"Eigentlich bin ich absolut bieder"

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Glücklicher Gewinner: Moritz Bleibtreu mit seinem Silbernen Bären

Glücklicher Gewinner: Moritz Bleibtreu mit seinem Silbernen Bären

Brigitte.de: Sagst Du Dir dann: "Augen zu und durch" oder versuchst Du, solche Szenen möglichst hinauszuzögern nach dem Motto: "Ach, nee, heute ist schlecht, können wir das nicht ein andermal drehen"?

Moritz Bleibtreu: Nein, Augen zu und durch. Wenn ich mich auf so einen Film einlasse, dann ist mir natürlich klar, dass ich jetzt nicht anfangen kann, darüber zu diskutieren, ob man meinen Arsch sieht oder nicht. Aber diese Form von pornographischer Sexualität in dem Buch, die kann man ja filmisch gar nicht darstellen, obwohl das der eine oder andere Franzose auch schon mal versucht hat. Das geht aber meistens schief. Dann landest du vielleicht in Kinos, wo Du eigentlich nicht hin willst und wo es komisch riecht (lacht). Und insofern war auf der einen Seite klar, dass wir eine bestimmte Ästhetik beibehalten, es war aber von Anfang an auch klar, dass wir über eine bestimmte Grenze sowieso nicht hinausgehen.

Brigitte.de: "Elementarteilchen" ist ja stellenweise durchaus auch ein lustiger Film, vor allem die Nudistencamp-Szene ...

Moritz Bleibtreu: Ja, diese Sequenz ist innerhalb des Films aus mehreren Gründen wichtig. Weil sie ein Gegengewicht zu dem ernsteren Part bildet und weil die Zuschauer da zum ersten Mal sehen, aha, wir dürfen hier auch lachen. Ich glaube, das Lachen ist etwas, was sich viele Leser des Buches verkniffen haben. Es ist aber durchaus im Sinne des Autors. Houellebecq ist viel satirischer als viele das gerade in der Zeit, als das Buch herauskam, gesehen haben. Oskar hat sehr frühzeitig begriffen, dass dieser Stoff teilweise auch echt komisch ist, und das haben wir dann versucht, in den Film zu retten. Und die Nudistencamp-Sequenz ist dafür der Aussteller.

Brigitte.de: In dem Film ist eine ganze Riege großer deutscher Schauspieler zu sehen. Wie ist das, mit denen zu spielen? Ist das einfach ein total professionelles Arbeiten oder ist es, wie alte Freunde wieder zu sehen?

Moritz Bleibtreu: Beides. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, dass ich Leute wieder sehe, die ich seit Jahren kenne und auf der anderen Seite ist es toll, solche Leute in solchen Rollen zu haben. Zum Beispiel Corinna Harfouch als Ärztin. Gerade in so einer Szene, die für meine Figur wahnsinnig wichtig ist, ist es schon ein Unterschied, ob da Corinna vor einem sitzt oder ich weiß nicht wer. Dass all diese großen Schauspieler diese kleinen Rollen gespielt haben, ist wirklich toll. Daran sieht man auch, wie sehr Schauspieler daran interessiert sind, mit Oskar Roehler zu arbeiten.

Brigitte.de: Wart Ihr dank all der Profis auch schneller fertig mit dem Drehen?

Moritz Bleibtreu: Selbstverständlich (lacht). Was heißt schneller fertig, aber doch, im überspitzten Sinne kann man es schon so sagen. Für jemanden wie Oskar, der es früher eher vermieden hat, mit namhaften Leuten zu drehen, war es toll zu sehen, wie einfach die Arbeit sein kann. Eben weil er Schauspieler vor sich hat, die verstehen, was er von ihnen will. Ich weiß noch, als Uwe Ochsenknecht das erste Mal bei uns am Set war. Als er weggegangen ist, hat Oskar nur gesagt: "Ist das ein Profi, meine Fresse ist der gut." Darauf habe ich dann nur gesagt: "Ja, ja, das hat schon seinen Grund, warum Leute das 35 Jahre machen, da merkt man dann auch, dass sie das können".

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  • Interview: Katharina Wantoch
    Fotos: Constantin (2), Berlinale
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