"Im Winter ein Jahr": Das Comeback der Caroline Link
Bei den meisten Menschen erscheinen, wenn sie in der Enzyklopädie in ihrem Kopf den Namen Caroline Link nachschlagen, zwei Einträge. Erstens: Link, Caroline, deutsche Regisseurin, erhielt im Frühjahr 2003 den Oscar für "Nirgendwo in Afrika" als bester fremdsprachiger Film und war damit erste deutsche Oscar-Preisträgerin seit 1980. Zweitens: Link, Caroline, deutsche Regisseurin, reiste NICHT nach Los Angeles, um den Oscar persönlich entgegenzunehmen, weil sich ihre kleine Tochter damals gerade von einer lebensbedrohlichen Krankheit erholte. Bekam Oscar später per Post zugeschickt.
Nach dem deutschlandweiten "Wir sind Oscar"-Jubel fanden sich dann nur noch hier und da kleine Meldungen: Caroline Link bereite die Verfilmung eines Romans von W. Somerset Maugham vor, Dreharbeiten in China, mit Nicole Kidman oder Naomi Watts. Caroline Link bereite ein anderes neues Projekt vor, Dreharbeiten in den USA - was man halt so erwartete von einer, die den berühmtesten Filmpreis der Welt bekommen hat, wenn auch mit der Post.
Es ist dann aber bei den kleinen Meldungen geblieben, und Caroline Link hat sechs Jahre lang überhaupt nichts gedreht, nicht in China, nicht in Amerika und auch nirgendwo sonst. Sie hat sich stattdessen um ihre Tochter gekümmert, während ihr Lebensgefährte, der Filmemacher Dominik Graf, gearbeitet hat. Und sie hat eigene Filmprojekte vorbereitet, die dann nichts geworden sind, wie eben jene W.-Somerset-Maugham-Verfilmung, die an selbst schon wieder fast filmreifen Besetzungs-Querelen scheiterte: Während Naomi Watts schon einen Vertrag für die Hauptrolle hatte, verhandelte Caroline Link noch mit Nicole Kidman für dieselbe Rolle. "Die wollten es beide gern spielen, was eine blöde Situation war, weil sie ja miteinander befreundet sind", bemerkt die Regisseurin im Nachhinein trocken. "Das war dann einfach ein bisschen kompliziert."
Und dann steht sie an einem drückend heißen August-Tag des vergangenen Jahres im Saal der Theaterakademie im Münchner Prinzregententheater, umringt von Drehteam, Kamera, Mikro und Kabelrollen, und in der Saalmitte am Flügel sitzt die junge Schauspielerin Karoline Herfurth und soll einen Song spielen und singen. Der Tonmann will dazu lautes Playback, Caroline Link will ganz leises Playback, wegen der Intimität, die Stimmung ist angespannt, und Karoline Herfurth am Flügel wird immer irritierter und nervöser. Kurz ehe bei jemandem die Sicherungen durchbrennen, nimmt Link ihre Darstellerin beiseite, setzt sich mit ihr auf ein Fensterbrett und spricht leise auf sie ein. Und was immer sie zu ihr gesagt hat, nach dem kurzen Gespräch geht eine gelassene Karoline Herfurth zurück zum Instrument. Die Szene wird mit leisem Playback gedreht.
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