Subkultur trifft Kommerz

Eine Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen eröffnet Einblicke in die Comic-Welt der japanischen "Mangas".

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Sie trägt Shorts, so kurz, dass sie kaum noch als hot pants gelten können. Ihre nackten Brüste werden von Lederriemchen gehalten, die knielangen Haare wirbeln um den Kopf mit den kindchengroßen Kulleraugen: Keine Frage, die Amazone sieht aus wie aus einem Manga-Film entsprungen. Zusammen mit gut zwei Dutzend anderen Modellfiguren verkörpert die Vinylfrau in der Hamburger Ausstellung "Manga - Die Welt der japanischen Comics" jenen populären Part der Manga-Welt, der sich um Science-Fiction und Action, um Gewalt und Sex dreht. Und in der kitschige Fabelwesen, niedliche Lolitas, grausame Monster und mutige Jungs ihre Spielchen treiben. 40 Prozent der Druckerzeugnisse machen Mangas in Japan aus, und Auflagen von 400000 zählen zum Durchschnitt. Ihre Zielgruppe? Quasi unbegrenzt, es gibt Comics für Mädchen, Manager, Hausfrauen, Sportler...

YAMADA, Mysteriöse Detektivgeschichten, 1989-1990, Abbildung: Katalog

YAMADA, Mysteriöse Detektivgeschichten, 1989-1990, Abbildung: Katalog

Dass Mangas weit mehr als schnell konsumierbare Teenie-Lektüre à la Dragonball sind, beweisen in Hamburg die 25 Werke japanischer Manga-Künstler. Denn wenn deren Kurz-Comics etwas gemein haben, dann dieses: Man muss sich Zeit zum Lesen nehmen. Nicht nur, weil die Leserichtung von rechts nach links gewöhnungsbedürftig ist. Vielmehr liegt es an der japanischen Lesetradition, seiner Verknüpfung von phonetischen Buchstabenzeichen mit grafischen Bildsymbolen, dass die Kombination von Bild und Schrift zum Verstehen der Mangas so wichtig ist. Ihre psychologische Innerlichkeit und ihr feinsinniger Humor erschließen sich dem oberflächlichen Leser nicht.

TAMURA, I. der Nachtflug, 1989. Abbildung: Katalog

TAMURA, I. der Nachtflug, 1989. Abbildung: Katalog

Also heißt es eintauchen, etwa in die Story eines Mannes, der alle 24 Stunden auf ein neues Ich trifft, weil plötzlich zwei Zeit-Dimensionen zusammenkommen. Oder in die Geschichte der furchtlosen Stadtmenschen, die sich über Verbote hinweg setzen und sterben, weil sie nicht wissen: "Es gibt Dinge, die man lieber in Ruhe lässt." Bilderwelten wie diese lassen einen ganz eigentümlichen Reiz der präsentierten Werke erkennen: In ihnen scheint eine Welt jenseits des Vorstellbaren, Rationalen auf. Als geheimnisvolle Eigenart der japanischen Gesellschaft beschrieb der Autor Haruki Murakami dies in der Süddeutschen Zeitung jüngst so: "Die "andere Seite", die "andere Welt" spielt in Japan eine große Rolle. Wir leben Tür an Tür mit ihr."

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  • Text: Mareike Müller
    Abbildung 1. Seite, oben rechts: Aus "Furi Furi: What a happy life & death!", © Die Gestalten Verlag/Furi Furi Company
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