Die "Janeites"

Auch mit 192 Jahren hat Jane Austens Roman "Stolz und Vorurteil" immer noch Kultstatus. Mit dem Internet hat die riesige Fangemeinde ihre ideale Plattform gefunden.

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Keira Knightley in der Rolle der Elizabeth Bennet

Der Mann ist arrogant, versnobt, wortkarg und völlig frei von Humor. Trotzdem sind zahllose Frauen in aller Welt Jane Austens "Mr. Darcy" verfallen. Zahlreiche Internet-Seiten beschäftigen sich mit der britischen Schriftstellerin und ihrem Helden aus "Stolz und Vorurteil". In riesigen Austen-Communities und -Societies fachsimpeln Fans über Interpretationen, Charaktere, geschichtliche Hintergründe und natürlich die Frage, welche die einzig wahre Verfilmung des Stoffs aus dem 19. Jahrhundert sei; eines dieser Foren finden Sie übrigens auf Brigitte.de.

Doch was ist nun so umwerfend an Mr. Darcy, dass er auch von jungen Frauen wie ein Popstar verehrt wird? "Mr. Darcy ist so reizvoll, weil er nicht so leicht zu bekommen ist", erklärt Jane-Austen-Fan Sonja Thiele aus Bautzen. "Er ist einfach ein schwieriger Typ, und schwierige Typen haben zumindest einen Vorteil: Sie sind interessant." Ein Macho also? "Nein", meint Lissa Herron aus Schottland. "Mr. Darcy ist so wundervoll, weil er zu seinen Fehlern steht und sich wegen seiner Liebe zu Elizabeth verändern will. Davon träumt jede Frau!" Das klingt nun eher nach Softie. Offenbar sind die Gründe, Mr. Darcy zu lieben, so vielfältig wie die Austen-Fangemeinde selbst.

Judy Dench als Lady Catherine de Burgh, Darcys Tante

Judi Dench als Lady Catherine de Burgh, Mr. Darcys Tante

Foto: UIP

Lissa zum Beispiel. Die 25-Jährige, die ursprünglich aus den USA kommt und in Schottland studiert, ist seit fünf Jahren eine "Janeite", wie sich die Austen-Enthusiasten selbst nennen. Auf Internet-Seiten wie Hyacinthgardens.com fand sie Gleichgesinnte und auch gleich ein neues Hobby: Fan-Fiction. Denn der einzige Haken an Jane Austen ist, dass sie 1817 verstarb und ihre Leser nicht mehr mit neuen Büchern beglücken kann. Also schreiben die Fans eben selbst: Eifrig spinnen sie Austens Bücher weiter, erfinden Vorgeschichten, Seitenstränge, Hintergrunderzählungen oder alternative Schluss-Szenen. Im Internet werden die Geschichten dann veröffentlicht und von den Usern kommentiert und bewertet. Allein auf Austen.com sind über 2000 Werke von rund 700 Autoren archiviert. Lissas Oeuvre umfasst inzwischen sechs Erzählungen, die bis zu 100 Seiten lang sind. Außerdem schrieb sie Kurzgeschichten und Parodien. "Anfangs habe ich täglich mehrere Stunden damit verbracht, Fan-Fiction zu schreiben und zu lesen", erzählt sie. "Inzwischen habe ich nicht mehr so viel Zeit, da ich mich um mein Studium kümmern muss."

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  • Michèle Rothenberg
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