Fast Food Nation
Don Henderson - einer der Geschäftsführer der Fast-Food-Kette Mickey's hat ein Problem: Er muss herausfinden, warum das Fleisch der Lieblingsburger seiner Kette verunreinigt ist. Also begibt er sich dorthin, wo die Burger produziert werden, wo die Rinder herkommen: nach Texas. Dort erwarten ihn einige unangenehme Tatsachen, mit denen er nicht gerechnet hätte.
"Fast Food Nation" beruht auf einem Buch, dem gleichnamigen Bestseller von Eric Schlosser. Der Unterschied zu anderen adaptierten Filmen ist jedoch, dass die Vorlage ein Sachbuch ist, Linklater aber keinen Dokumentarfilm drehen wollte: "Ich bin mehr interessiert an Fiktion als an Nicht-Fiktion", sagt er, und fügt hinzu: "Ich mag es sehr, mit Schauspielern zu arbeiten." So ist daraus vor allem eine Charakterstudie geworden, die ein knappes Dutzend Akteure rund um die Burgerproduktion begleitet. Linklater, der bislang vor allem durch seine romantischen Komödien Before Sunrise und Before Sunset auffiel, gelingt es überzeugende Besetzungen zu finden: Greg Kinnear, Bobby Cannavale, Ethan Hawke, Patricia Arquette und Catalina Sandino sind mit dabei, um nur einige zu finden. Auch für die kanadische Rockgöre Avril Lavigne hat er eine kleine erste Filmrolle gefunden.
Don Henderson (Greg Kineear) findet in Texas vor allem Teenager vor, die nach der Schule in der Fast-Food-Kette jobben, oder heimlich über die Grenze eingeschleuste Mexikaner, die die Arbeiten in der Burgerproduktion verrichten, für die sich die Amerikaner (mittlerweile) zu gut sind. In einer riesigen Fabrik, in der alles aus Industriestahl besteht, wandeln sie mit Mundschutz und in komplett weiße Arbeitskleidung gehüllt, auch ihre Gummistiefel sind weiß. Sie töten die Tiere, schneiden sie klein, spritzen mit heißem Wasser die Blut- und Fleischreste weg. Wenn sie abends nach Hause kommen, wollen ihre Frauen sie vor der Dusche nicht küssen, denn sie stinken nach toten Tieren.
Zwar schildert Linklater all diese Arbeitsbedingungen dokumentarisch genau, aber eine richtige Handlung mag sich nicht entwickeln. Sicher, da gibt es die brave, verheiratete Mexikanerin, deren Schwester eine Liaison mit ihrem Vorgesetzten beginnt, und die von allen anderen Frauen davor gewarnt wird. Amber, die bei Mickey’s an der Kasse steht kündigt ihren Job und versucht sich als Aktivistin, die in einer Nacht- und Nebelaktion Kühe befreit, die nichts mit ihrer neuen Freiheit anzufangen wissen und Don Henderson findet heraus, warum Kuhkacke in seinen Burgern landet.
Ein Thriller ist das nicht, ein Dokumentarfilm auch nicht, und für eine zweistündige Charakterstudie geben die Personen nicht genug her. Deshalb funktioniert auch das Ende des Films nicht, bei dem minutenlang die Schlachtung von Tieren gezeigt wird - in dokumentarischen Einstellungen, bei denen das Blut nur so spritzt. Dies wirkt effekthascherisch und bringt der Geschichte nichts. Einige kritische Worte streut der Film zwar ein, etwa wenn ein Aktivist sagt: "Wenn wir die Kühe befreien, dürfen wir uns nicht erwischen lassen. Alles wird in diesem Land momentan als terroristische Tat gesehen, darauf stehen zehn Jahr Gefängnis." Doch eigentlich will Fast Food Nation auch nicht politisch sein. Und wo das Fleisch herkommt, das wissen wir bereits, denn darüber haben wir schon viel bessere Dokumentarfilme gesehen.
Nana A.T. Rebhan/ARTE
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