Lights in the Dusk
Synopsis: Koistinen ist Wachmann in einem neu sanierten Stadtteil von Helsinki voller Glaspaläste und moderner, kalter Restaurants, die ganz dem Zeitgeist entsprechen. Seine Kontrollrundgänge führen ihn auch durch eine schicke Einkaufsgalerie mit einem Schmuckgeschäft. Koistinen, der mit seiner zynischen Umwelt nichts anfangen kann und sich schwer tut, seine Zerbrechlichkeit und Naivität zu verbergen, hat bei seinen Kollegen einen schweren Stand und ist meistens sehr einsam. Aus Berechnung zeigt die blonde Mirja ihm gegenüber ein wenig unaufrichtiges Interesse, die Würstchenverkäuferin Aila und der Hund Paju sind jedoch bereit, ihm ihr Herz zu öffnen. Wird es für Koistinen einen glimpflichen Ausweg aus seiner Niedergeschlagenheit geben?
Kritik: Der Titel des Filmes, den man etwa mit "Die Lichter der Vorstadt" übersetzen könnte, hat etwas altmodisches und lässt an Filme von Marcel Carné aus den 40er-Jahren denken - doch der Schein trügt. Etwas hat sich geändert in der Filmwelt von Aki Kaurismäki, der sonst so ausdrücklich "retro" war. Auch die Szenerie ist anders als sonst, plötzlich stehen Büros voller Technokraten mit Aktenkoffern im Zentrum. Die von scharfen Kanten geprägten architektonischen Gestaltungselemente verstärken die melodramatische Komik, für die der Filmemacher so bekannt ist, ohne sie jedoch zu überziehen. Die Handlung spielt in Helsinki, genauso gut könnte man es auch mit dem Europäischen Verwaltungsviertel in Brüssel zu tun haben. "Alle Städte sehen gleich aus", antwortet Mirja denn auch ernüchtert auf eine Einladung, ein Wochenende in Rom zu verbringen.
In diesem Film sind Resopaltische seltener zu sehen als sonst, die gewohnten malerischen Cafés wurden von elitären Designern umgestaltet, Kaurismäkis Rocker mit Haartolle lassen sich an einer Hand abzählen und haben nur sehr wenig Humor. Koistinen findet sich in dieser Umgebung nicht zurecht und versinkt in Trübsal, während er auf seinen Rundgängen durch die antiseptischen Einkaufshallen zieht. Man findet hier auch nicht mehr so häufig die sonst so vom Regisseur bevorzugten festgefügten und fotogenen Posen und die "typisch finnische" Mattigkeit in den Gesichtern. Das Kino von Aki Kaurismäki ist in Bewegung, es steht jedoch immer für Schönheit und zwar eine dunkle, tiefgründige Schönheit.
Hinter all dem steht jedoch eine Absicht, denn wenn wie in Der Mann ohne Vergangenheit (2002) oder Der Vertrag mit meinem Killer (1990) die Einsamkeit im Zentrum steht, geht es Kaurismäki immer auch um das schreckliche Thema Verzicht. Das Sich-Lossagen von etwas angesichts der Ungerechtigkeit einer Umwelt, die immer stärker, immer schlauer und emanzipierter als der Rest der Menschheit ist, ist ein schwieriges Thema. Doch ist es dem Regisseur gelungen, sich damit in seiner eigenen sparsamen und stilisierten Herangehensweise auseinanderzusetzen und damit ein äußerst zeitgemäßes Problem anzugehen.
Julien Welter/ARTE
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