Cate Blanchett: Eine Frau spielt Bob Dylan

Blanchett brilliert als knurriger Folksänger in "I'm Not There" und spielt lauter männliche Kollegen an die Wand. Und da ist sie nicht die Erste ...

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Sie raucht Kette. Sie nuschelt und nölt, antwortet auf Fragen von Journalisten mit mysteriösem Zeug und bringt ihr ergebenes Publikum gegen sich auf, als sie beginnt, ihre akustischen Folksongs mit elektrischen Gitarren zu verzerren. Sie tut das, weil sie einen der bekanntesten und trotzdem befremdlichsten Sänger des 20. Jahrhunderts spielt: Cate Blanchett ist Bob Dylan. "I'm Not There" heißt der Film dazu, der jetzt in die Kinos kommt. Der amerikanische Regisseur Todd Haynes hat sich ein seltsames Konstrukt einfallen lassen, um den eigenwilligen Dylan zu porträtieren. Sechs Schauspieler schlüpfen in die Rolle der Folk-Ikone, und keiner von ihnen heißt im Film tatsächlich Bob Dylan. Die Idee war, die verschiedenen Lebensphasen des Sängers durch möglichst unterschiedliche Charaktere zu verstehen. Marcus Carl Franklin zum Beispiel ist ein 14-jähriger Schwarzer, der als Woody Guthrie Dylans frühe Phase verkörpert. Christian Bale, Ben Wishaw und der vor Kurzem gestorbene Heath Ledger sind ebenfalls Dylan, sogar Richard Gere gibt als Wildwest-Legende Billy The Kid eine verblüffende Version des Sängers ab.

Cate als Bob: Das passt

Aber der beste Dylan ist eine Frau: Cate Blanchett. Sie spielt Jude Quinn, das Alias jenes Dylan, dem Mitte der 60er die Welt zu Füßen liegt. Er ist etwas Neues, Frisches, jemand, der in seinen Songs mit den verkrusteten Strukturen der Politik abrechnet. Doch je mehr dieser Kerl zum Superstar der Popmusik wird, zum Idol einer Generation, die gebannt an seinen Lippen hängt, desto mehr flieht er auf die rätselhafte Seite seiner Persönlichkeit. Sein Erfolg ödet ihn an, er will kein Vorbild sein, niemand, der den Menschen auf den Festivals Hoffnung und Führung gibt. Er gibt sich als zauderndes, arrogantes, gelangweiltes, sinnsuchendes Scheusal, das über den Dingen zu schweben scheint, alles und jeden in seiner Umgebung mies behandelt und aus Prinzip seltsame Sachen sagt.

Cate Blanchett ist großartig als Dylan-Interpretin, besser als Gere, Ledger, Bale. Das ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, schließlich gilt die Australierin gemeinhin als beste Schauspielerin der Welt, niemand leuchtet seine Figuren so aus, kaum jemand hat ihre Präsenz und Fähigkeit, auch in die letzten Untiefen eines Charakters einzutauchen. Aber es ist vor allem die weibliche Perspektive, die diesem Dylan eine besondere Note gibt. Womöglich erlaubt diese Sicht Blanchett ein feineres Gespür für die Risse in der Fassade des Sängers, für seine inneren Zwiespalte, für die Mackerspielchen, die Frauen so viel besser durchschauen als Männer. Vielleicht erkennt man Bob Dylan auch deshalb so gut in ihr wieder wie in keinem der anderen Schauspieler - Blanchett sieht dem Sänger verflixt ähnlich, trifft seine weltfremde Haltung und Gestik verblüffend gut.

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  • Text: Stephan Bartels
    BRIGITTE Heft 06/08
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