Spitzenköchin und BRIGITTE-Kolumnistin Lea Linster, Anfang November erscheint ihr neues Kochbuch: "Einfach fantastisch!"
BRIGITTE.de: "Gute Film helfen mir, mich zu reloaden!", haben Sie mal gesagt. Ist "Julie & Julia" ein Film zum Reloaden?
Lea Linster: Ein phantastischer Film! Wunderbar dargestellt, von allen Schauspielern. Sie hätten wirklich niemanden finden können, der Julia Child besser darstellt als Meryl Streep.
BRIGITTE.de: Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Lea Linster: Wie Julia alles so sinnlich wahrnimmt und dieses Paris zu lieben beginnt, mit all ihren Sinnen, und alles in sich aufsaugt, die Geschmackserlebnisse und die Gerüche, diese Welt der Brasseries, dann diese Sinnlichkeit beim Kochen. Wunderbar. Damit kann ich mich wirklich identifizieren. Mir gefällt auch, wie die beiden Zeitebenen und die Schicksale dieser beiden Frauen miteinander verwoben sind. Es geht auch um die Liebe und die Unterstützung der Männer, die eine wichtige Rolle spielt. Ohne die hätte das alles ja nicht geklappt.
BRIGITTE.de: Kam da Sehnsucht auf bei Ihnen als Einzelkämpferin, die nie verheiratet war?
Lea Linster: Nein, ich habe doch meinen Sam, auch wenn wir nicht immer zusammen sind! Aber man sieht doch gut, wie wichtig die Liebe ist. Meinen Sam, den habe ich vor über 30 Jahren übrigens mit einer schön in Butter gebratenen Seezunge verführt! Im Film ist Julia Child auch von einer Seezunge hin und weg, die sie kurz nach ihrer Ankunft in Paris in einer Brasserie isst.
BRIGITTE.de: Kochen als Kompensation spielt für beide Frauen im Film eine Rolle.
Lea Linster: Frauen, die es wirklich geschafft haben, hatten immer etwas Großes zu kompensieren. Die junge Julie hat ja bislang total versagt in ihrem Leben. Für Julia Child ging es darum: kein Kind bekommen und keine Heimat haben. "Where is home...?" fragt sie, und ihr Mann antwortet: "Da, wo wir beide zusammen sind!"
BRIGITTE.de: Und was haben Sie kompensiert? Sie haben es ja auch irgendwie "geschafft"?!
Lea Linster: Alles war immer öffentlich bei uns, wir hatten eigentlich auch keine private Stube. Und so ein übliches Familienleben kannten wir auch nicht, was ich aber deshalb auch nie vermisst habe. Ich kann sagen, mein Beruf ist meine Berufung und ich habe immer schon, seit meiner Kindheit, diese Welt der Restaurants geliebt und bin dann da eingestiegen. Es ist aber einfach in dieser Branche nicht vorgesehen, dass eine Frau aus eigenen Stücken ein Restaurant aufmacht oder übernimmt.













