"Es war uns eine Ehre, Sophie Scholl zu sein"

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BRIGITTE: "Die Weiße Rose" konzentrierte sich auf die ganze Widerstandsgruppe, Sophie Scholl war im Gegensatz zum jetzigen Film nur eine unter mehreren mutigen Menschen.

JULIA JENTSCH: "Sophie Scholl – die letzten Tage" konzentriert sich auf den Zeitabschnitt von der Verhaftung bis zur Hinrichtung. Er führt die Geschichte dort weiter, wo "Die Weiße Rose" zeitlich aufhört, genau zu erzählen. Er bleibt bei der Entwicklung Sophies und bezieht sich besonders auf die Gestapo-Verhörprotokolle der weißen Rose, die erst nach der Öffnung der Stasi-Archive in Berlin zugänglich wurden. Ich glaube, diese neuen Erkenntnisse waren überhaupt der Grund für Drehbuchautor Fred Breinersdorfer und Regisseur Marc Rothemund, diesen Film zu machen.

LENA STOLZE: Historisch gesehen war Hans zwar der Initiator der Gruppe. Aber Sophie hatte schon ganz früh eine radikale Position. 1942 hat sie sogar zu einer Freundin gesagt: "Wenn der Hitler mir entgegenkäme und ich eine Pistole hätte, würde ich ihn erschießen. Wenn es die Männer nicht machen, muss es eben eine Frau tun." Aber ihr politischer Widerstand kam ganz von innen her, war einer der Wahrheit, der Wärme, des Geistes.

JULIA JENTSCH: Sophie hatte nicht nur eine radikale Seite, das geht auch aus ihren Briefen hervor, die sie aus dem Arbeitsdienst schrieb. Sie berichtet da über den Umgang mit Kindern und liebte diese Arbeit. Sie war auch ein sehr mitfühlender Mensch, und ich glaube, gerade dieses starke Mitgefühl und ihr Gerechtigkeitssinn haben sie überhaupt so weit gehen lassen. Deshalb ist sie zuerst mit Be- geisterung in den BDM gegangen, das hat sie im Verhör gesagt. Sie dachte, da geht es um Gemeinschaft, um Natur, das suchte sie. Aber sie war so wach, dass sie schnell erkannt hat, es geht um Uniformierung, um Unterordnung, und ist ausgetreten.

BRIGITTE: Was kann die Geschichte der Sophie Scholl den Menschen in Ihrem Alter bedeuten, Julia?

JULIA JENTSCH: Es geht um Zivilcourage und das Eintreten für seine Überzeugung auf der Basis von Mitgefühl und Menschlichkeit. Oder wie Hans und Sophie Scholl es sich immer wieder gesagt haben, um sich Kraft zu geben: "Ein harter Geist, ein weiches Herz", "Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten!"

BRIGITTE: Sie, Lena, waren über zwei Jahrzehnte "das" Gesicht der Sophie Scholl, war es eine Last, die Rolle übernommen zu haben?

LENA STOLZE: Wenn es eine Last war, dann war es eine schöne Last. Nein, nicht einmal das. Ganz ehrlich, es war mir eine Ehre, Sophie Scholl zu sein.

Die Weiße Rose

In den Jahren 1942/43 verbreiteten die Studenten Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und der Philosophie-Professor Kurt Huber sechs Flugblätter, in denen sie unter dem Namen "Die Weiße Rose" zum Widerstand gegen das Hitler- Regime aufriefen. Das sechste Flugblatt richtete sich an die Münchner Studenten und forderte sie auf, sich nach dem Desaster der Schlacht um Stalingrad von der nationalsozialistischen Herrschaft zu befreien. Als hans und Sophie Scholl die Papiere am 18. Februar 1943 in der Münchner Universität auslegten, wurden sie verhaftet. Nur vier Tage später wurden die Scholls und christoph Probst in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.

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  • Interview: Eva Meschede
    Fotos: Christine Fenzl
    BRIGITTE 03/05
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