Frank Schätzing isst gern und gut , deshalb hat er den Treffpunkt, ein Gourmetrestaurant in Köln, selbst ausgesucht. Dabei ist der 52-Jährige ausgesprochen schmal, "meine Figur", verrät er, "halte ich mit täglichem Joggen in Form". Sein Outfit könnte man cool nennen: Leinenjackett, T-Shirt, Jeans und Turnschuhe, das graue Haar nach hinten geföhnt, silberner Ring auf dem Mittelfinger. Die längeren Nägel an den Fingern seiner rechten Hand verraten, dass der Bestsellerautor Gitarre spielt. Aber auch Keyboard, wie er erzählt. Er hat ein eigenes Tonstudio, in dem er komponiert; die Musik zu seinen Hörbüchern schreibt und spielt er selbst ein.
Frank Schätzing hat nun mal gern alle Fäden in der Hand. Kaum hatte er das Manuskript seines neuen Thrillers, einen 1200-Seiten-Wälzer, abgeliefert , machte er sich über das Marketing Gedanken. Statt Lesungen plant er eine Multimediashow, in der er sich und sein Buch auf der großen Bühne inszenieren wird. Ein Programm, das die meisten Autoren dieser Welt vor Angst lähmen würde - wenn sie nicht vorher schon unter dem ganzen Erfolgsdruck zusammenbrechen. Aber dieser Mann liebt das Rampenlicht. "Schon als Jugendlicher", sagt er, "wollte ich Popstar werden."
BRIGITTE: Herr Schätzing, wenn man Ihren neuen Thriller "Limit" liest, hat man den Eindruck, Sie wären selbst im All gewesen und mit einem Lunar Rover über den Mond gebrettert.
Frank Schätzing: Hätte ich gern gemacht, es flog nur gerade niemand hoch. Also bin ich ganz einfach in meinen Gedanken hingereist und war vollkommen fasziniert. Ich habe ein Faible für unbekannte Welten, seit meiner Kindheit schon. Das hat sich im Unterwasser-Thriller "Der Schwarm" niedergeschlagen und jetzt wieder in "Limit".
BRIGITTE: Waren Sie denn auch ein Fan von "Raumschiff Enterprise"?
Frank Schätzing: Das bin ich immer noch. Natürlich habe ich mir auch den letzten "Star Trek"-Film im Kino angesehen, sensationell! Aber das sind Space-Märchen, die gehören eher in den Bereich Fantasy. Als Autor interessiert mich mehr die wissenschaftliche Vision, Science Fiction im ursprünglichen Sinne, wo es darum geht, das faktisch Vorstellbare in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden zu lassen. Und da fand mich nun vor einigen Jahren eine Idee ...
BRIGITTE: Die Idee fand Sie?
Frank Schätzing: Ja, das mag seltsam klingen, aber ich suche nicht nach Ideen. Ich lasse mich von ihnen finden, einfach indem ich Augen und Ohren aufsperre. Da stand also in einem wissenschaftlich en Magazin dieser winzige Artikel über den möglichen Abbau von Helium-3 auf dem Mond. Ein Edelgas-Isotop, im Mondstaub eingelagert und nur dort zu finden , vor allem aber der ideale Brennstoff für eine saubere Form der Energiegewinnung: Kernfusion, bei der so gut wie keine Radioaktivität entsteht. Das war die Initialzündung. Die Vorstellung, dass wir den Trabanten künftig als Wirtschaftszone nutzen, hat in meinem Kopf sofort einen Film in Gang gesetzt.












Aber eine andere längst realisierbare Art der Energienutzung übersteigt offenbar selbst das Vorstellungsvermögen eines Frank Schätzing. Seht hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Windmill_ship
-Viel Spaß beim Stöbern!