Ina Müller: "Der Bolero ist ein Sex-No-go"

Nach dem großen Erfolg ihres letzten Albums legt Ina Müller mit neuen gereiften Songs nach. Im Interview spricht sie über geltungssüchtige Menschen, junge Männer, reife Frauen und welche Musik bei der Erotik gar nicht geht.

  • 8 Kommentare
  •  
  •  
Vom Geheimtipp zur Kultmoderatorin und zum Gesangsstar: Ina Müller

Vom Geheimtipp zur Kultmoderatorin und zum Gesangsstar: Ina Müller

BRIGITTE.de: Frau Müller, ist das für Sie eigentlich Arbeit, womit Sie Ihr Geld verdienen?

Ina Müller: Es ist ein großes Glück. Ich rufe tatsächlich jeden Morgen im Bett ein dreifaches Halleluja gen Himmel aus Dankbarkeit, weil ich es überwiegend nicht als Arbeit empfinde. Ich kann kreativ sein, Musik machen - und das ist für mich viel, viel toller als die meisten anderen Sachen. Immerhin habe ich einige Jahre klassisch von 9 bis 18 Uhr gearbeitet, da kam es nicht so sehr auf Kreativität an - sondern mehr auf simples Funktionieren. Ich weiß mein Glück zu schätzen. Sollte man tatsächlich nach dem Tod wiedergeboren werden, hätte ich Angst: Es könnte nur schlechter werden.

BRIGITTE.de: Sie sind an einem interessanten Punkt in Ihrer Karriere. In den vergangenen Jahren sind Sie immer bekannter geworden, schon lange kein Geheimtipp mehr, werden sogar für die "Wetten, dass..."-Nachfolge ins Gespräch gebracht. Was ist das für ein Lebensgefühl?

Ina Müller: Ich empfinde mich selbst nicht als Star. Der schleichende Übergang von Underdog zu ein bisschen bekannt, bis hin zu bekannter hat mich nicht traumatisiert. Ich kann ungestört durch Hamburg laufen. Beeinträchtigt bin ich nicht. Ich renne sonntags immer noch, wenn alle um die Alster rennen, auch um die Alster - und werde selten angesprochen. Wohl auch, weil ich viel zu schnell vorbei laufe. Im Ernst: Ich fühle mich extrem wohl mit meinem Status, ich habe mich da reingegroovt. Es ist kein Ober-A-Promi-Status, der sicher sehr schwierig ist.

BRIGITTE.de: Ein Song auf dem neuen Album, "Paparazzi", beschreibt das Gefühl, dass stets beobachtet und beachtet zu werden, auch eine Sucht sein kann.

Ina Müller: Der Song widmet sich einer ganz bestimmten Art von Promi- oder Möchtegern-Promitypen. Als der Kachelmann verhaftet wurde, schoss zum Beispiel eine Indira nach vorn und zeigte der Klatschpresse ihre SMS vom Wettermann. Dann erklärte sie der Welt, wie der Mann wirklich ist. Ein solches Verhalten von öffentlichkeitssüchtigen Menschen empfinde ich als sehr scheußlich. Es gibt Menschen, die wirklich alles tun, um in der Presse stattzufinden. Das prangere ich an. So ist die Idee zu diesem Lied entstanden. Mit mir selbst hat das wenig zu tun.

BRIGITTE.de: Ihr neues Album klingt noch reflektierter als "Liebe Macht Taub". Und auch nicht mehr so verspielt. Spiegelt das Ihre momentane Lebensphase wider?

Ina Müller: Ich bin ja auch wieder reifer geworden, so ist das Album auch ein bisschen reifer und dicker im Sound als das vorige. Und: Ja, es spiegelt die letzten drei Jahre wider. Natürlich ist einiges passiert seitdem. Die Songs handeln von meiner Single-Phase, von all den Erfahrungen, bestimmte Situationen wie starkes Verliebtsein oder Liebeskummer, von Menschen, die ich in der Zeit kennengelernt habe. Sie handeln auch von einigen, die ich nicht mehr sehe, aber die am Ende des Tages ihr Lied bekommen.

BRIGITTE.de: Sie müssen nicht zum Therapeuten, Sie reden mit Ihrem Songschreiber Frank Ramond?

Ina Müller: Ich war in der Tat noch nie beim Therapeuten. Das Texten hilft schon über vieles hinweg. Wenn ich auf der Bühne stehe, erzähle ich auch zwischen den Songs etwas: das hilft mir dann auch noch.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  • Fotos: Mathias Bothor.
    Interview: Silja Schriever
Letzte Kommentare
  • Effes Zeha
    am 05.09.11 um 14:23
    Die Frau aus'm Norden, die so viel auf'n Punkt bringt. Ja, die mag ich auch gern hörn und sehn. Toll, dass es so'ne Leute gibt.
  • Angelika Otten
    am 07.08.11 um 08:54
    Ina Müller, einfach genial. Ihre Stimme ist eine Wucht, Ihre Ausstrahlung ebenso. Ein Genuss, sie in Aktion zu sehen. Ich liebe ihre provokanten lebensnahen Texte. Sie ist einfach phantastisch. Toll, das wir so was in Deutschland haben :)
    Man (n) muss sie einfach mögen! Und frau auch....
    Spitzenklasse!!!
    Angelika
  • Doris
    am 22.02.11 um 10:28
    Ich finde sie toll!toll!toll!
    Nicht alles und nicht immer, aber das wwäre ja auch öde.
    Mir kommt es immer so vor, als wenn auch ich mit ihr durchaus das ein oder andere Bier trinken könnte. Abgesehen davon sind ihre Konzerte einfach grandios, weil sie eben noch dazu so eine wunderbare Stimme hat.
mehr (8)
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO