Comics zeichnen: Frauen sind die neuen Stars
Line Hoven
Aber sonst, der Comic und die Frauen - Line Hoven lächelt in sich hinein, "ein bisschen nervt mich das langsam". Sie hat sich den Job nicht ausgesucht, weil hier nur wenige Frauen unterwegs sind. Hoven kommt eigentlich vom Theater, dort arbeitete sie als Ausstattungsassistentin. Daher stamme auch ihre Liebe zum Detail. Auf Umwegen kam sie an die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), zu Anke Feuchtenberger und dem Comic-Künstler Atak.
"Ich hatte zwar als Kind hin und wieder ein paar ausgediente Superhelden-Comics von meinen beiden großen Brüdern bekommen, aber an der Hochschule erfuhr ich erst mal, wie vielschichtig Comics sind." Hier lernte sie auch die aufwändige Schabkarton-Technik, mit der sie jetzt nur noch arbeitet. "Da sitze ich schon mal drei Tage an einem Teppich für ein Panel." So nennt man das einzelne Bild im Comic. "Es macht mich glücklich, wenn ich mich mit einem liebevollen Detail auseinandersetzen kann." Und so sind die Bilder in ihrem ersten Buch "Liebe schaut weg" echte Fundgruben: das Esszimmer ihrer Großeltern während der Nazi-Zeit, die Auslagen in den Läden im Wirtschaftswunder-Deutschland. Hoven beleuchtet die Liebesgeschichten ihrer Großeltern und Eltern, zwischen Amerika und Deutschland, zwischen gestern und heute.
Dieses Buch ist ungewöhnlich ruhig für einen Comic, wie ein Schwarz-Weiß-Film aus den zwanziger Jahren. Es wurde ihr erster Erfolg. Soweit man eben als Comic-Zeichnerin erfolgreich sein kann: "Liebe schaut weg" hat sich bislang 1400-mal verkauft. Macht ungefähr 2000 Euro Honorar für drei Jahre Arbeit. Line Hoven sagt: "Ich will gar nicht unbedingt reich werden mit meinen Comics, ich will lieber weiter in Ruhe in dieser kleinen, feinen Nische arbeiten."
Anke Feuchtenberger
Anke Feuchtenberger möchte das nicht nur auf die Frauen reduzieren. "Comic-Leute arbeiten sich generell die Seele aus dem Leib, denn die Honorare sind so niedrig - so schnell kann man gar nicht zeichnen, um damit Geld zu verdienen." Sie ist bekannt dafür, dass auffällig viele Frauen in ihre Kurse kommen. Und die HAW Hamburg gilt, neben der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, mittlerweile als Kaderschmiede für die Comic-Szene.
Feuchtenberger ist im Ausland sehr erfolgreich. In Italien, Frankreich, Belgien oder Spanien haben Comics einen ganz anderen Stellenwert. Es gibt Zeichnerinnen wie die Berlinerin Barbara Yelin, die fast ausschließlich bei ausländischen Verlagen veröffentlichen. Ulli Lust erzählt, sie habe mal "zwei, drei Jahre" gut vom Comic leben können. "Wobei ich nicht viel zum Leben brauche." Mittlerweile verdient sie wieder mehr Geld mit Illustrationen, für Bücher oder die Werbung. Ihr Internet-Comic-Verlag electrocomics ist dagegen eher eine Liebhaberei. Dort kann man Comic-Bände aus dem Netz herunterladen, danach wird ein Preis vorgeschlagen: "Das Tolle an electrocomics ist, dass man ganz schnell mit Lesern aus der ganzen Welt über einen Comic oder einen Künstler in Kontakt treten kann."
Auf dem Comic-Salon in Erlangen wurde auch ein Gemeinschaftsprojekt vorgestellt: Für "Pomme d'Amour" haben Künstlerinnen aus Deutschland, Österreich, Spanien und Frankreich Geschichten zum Thema Liebe entworfen - in unterschiedlichen Lebensphasen. Ulli Lust hat sofort zugesagt, als sie davon erfuhr. Vielleicht kann man die Berlinerin als eine der Frauenbewegten unter den deutschen Zeichnerinnen bezeichnen. Der Comic-Roman, der kommendes Jahr erscheinen soll, sei "definitiv Frauenliteratur": Ihre junge Heldin geht auf die Reise und trampt durch Italien. Es geht um weibliche Selbstbehauptung - und die Männer kommen nicht gut weg.
Die Comics
Line Hoven: "Liebe schaut weg", ca. 110 Seiten, 14 Euro, Reprodukt
Anke Feuchtenberger und Katrin de Vries: "Die Hure H wirft den Handschuh", ca. 120 Seiten, 20 Euro, Reprodukt
Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci (Hrsg.): Ich/l/Je/lo", ca. 500 Seiten, 13 Euro, über
Claire Lenkova: "Alle meine Freunde", 80 Seiten, 16 Euro, Kunstmann
Ulli Lust und andere: "Pomme d'Amour: 7 Geschichten über die Liebe", 160 Seiten, 19,90 Euro, Die Bybliothek
Ulli Lust: "Fashionvictims, Trendverächter - Minireportagen und Bildkolumnen aus Berlin", 127 Seiten, 17,95 Euro, Avant-Verlag
Ulli Lusts Internet-Comic-Verlag: www.electrocomics.de













