Frank Schätzing: Mit "Limit" zum Mond

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BRIGITTE: Die erste Leserin Ihres Manuskripts war Ihre Frau. Nehmen Sie von ihr geäußerte Kritik denn auch an?

Frank Schätzing: Auf jeden Fall mache ich das. Ich habe zwei lange Jahre an dem Ding geschrieben, ohne es jemandem zu zeigen, immer nur im eigenen Saft gebrutzelt. Da wird man betriebsblind. Meine Frau Sabina hat mir viele nützliche Hinweise gegeben, sie hat ein gutes Gespür für Dialoge und Dramaturgie. Sie selbst ist eine hervorragende Drehbuchschreiberin.

BRIGITTE: In Ihrem Buch beschäftigen Sie sich ausführlich mit Weltraumtechnik. War Ihrer Frau das manchmal zu viel?

Frank Schätzing: Wenn es ihr zu technisch wurde, hat sie mir empfohlen, die Passage zu straffen. Jedes Mal hatte sie recht. Abgesehen davon ist es ein Klischee, dass Frauen von Technik nichts wissen wollen. Sie möchten nur keine endlosen Abhandlungen dazu lesen.

BRIGITTE: Haben Sie selbst Spaß beim Schreiben?

Frank Schätzing: Sagen wir es mal so: Jedes Buch, das man beginnt, ist wie eine neue Liebe. Man verknallt sich in die Idee, dann ist sie die große Geliebte für die nächsten Jahre. Mit allen Höhen und Tiefen, die eine längere Beziehung so mit sich bringt.

BRIGITTE: Was sagt Ihre Frau dazu, wenn Sie für ein Buch so lange abtauchen?

Frank Schätzing: Das sieht sie immer sehr entspannt. Sie kennt mich ja gar nicht anders. Ich habe vier Jahre an "Limit" gearbeitet, zwei davon geschrieben, und ich bin ein ziemlich manischer Arbeiter. Man wird ein wenig unsozial beim Schreiben dicker Bücher, da ist es natürlich toll, wenn man eine Frau hat, die das toleriert . Andererseits gehen wir auch viele Projekte gemeinsam an. Sabina und ich sind mittlerweile ein richtiges kleines Unternehmen geworden, wir beide kümmern uns gemeinsam um meine Auftritte, PR, Auslandsrechte und die Verfilmungen meiner Bücher.

BRIGITTE: Hört sich nach viel anstrengender Arbeit an. Nehmen Sie denn auch mal gemeinsam Urlaub vom Schreiben?

Frank Schätzing: Im vergangenen Jahr waren wir vier Wochen in England und dann noch mal zehn Tage in Italien. Aber viel wichtiger als große Ferien sind die kleinen Inseln, die man sich im Alltag schafft. Spontan drei Tage an die Nordsee fahren, im Sand rumlatschen, gut essen und trinken, Spaß miteinander haben. Viel lachen!

BRIGITTE: Welche Gefühle haben Sie heute, wenn Sie den Mond aufgehen sehen?

Frank Schätzing: Nach all meinen Recherchen habe ich da inzwischen regelrechte Heimatgefühle entwickelt. So ein sternfunkelnder Nachthimmel mit dem Mond darin, der macht mich glücklich, erstaunt mich und lässt mich auch mal schaudern.

Interview: Christiane von Korff

Das Buch

Neue Technologien in der Raumfahrt haben es möglich gemacht: Im Mai 2025 wollen die Menschen den Mond als Energielieferanten nutzen. Wird Amerika oder China die Vorherrschaft über die Ressourcen auf dem Trabanten gewinnen? Während Konzernchef Julian Orly mit einer Luxusreise ins All eine Gruppe von Multimilliardären locken will, in sein Unternehmen zu investieren, ahnt er nicht, dass ein global agierender Rivale einen Anschlag auf ihn und seine Gäste im Mondhotel plant. - "Limit" ist großes Kino, das sich liest, als sähe man einen Hollywood-Film. Dabei sind es die gerade noch vorstellbaren, im Grenzbereich des Möglichen angesiedelten Fantasien, die den Science-Fiction-Thriller so fesselnd machen. (1200 s., 26 Euro, Kiepenheuer & Witsch)

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  • Artikel vom 14.10.2009
Letzte Kommentare
  • Michael Mühlentrieb
    am 09.10.10 um 10:37
    Kontrollierte Kernfusion. Tolle Sache.
    Aber eine andere längst realisierbare Art der Energienutzung übersteigt offenbar selbst das Vorstellungsvermögen eines Frank Schätzing. Seht hier:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Windmill_ship
    -Viel Spaß beim Stöbern!
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