George Clooney: Der gute Mensch von Hollywood

Er hat ein Kind adoptiert und heimlich Renée Zellweger geheiratet. Behauptet George Clooney jedenfalls in diesem Interview - und lacht danach schallend. Clooney ist klug, charmant und nimmt nur wenige Dinge im Leben wirklich ernst. Es sei denn, es geht um Politik und Menschenrechte.

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Kaum eine Woche vergeht ohne Neuigkeiten über George Clooney. Mal betrauert der "sexiest man alive" den Tod seines heiß geliebten Hängebauchschweins Max, mal frotzelt er gegen seinen Kumpel Brad Pitt, mal wird ihm eine weitere neue Freundin angedichtet. Und wenn jetzt sein Film "The Good German" bei uns anläuft (Kinostart: 1. März), wird es wieder eine Menge witziger Kommentare vom schönen und klugen George über seinen Freund, den Regisseur Steven Soderbergh, und seine Filmromanze Cate Blanchett zu lesen geben. Das ist die eine Seite des Schauspielers, Regisseurs, Produzenten und Drehbuchautors George Clooney.

George Clooney als Korrespondent Jake Geismar in "The Good German"

George Clooney als Korrespondent Jake Geismar in "The Good German"

Die andere ist die des Humanisten, Kriegsgegners, politischen Aktivisten. Clooney mischt sich ein, wenn es gilt, den Finger in eine Wunde zu legen. Die schlimmste heißt für ihn Darfur, das Krisengebiet im Westen des Sudan. Im langen Bürgerkrieg dort sind seit 2003 - von der Welt nur am Rande wahrgenommen - bisher 200 000 bis 300 000 Menschen getötet worden, rund drei Millionen flohen über die Grenze ins arme Nachbarland Tschad. Im April letzten Jahres ist George Clooney zum ersten Mal in der Krisenregion gewesen, hat sich vor Ort bei den Hilfsorganisationen umgesehen, eine Reportage fürs Fernsehen gedreht und danach einen flammenden Appell an die Welt gerichtet: Eine ganze Generation von Menschen würde verschwinden. "Es handelt sich um den ersten Genozid im 21. Jahrhundert." Sogar vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen setzte sich George Clooney zusammen mit Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel für eine Entsendung von UN-Truppen ein. Und Ende des Jahres flog er nach Ägypten, um sich mit der Frau und dem Sohn des Präsidenten Hosni Mubarak zu treffen; Ägypten versucht schon länger, in dem opferreichen Konflikt zu vermitteln.

Kein Wunder also, dass der Oscar-Preisträger (2006 als bester Nebendarsteller in "Syriana") im BRIGITTE-Interview lieber über sein Engagement für Darfur reden will als über sich und seinen neuen Film. Aber Clooney wäre nicht Clooney, wenn er sich zwischendurch nicht doch immer wieder selbst auf die Schippe nehmen würde.

Interview mit George Clooney

Einer der bevorzugten Orte von Jake Geismar (Clooney): die Bar

Einer der bevorzugten Orte von Jake Geismar (Clooney): die Bar

BRIGITTE: In "The Good German" lieben Sie eine verheiratete Frau mit einem dunklen Geheimnis. Sehr romantisch. Was unterscheidet die romantische von der realen Liebe?

George Clooney: Danke für diese Frage. Da erwischen Sie genau den richtigen Experten (grinst). Ehrlich, ich bin nicht ganz sicher, was Sie meinen. Soll ich Ihnen den Unterschied erklären zwischen der Idee, wie es in der Liebe sein könnte oder sollte, und der, wie es ist, neben jemandem mit Mundgeruch aufzuwachen? Gemessen an meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, es gibt einen Unterschied, aber ich bin wirklich nicht die Koryphäe in Sachen Liebe, um Ihnen das mit der Romantik näher zu erläutern.

BRIGITTE: Aber Sie sind ja nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt. Was haben Sie von den vielen Frauen, mit denen Sie sich im Laufe des Lebens verabredet haben, gelernt?

Clooney: Ganz klar: nichts! Ich habe bei allen fürchterlich versagt, und es war immer mein Fehler. Man kann wirklich nicht behaupten, ich wäre ein großer Erfolg bei Frauen. Anders gesagt: Ein Buch mit dem Titel "How to date" von George Clooney wird es nie geben.

BRIGITTE: Sie haben oft über den Einfluss Ihres Vaters auf Sie gesprochen, aber nicht über den Ihrer Mutter oder Ihrer Schwester.

Clooney: Das liegt daran, dass mein Vater, ein Journalist und Nachrichtenmann, sowieso schon in der Öffentlichkeit bekannt ist, während meine Mutter Nina eher schüchtern ist und nicht in die Medien gezerrt werden möchte. Genau wie meine Schwester Ada, die mag das auch nicht. Aber beide sind sehr starke Frauen, die natürlich ihren Einfluss auf mich hatten. Ich finde starke Frauen außerordentlich attraktiv. In ihrer Nähe fühle ich mich immer wohl.

BRIGITTE: Welche Frauen bewundern Sie eigentlich am meisten?

Clooney: Na ja, da gibt's viele. Aber um ein Beispiel zu nennen: Senatorin Hillary Clinton gehört dazu und Oprah Winfrey. Also, Frauen an der Spitze der Macht finde ich sehr interessant. Aber da gibt's noch jede Menge andere, die man leicht übersieht. Zum Beispiel die jungen Frauen vom International Rescue Committee im Westen Darfurs an der Grenze zum Tschad. Gerade mal Anfang 20. Mitten im Nichts. Ohne Waffen. Ohne Schutz von Soldaten. Konfrontiert mit Krankheit und Gewalt, Vergewaltigung und Gesetzlosigkeit - und trotzdem bleiben sie dort ein ganzes Jahr, um zu helfen. Diese Frauen haben eine Stärke, eine Kraft, die mir noch nie zuvor begegnet ist.

BRIGITTE: Sie sind selbst in der Region gewesen. Warum, glauben Sie, kann man das Töten dort nicht stoppen?

Clooney: Was die USA angeht, liegen die Gründe auf der Hand. Wir haben im Irak zu viel politisches Kapital verspielt. Wir können islamische Staaten jetzt nicht mehr bitten: "Kommt mit an Bord." Die haben verständlicherweise das Vertrauen verloren. Die UN und die Nato fallen auch weg, weil sie keine eigenen Truppen haben. Also müssen wir versuchen, mit Russland und China zu reden, sie zu bitten, mit Omar al-Bashir, dem Präsidenten des Sudan, zu verhandeln. Diesen Konflikt zu lösen geht nur mit Diplomatie. Meine Aufgabe dabei ist, ein wenig Licht auf die Sache zu werfen, für Öffentlichkeit zu sorgen, damit dieses Morden nicht unter den Tisch gekehrt wird.

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  • Interview: Elisa Leonelli
    Fotos: Warner
    BRIGITTE Heft 5/2007
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