Witzig, wütend, wunderschön: Kunst aus Spam-Mails

Über Spam-Mails, die nervigen Werbebotschaften, die täglich im Postfach landen, kann man sich ärgern, man kann sie löschen - oder in etwas ganz Neues verwandeln: Kunst.

  • 0 Kommentare
  •  
  •  
In diesem Artikel:
Betreff: Kunst... Linzie Hunter macht aus den Versprechungen der Spam- Mails ironisch-blumige Illustrationen

Betreff: Kunst . . . Linzie Hunter macht aus den Versprechungen der Spam- Mails ironisch-blumige Illustrationen

"Keine einsamen Nächte mehr für Linzie", steht da auf nachtblauem Grund. Silberne Sternchen, blinkende Girlanden, der Schriftzug verschnörkelt oder in Zuckerrosa. Alles hübsch harmlos auf diesem Bild, Kitsch-Gefahr inklusive. Es ist eine von Linzie Hunters Typographie-Fingerübungen. Bei anderen steht: "Verschieb Dein glückliches Leben nicht länger" oder "Ich musste es jemandem erzählen", jedes Mal aufwändig gestaltet, irgendwo zwischen Bonbonbunt und Zuckergussgirlande. Dass die Sätze, die die Londoner Illustratorin kunstdruckreif layoutet, normalerweise im Müll landen, vermutet man kaum: Für ihre Kunstwerke verarbeitet sie die Betreffzeilen aus Spam-E-Mails.

"Was da täglich in unseren Postfächern landet, ist beleidigend, schockierend oder deprimierend", sagt sie. "Ich wollte diese Spams recyceln und etwas Nützliches daraus machen." Im Herbst 2007 fing sie an, die bizarrsten Postfach-Fundstücke zu verwandeln. Und plötzlich strotzt der Webmüll vor bizarrer Komik. Mit dieser subversiven Taktik ist Hunter nicht allein: Denn Spam provoziert kreatives Potenzial quer durch alle Kunstdisziplinen.

Seit 15 Jahren ist die nervige Werbepost unter dem Begriff "Spam" bekannt, vor 30 Jahren, heißt es, kursierte die erste E-Mail dieser Art (eine über das Arpanet, den eigentlich für Wissenschaftler reservierten Vorläufer des Internets, wahllos verschickte Einladung zu einer Software-Werbeveranstalung). Ursprünglich ist Spam der Name einer Dosenfleischmarke - Schwein, in Blockform gepresst. Als die englischen Komiker von Monty Python 1970 in ihrer Fernsehshow einen Wikinger-Sketch brachten, eine Art dadaistischer Hymne auf das Dosenfleisch, inspirierten sie damit die Computer-Nerds der nachfolgenden Generation: Das Wort "Spam" tauchte in jenem Stück derart häufig auf, dass es sich schnell als Metapher für inflationär auftauchenden WWW-Müll etablierte.

Auf der nächsten Seite: Die vielen Spielarten der Spam-Kunst

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  • Text: Anne Haemig
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 24/08
Letzte Kommentare
  • Noch kein Kommentar vorhanden. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Das können Sie im Eingabefeld unten.
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO