Siri Hustvedt und "Die Leiden eines Amerikaners"

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"Warum werden wir zu denen, die wir sind?", fragt Hustvedt in ihrem neuen Roman.

"Warum werden wir zu denen, die wir sind?", fragt Hustvedt in ihrem neuen Roman.

Das Buch schildert ein Jahr im Leben des geschiedenen Brooklyner Psychiaters Erik Davidsen. Der ist ein Mann in mittleren Jahren, einsam, zurückhaltend und ein wenig ratlos. Für Patienten und Familienangehörige ist Erik der perfekte Zuhörer, sich selbst aber hat er fast verloren. Im Nachlass seines verstorbenen Vaters findet Erik neben einem Tagebuch aus dessen Jugend als Farmerssohn im Mittelwesten auch den rätselhaften Brief einer Fremden, die mit dem Vater offenbar ein Geheimnis teilt. Erik beginnt zu recherchieren und setzt sich im Laufe der Geschichte nicht nur mit seiner Herkunft als Nachfahre norwegischer Einwanderer auseinander, sondern erneuert auch seine Bindungen an die Vergangenheit. Nebenbei verliebt er sich in eine junge Buchillustratorin, die ihn noch weiter aus dem Gleichgewicht bringt, ehe er schließlich einen wackligen Frieden mit sich und der Welt schließt.

Der Alltag der Figuren in "Die Leiden eines Amerikaners" wird so unentwegt von Rätseln, Träumen und Erinnerungen, gar Halluzinationen durchdrungen, dass irgendwann die Realität als eine sehr poröse Angelegenheit erscheint. Was ist wirklich, was nicht? Wissen wir das immer so genau?

Auf der Suche nach der Identität

Unser Leben ist nicht nur im konkreten Hier und Jetzt verankert, so macht Hustvedts Roman deutlich, sondern besteht aus unendlich vielen Facetten, manche davon fassbar, andere sehr vage - Facetten, die auf jeden Fall aber bis weit in die Vergangenheit reichen, weit auch in unser Unbewusstes hinein und auf jeden Fall weit über unser individuelles Selbst hinaus.

"Warum werden wir zu denen, die wir sind?", fragt Hustvedt. Sie hat auf der Fensterbank ihre Beine so akrobatisch umeinandergewickelt, wie das nur Frauen mit sehr langen, sehr dünnen Beinen können, und hält die Arme vor ihrem Körper verschränkt. Das sind die entscheidenden Fragen ihres Werks und ihres Lebens, die Fragen, die sie immer wieder fasziniert haben: Wie lässt sich unsere Identität herleiten? Was trägt bei zu der Komposition, die wir unser Ich nennen? Welche Rolle spielen unsere Gene, welche unsere Familien, welche die schlichte Tatsache, ob wir schön sind oder nicht?

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  • Susanne Weingarten
    Fotos: Katja Heinemann
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