Krimi-Expertin Val MCDermid
Foto: Droemer Verlag
BRIGITTE: Für den Ermittler beginnt ein Fall häufig damit, dass sein Telefon klingelt. Womit beginnt ein neuer Fall für Sie als Krimi-Autorin? Haben Sie zuerst den Täter, das Milieu, das Verbrechen?
Val McDermid: Ich fange nicht immer mit dem Verbrechen an. Aber es muss immer etwas sein, das mich persönlich interessiert. Die Idee zu "Ein kalter Strom", meinem letzten Buch, ist mir zum Beispiel gekommen, als ich in Köln war und dem Schiffsverkehr auf dem Rhein zuschaute. Ich dachte, Schifffahrt, das wäre doch ein guter Job für einen Serienmörder.
BRIGITTE: Wie ist die Idee zu Ihrem neuesten Roman "The Distant Echo" (erscheint im September auf Deutsch mit dem Titel "Echo einer Winternacht") entstanden?
Val McDermid: Eine Freundin hatte mir von ihrem Sohn erzählt, einem Studenten, der mit ein paar Freunden unterwegs war und gesehen hat, wie auf der Straße jemand zusammengeschlagen worden ist. Sie haben die Schläger verjagt und sind dann zu dem Verletzten zurückgekehrt, um ihm zu helfen. In dem Moment kam die Polizei. Sie sahen die jungen Männer mit Blut an der Kleidung, sie sahen das Opfer, übel zugerichtet, und hielten natürlich erst einmal die Retter für die Täter. Zum Glück war der Mann bei Bewusstsein und konnte die Sache aufklären. Ich dachte mir: Was wäre passiert, wenn er tot gewesen wäre? So ging es los, mit einer beiläufig erzählten Anekdote. Und natürlich mit einem furchtbaren Gedanken: Dass die Geschichte noch besser wäre, wenn das Opfer gestorben wäre.
BRIGITTE: In manchen Ihrer Bücher treffen wir auf Ermittler, die wir bereits kennen, andere Bücher bleiben Solitäre ...
Val McDermid: Es macht Spaß, mit bereits eingeführten Figuren zu arbeiten. Ich kann sie sich entwickeln lassen, ich lerne sie immer besser kennen, und weiß auch, wie sie sich in einer bestimmten Situation verhalten würden. Sie sind gute Bekannte geworden, für mich wie für die Leser, und es ist gut, nicht immer wieder von vorne anfangen zu müssen.
BRIGITTE: Warum bleiben bestimmte Geschichten dann doch Einzelfälle?
Val McDermid: Das kann ganz verschiedene Gründe haben. Bei Fiona Cameron aus "Die Erfinder des Todes" zum Beispiel hängt das mit ihrer Arbeit zusammen. Sie hat ein Programm entwickelt, mit dem sie mögliche Wohnorte eines Täters geografisch eingrenzen kann. Das ist sehr interessant, aber es trägt nur für ein einziges Buch. Immerhin kommt Fiona ganz am Rande noch einmal in meinem neuen Buch vor. Auch "The Distant Echo" wird wohl ein Einzelfall bleiben. Einige Leser erinnert das Buch an "Ein Ort für die Ewigkeit", der Geschichte mit Police Officer George Bennett. Für den ist der Mord an Alison Carter sein wichtigster Fall gewesen. Und wie soll man danach weitermachen? Mit seinem zweitwichtigsten Fall?













