Foto: Handout ./ Reuters
Zehn Jahre eingesperrt in einem Keller-Verlies - dieser Alptraum wurde für die Amerikanerinnen Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight zur schrecklichen Realität. Auf dem Weg von der Arbeit oder Schule wurden sie von einem Schulbusfahrer entführt, der sie in seinem Keller gefangen hielt und gemeinsam mit seinen Brüdern über Jahre hinweg missbrauchte. Die Parallelen zu den ähnlichen Fällen von Natascha Kampusch und Josef Fritzl sind unübersehbar: Auch hier blieb vor den Nachbarn unbemerkt, dass in ihrer unmittelbaren Nähe Teenager gefangen gehalten wurden - obwohl eine von Ihnen sogar ein Kind zur Welt brachte. Trauma-Experte Dr. Georg Pieper erzählte BRIGITTE.de am Beispiel des Falles Kampusch, wie die Opfer jemals ihr schlimmes Trauma verarbeiten können.
BRIGITTE.de: Frau Kampusch erntet, wie auch andere Opfer von Missbrauch und Gewalt, viel Ablehnung dafür, dass sie so kontrolliert und selbstbewusst mit ihrem Schicksal umgeht. Warum reagieren manche Menschen so negativ auf "starke Opfer"?
Dr. Georg Pieper: Weil sie nicht ins Bild passen. Jeder hat eine genaue Vorstellung von einem Opfer: Es muss leiden, zerbrochen sein. Das ist wichtig, denn dadurch fühle ich mich selbst besser.
BRIGITTE.de: Wieso denn das?
Dr. Georg Pieper: Einem gebrochenen Menschen kann ich mein Mitleid schenken - und fühle mich dann, wenn auch unbewusst, als guter, hilfsbereiter Mensch. Aber eine selbstbewusste Person, die dagegen ankämpft? Mit der vergleicht man sich automatisch - und ahnt vielleicht, dass man selbst nicht so stark wäre. Und fühlt sich nicht als der überlegene Wohltäter, sondern abgewertet.










