. Meist sind es ganz normale Leute, die plötzlich mit dem Bösen konfrontiert werden und deren scheinbar heile Welt zerfällt. Da ist zum Beispiel die Mutter, deren Tochter vom einen auf den anderen Tag verschwindet und die plötzlich ihr ganzes Leben in Frage stellen muss ("Die Mutter"). Oder die arbeitslose Frau, die sich aus Geldnöten auf ein tödliches Spiel einlässt ("Die Lüge"). Oder der Kommissar, der aus Eifersucht zum Mörder wird ("Merkels Tochter").

Petra Hammesfahr hat ein sehr inniges Verhältnis zu ihren Romanfiguren. Sie erzählt von Kommissar Klinkhammer, Cora Bender und Vera Zardiss so wie andere über ihre Freunde und Bekannten sprechen. Und sie bekommt eine Gänsehaut, wenn sie schildert, was ihren Protagonisten alles widerfährt, obwohl sie ja ganz allein für deren Leid verantwortlich ist: "Als 'Merkels Tochter' aus der Setzerei kam und ich den Umbruch kontrollieren sollte, musste ich so weinen, dass ich die Buchstaben gar nicht mehr sehen konnte. Da musste mein Mann dann einspringen."

Petra Hammesfahr kann auf Anhieb noch einige andere Passagen aus ihren Romanen aufzählen, die sie niemals in einer Lesung vortragen könnte - aus Angst, in Tränen auszubrechen. Und trotzdem schickt die 53-jährige immer wieder Leute ins Verderben und hat sichtlich Spaß dabei. Mehr als 25 Krimis sind seit 1991 erschienen, darunter Bestseller wie "Der Puppengräber", "Die Sünderin", "Der stille Herr Grenady" oder "Das letzte Opfer". Für diesen Erfolg hat die zierliche Frau hart kämpfen müssen. 159 Absagen musste Petra Hammesfahr hinnehmen, bevor ihr erster Text gedruckt wurde: eine Kurzgeschichte im "Playboy". Das war 1989 und Petra Hammesfahr war 39 Jahre alt.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  • Text und Foto: Katharina Wantoch
BRIGITTE im ABO