E-Mail-Wechsel: Daniel Glattauer über die Liebe

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  • Lieber Herr Glattauer, die Kinderfrage... Wie sie kurz beantworten, wo so viele nach der Antwort suchen? Ich greife nun auch einmal auf Ihr Punktesystem zurück. Kinder wünscht man sich, weil sie 1. das große Symbol der bedingungslosen Liebe zueinander sind, 2. die endlose Ausdehnung der bisher gefühlten Harmonie verheißen, 3. auf die Welt kommen und so gut riechen, so wie einmal durch das Leben gezogen: durch ein gutes Leben, 4. sie ein Versprechen sind: Auf das private Glück.

    Nur leider wird übersehen, dass man nicht ein Versprechen, sondern einen Menschen in die Welt gesetzt hat. Und dieser Quell des Glücks sabotiert die vorherige Harmonie unweigerlich 1. mit seinen Schreiattacken, 2. vollgekackten Windeln, 3. Fieberanfällen, 4. seinem geringem Schlafbedürfnis, 5. seiner Sucht nach Aufmerksamkeit. Plötzlich ist es 6. mühsam und harte Arbeit eine neue Harmonie herzustellen, 7. hat man weniger Sex, 8. spricht man weniger miteinander, 9. ist "sie" nach spätesten zwei Jahren der Meinung, dass sie nicht mehr sie selbst ist, und "er" 10. der Meinung, dass sie ihm fremd geworden ist, außerdem stellt er 11. erschüttert fest, dass er sich nicht mehr für den Rest seines Lebens alle Chancen offen halten kann. Sie sehen, meine Liste zwei ist definitiv länger als Liste eins. In den kurzen Zeiten, die rückblickend dann als die guten Zeiten bezeichnet werden, ist Liste eins allerdings länger. Und weil viele später die Hoffnung aufgeben, dass Liste zwei jemals wieder kürzer wird, geraten sie von der Alles-Illusion in den Kriegszustand. Eine geschicktere Überleitung, Ihren ameisengroßen Fehde-Handschuh aus Ihrer letzten mail aufzuheben, habe ich gerade nicht gefunden. Und: Sie irren! Ich gebe zu, ich habe Sie eingangs als nett und zart beschrieben, aber wäre so ein Mann des Friedens tatsächlich nichts für mich, hätte ich ja stets das Gegenteil suchen müssen. Was aber wäre das für einer gewesen? Dröhnend und kräftig, streitlustig und erdrückend, konfliktbesessen und muskelbepackt? Nein. Nein. Nein. Ich gestehe allerdings, dass ich (manchmal) tatsächlich gern den Widerstand suche. Nicht den Konflikt. Hierin liegt der Unterschied! Denn dahinter hockt ein Herz, das ein hartnäckig harmoniesüchtiger kleiner Muskel ist. Sprechen wir lieber über Zeichen der Liebe. Braucht die Liebe überhaupt Zeichen, braucht sie Geschenke und wenn ja welche, welche auf keinen Fall? Mein neunjähriger Sohn hat heute dazu seine ganz eigene Theorie aufgestellt: "Du kannst nicht so ein Einschmeichler sein, der so Romanzen aufsetzt und dabei nicht er selber ist."

    P.S. Ist Treue ein notwendiges Zeichen der Liebe? Wo beginnt der Betrug?

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  • Text: Beatrix Gerstberger
    Fotos: Patrick Ohligschläger, Deuticke/corn.at
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/09
Letzte Kommentare
  • Anne
    am 12.03.12 um 10:35
    Liebe Brigitte-R. Frau Gerstenberger, Herr Glattauer,
    3xDANKE ! 1. Dafür, dass Brigitte einem Gespräch wie diesem so viel Raum und Portal gegeben hat. 2. Danke Frau Gerstenberger, dass sie sich trauen, mit einem Mann und Belletristik-Ikone wie Herrn Glattauer ein so ehrliches Gespräch zu führen und dafür, dass sie entgegen aller gesellschaftlichen Rollengleichmachungsbestrebungen ihre Weiblichkeit - vor allem im Job - selbstbewusst "unverstecken". Endlich: Männer und Frauen sind nicht gleich, basta! Ein Mann hätte dieses Interview sicher auch gut und witzig führen können. Jedoch nur eine journalistisch begabte Frau ist zur Kreation des entstandenen außersaisonalen Weihnachtswortgefechtes in der Lage. Wenn Frauen in der Politik den Frauen im Land eine Quote verpassen möchten, bescheinigen sie Ihnen vor allem die Unfähigkeit, für sich selbst zu sprechen, einzustehen und mit der Männerwelt umzugehen. 3. Danke Herr Glattauer, dass Sie meine Erwartungen immer wieder erfüllen
  • Francis77
    am 21.06.09 um 22:08
    Gut getroffen! Bestimmt auch U2, Linkin Park, Cold Play, z.B. Trouble. Emmis Musikgeschmack wird bestimmt auch von ihren Teens beeinflusst...Und für den AHA-Effekt, den sie im ersten Buch hat: Ich + Ich- du erinnerst mich an Liebe. Den Whisky sehe ich als Sinnbild, um starke Gefühle schnell und effektiv wegzuspülen. Die Steigerungform von Whisky heißt dann wohl Verdrängung...;-)
  • Grace
    am 19.06.09 um 21:01
    Emmi? Sehr gute Frage, vielleicht Sting? Alanisse Morissette (bestimmt falsch geschrieben), also auf keinen Fall Schlager und weniger POP, bestimmt auch gerne Klassik, vielleicht auch die Rolling Stones und Oasis.
    Lese gerade "Alle sieben Wellen" - es ist echt richtig schlimm mit den Büchern, alles verwahrlost, bis sie durch sind und das Emmi auch so gerne Whisky trinkt-unfassbar..
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