Klappe zu, Affe tot
Lange lässt der Star des Films auf sich warten, sehr lange. Bis sich der gigantische Kong das erste Mal seinen Weg durch den Dschungel bahnt und sich in voller Größe vor der hilflosen weißen Frau aufbaut, sind bereits 75 Minuten des Films vergangen - aber damit ist noch nicht mal die Halbzeit erreicht. Peter Jackson kann sich wohl einfach nicht kurz fassen. Seine "Herr der Ringe"-Trilogie brachte es insgesamt auf gute neun Stunden, sein "King Kong" nun auf gute drei.
Dabei ist die Geschichte um den Riesenaffen und die weiße Frau eigentlich schnell erzählt - und so bekannt, dass wir an dieser Stelle auch nicht das Ende verschweigen müssen. Der Film spielt 1933 in New York, zur Zeit der großen Depression. Der Regisseur Carl Denham (Jack Black) ist besessen von der Idee, seinen Abenteuerfilm auf der geheimnisvollen Insel Skull Island im fernen Singapur zu vollenden. Weil die Hauptdarstellerin des Films abgesprungen ist, heuert er Ann Darrow (Naomi Watts), die gerade ihren Job verloren hat, als Ersatz an. Mit Captain Engelhorns (Thomas Kretschmann) Schiff geht es los - und gegen den Willen der Crew und zur Freude Denhams landet man tatsächlich auf der Insel. Dort läuft allerdings nichts mehr nach Plan. Ann wird von Eingeborenen festgenommen und dem Riesenaffen Kong als Opfer dargebracht. Mit viel Mühe können die Männer - allen voran Drehbuchautor Jack Driscoll (Adrien Brody), der sich in die Schauspielerin verliebt hat - Ann retten und den Affen in eine Falle locken. Der größenwahnsinnige Denham wittert die Riesensensation und bringt King Kong nach New York, wo der Affe einem staunenden Publikum als gezähmte Bestie präsentiert wird. Doch King Kong, von der Liebe zu Ann besessen, reißt sich los und macht sich auf die Suche nach ihr. In der legendären Schlusssequenz flieht der Affe mit Ann auf das Empire State Building, wird von seinen Jägern jedoch schließlich zu Fall gebracht.
Peter Jackson hat sich mit der Neuverfilmung des King Kong-Stoffes einen Kindheitstraum erfüllt und dabei keine Mühen - und vor allem keine Kosten - gescheut. Über 200 Millionen Dollar hat das Projekt gekostet. Am Ende eines umsatzmäßig mauen Kinojahres soll King Kong nun die Kassen klingeln lassen. Die Chancen, dass das Publikum da mitspielt, stehen gut: die Geschichte, eine Mischung aus Romanze und Abenteuer, bietet idealen Leinwandstoff. Dazu gibt's jede Menge Special-Effekts und mit Naomi Watts und Adrien Brody zwei Superstars in den Hauptrollen.
Der ganz große Wurf ist Peter Jackson trotzdem nicht gelungen. Und das hat etwas damit zu tun, dass er es in Sachen Größenwahn durchaus mit seinem Protagonisten Carl Denham aufnehmen kann. Zwar lebt King Kong auch im Original-Film nicht allein auf der Insel und muss sich mit Sauriern herumärgern, doch das ist nichts gegen die Armada an Urviechern, die Peter Jackson und seine Crew aus dem Computer gezaubert haben. Da müssen die tapferen Männer auf der Suche nach Ann vor Saurierherden à la Jurassic Park fliehen und wenn sie das überstanden haben, wartet schon das nächste, noch gefährlichere, noch ekligere Tier auf sie. Auch King Kongs tierische Gegner erreichen spektakuläre Ausmaße. Durch das pure Aneinanderreihen dieser stellenweise ganz schön albernen, actiongeladenen und special-effekt-lastigen Szenen in der Mitte des Films verliert Jacksons "King Kong" zwischenzeitlich leider die eigentliche Geschichte aus den Augen - die Geschichte von der Schönen und dem Biest, vom einsamen King Kong, dem Außenseiter, der sich in die weiße Frau verliebt, der menschliche Züge annimmt und doch keine Chance hat in der Menschenwelt. Dass Jackson durchaus ein Gefühl für diese Geschichte hat, beweist er mit schönen Szenen wie Anns Varieté-Tanzeinlage für King Kong und einem Eisballett der beiden in New York. Überhaupt gewinnt der Film wieder, sobald alle Verbliebenen zurück in New York sind, im New York der 30er Jahre, das Jackson ganz wunderbar rekonstruiert hat und das die perfekte Kulisse für den Showdown bietet (wie Denham den Affen nach Amerika transportiert hat, bleibt aber leider eines der Geheimnisse des Films).
In vielen Aspekten hat sich Peter Jackson mit seinem "King Kong" eng an den Original-Film angelehnt. Das hätte er vielleicht einfach auch in Sachen Filmlänge tun sollen. Der "King Kong" von 1933 ist nämlich nur 99 Minuten lang. Aber das ist vermutlich einfach zu kurz für einen echten Jackson.
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RealMedia, 7,9 MB Start
Quicktime, 8,7 MB













