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Siri Hustvedt und "Die Leiden eines Amerikaners"
Und während Hustvedt und Auster zu Hause Partner in Fleisch und Geist waren, wurden sie von der Außenwelt - bei den Dinnerpartys, Empfängen und Lesungen des intellektuellen New York - lange nur als Klischee wahrgenommen: der dunkle Denker und die blonde Beauty, der brillante Kultautor und seine blendend gekleidete Trophäengattin. Sie waren Mr. und Mrs. Paul Auster. Es hat Jahre gedauert, bis sich Siri Hustvedt aus diesem Schatten als "Frau an seiner Seite" herausgearbeitet hat. Sie machte ihren Doktor und bekam eine Tochter, aber erst 1992
erschien ihr literarisches Debüt, der schmale, stark von ihrer literaturwissen-
schaftlichen
Arbeit geprägte Roman "Die unsichtbare Frau". Anspruchsvoll, ja, aber auch angestrengt, kein echter Durchbruch.
Der gelang ihr erst vor ein paar Jahren mit "Was ich liebte", einer von den Siebzigern bis in die Gegenwart reichenden Saga, die eine Freundschaft zweier ungleicher Männer nachzeichnet, zugleich ein vibrierendes Porträt der New Yorker Boheme. In "Was ich liebte" wie auch jetzt in "Die Leiden eines Amerikaners" gibt es Frauenfiguren, die für Bücher über Themen wie weibliche Krankheitsbilder oder die Subjektivität der Wahrnehmung recherchieren, und die Früchte dieser Recherche breitet Siri Hustvedt gern in ihren Romanen aus. Sie selbst kann sich so besessen in die schwierigsten Forschungsfelder hineinfressen, dass ihr Mann sie schon gemahnt hat, jetzt sei es aber gut - sie müsse wirklich die Leserei einstellen. Worauf Hustvedt dann heimlich weitere Bücher in braunen Papiertüten ins Haus schmuggelte.
Lebt sie heute das perfekte Leben?
Ihr Wissensdurst führt dazu, dass sie gelegentlich das Erzählen zugunsten des Dozierens vergisst und ihre Geschichten mit so viel gewollter Bedeutung unterfüttert, dass dem Leser wenig selbst zu entdecken bleibt. Manchmal hat man das Gefühl, dass Siri Hustvedt der Welt etwas zu heftig beweisen muss, dass sie nicht nur schön, sondern auch gescheit ist - eine Stubenhockerin im unpassenden Gewand eines Supermodels eben. Wieder stellt sich die Frage: Warum werden wir zu denen, die wir sind? Wäre Hustvedt eine andere, noch bessere Autorin, wenn sie weniger perfekt aussähe? Und wenn sie nicht damit zu kämpfen gehabt hätte, immer die Frau an der Seite des erfolgreicheren Mannes zu sein? Direkte Fragen nach ihrem Leben als Mrs. Paul Auster beantwortet Hustvedt mit lange einstudierter Nonchalance. Zunehmend aber, sagt sie, "fühle ich mich für meine eigene Arbeit anerkannt".
Von einer Kindheit in der tiefsten Provinz zu einer Karriere in den höchsten amerikanischen Geisteszirkeln: Das ist eine Biografie, wie sie nur ganz, ganz wenigen gelingt. Eigentlich hat Siri Hustvedt heute das perfekte Leben. Sie lacht, ein ganz unerwartet gackerndes Lachen, das sie einen Augenblick lang völlig verändert - und sie schlagartig sehr zugänglich macht. "Das ist eine reine Außenwahrnehmung", sagt sie. "Dieses Bild eines perfekten Lebens hat überhaupt nichts damit zu tun, wie sich die Wirklichkeit für mich anfühlt." Sie zeigt auf ihren Schreibtisch und sagt: "Meine Tage verbringe ich überwiegend hier. Und dann mache ich Erledigungen, beantworte E-Mails, gehe zum Yoga und koche das Abendessen. Nicht sehr glamourös, oder?"
Siri Hustvedt macht eine Pause, wickelt ihre Beine auseinander und andersherum wieder zusammen und sagt dann nachdenklich: "Ich bin dankbar dafür, wie viel Glück ich gehabt habe. Ich habe das Gefühl, dass ich mich immer noch entwickle, und etwas Besseres könnte mir gar nicht geschehen. Ich fühle mich heute vollkommen frei."
Leseprobe aus "Die Leiden eines Amerikaners"
Lust auf eine kleine Kostprobe von Siri Hustvedts literarischem Können? Lesen Sie den Anfang ihres Romans "Die Leiden eines Amerikaners".
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Nicht mehr nur die Frau an der Seite von Paul Auster: Siri Hustvedt fühlt sich zunehmend für ihre eigene Arbeit anerkannt. 

