"Ich dachte, ich schaffe das nicht"

Fritzi Haberlandt gilt als eine unserer besten Schauspielerinnen. Warum die Rolle in ihrem neuen Film eine ihrer schwersten war, erzählt sie im BRIGITTE-Interview.

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Sehend eine Blinde zu spielen sei das Schwierigste gewesen, sagt Fritzi Haberlandt über ihre Rolle im Film "Erbsen auf halb 6" (Kinostart: 4. 3.). Die 28-Jährige spielt darin die blinde Lehrerin Lilly, die dem jungen Theaterregisseur Jakob beibringen soll, in einer Welt ohne Licht zu leben. Und damit erst einmal scheitert. Denn Jakob, der bei einem Unfall das Augenlicht verloren hat, wehrt jede Hilfe ab. Die Geschichte einer Liebe unter schwierigen Umständen.

Wochenlang hat Fritzi Haberlandt sich auf diese ungewöhnliche Rolle vorbereitet, unter anderem in der Hamburger Ausstellung "Dialog im Dunkeln". Anlass für uns, sie dort noch mal zum Brigitte-Gespräch in die "Dunkel-Bar" zu bitten. Die Ankunft ist ein kleiner Schock. Man sieht: nichts, absolut nichts. Keine Schatten, keine Nuancen, egal, wie weit man die Augen öffnet, wie sehr man sich auch konzentriert, irgendetwas zu erkennen.

Fritzi Haberlandt als blinde Lehrerin in "Erbsen auf halb 6"

Fritzi Haberlandt als blinde Lehrerin in "Erbsen auf halb 6"

Brigitte: Frau Haberlandt, haben Sie eigentlich Angst im Dunkeln?

Fritzi Haberlandt: Als Kind schon, na ja, um ehrlich zu sein, eigentlich bis heute. Bevor ich das erste Mal in diese Ausstellung kam, hatte ich sogar richtig Panik. Da bringen dich keine zehn Pferde rein, dachte ich. Aber hinterher war ich so begeistert, dass ich gleich wieder hinein wollte.

Brigitte: Was ist passiert?

Fritzi Haberlandt: Nachdem die erste Angst weg war, habe ich plötzlich so eine absolute Entspannung gespürt. Das hat mich ganz tief berührt und kam so unerwartet, fast hätte ich geweint. Ich glaube, da ist mir zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, wie stark ich davon abhängig bin, "gesehen" zu werden. Alles dreht sich in meinem Beruf darum, dass man gesehen wird. Ständig steht man unter Beobachtung. Als diese unterbewusste Anspannung dann plötzlich wegfiel, habe ich tatsächlich erst begriffen, wie sehr ich sonst den Blick der anderen immer schon automatisch mitdenke.

Brigitte: Wie wichtig ist das Aussehen, ist Schönheit für Sie? Ist sie ein Maßstab?

Fritzi Haberlandt: Ein Model könnte für mich nie ein Ideal darstellen, nur weil man das allgemein behauptet. Das ist mir zu eng gedacht. Ich finde es viel spannender zu entdecken, was unter der Oberfläche steckt. Aber natürlich läuft der erste Eindruck doch über das Auge. Man taxiert jemanden, ordnet ihn ein. Wirklich wehren kann man sich dagegen kaum.

Brigitte: Wann würden Sie von jemandem sagen, dass er "schön" sei?

Fritzi Haberlandt: Wenn ich das Gefühl habe: Der ist mit sich im Reinen. Der ist bei sich angekommen. So wie er oder sie ist, redet, lacht, sich bewegt - das ist eine Einheit. Früher in der Disco fand ich manchmal Frauen sehr schön, nur weil sie in einer bestimmten Art und Weise getanzt haben. Die waren nicht mal besonders hübsch. Aber sie hatten Ausstrahlung. Man hat gesehen: Die fühlen sich wohl, die finden sich attraktiv. Das ist für mich Schönheit.

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  • Fotos: Andre Rival, Senator
    Interview: Silja Ukena
BRIGITTE im ABO