"Wo einer herkommt, ist egal"

Passend zum Tag der Deutschen Einheit zeigt das ZDF am Montag "Die Nachrichten", eine Ost-West-Geschichte um den Nachrichtensprecher Jan Landers, der plötzlich von seiner DDR-Vergangenheit eingeholt wird. Brigitte.de sprach mit Hauptdarsteller Jan Josef Liefers über seine eigene Zeit in der DDR, die Stasi und ostdeutsche Identität.

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Auf der Suche nach der Wahrheit: Jan Josef Liefers in "Die Nachrichten"

Auf der Suche nach der Wahrheit: Jan Josef Liefers in "Die Nachrichten"

"Ich war noch nie so lange in der Maske wie für diese Rolle. Jedes Haar wurde einzeln platziert." Der Aufwand hat sich gelohnt. Jan Josef Liefers überzeugt in der gelungenen Verfilmung von Alexander Osangs Roman nicht nur äußerlich als Nachrichtensprecher Jan Landers, der vom Osten in den Westen gekommen ist. In Landers' Leben läuft eigentlich alles bestens. Der Chef will ihn zum Moderator des Abendjournals befördern, er ist kurz davor, in ein repräsentatives Loft zu ziehen, und auf einer Party lernt er die Brauerei-Erbin Margarethe (Nina Kunzendorf) kennen - die Frau seines Lebens. Doch dann interessieren sich plötzlich gleich zwei Journalisten für Landers' Vergangenheit: die Spiegel-Redakteurin Doris Theyssen (großartig: Dagmar Manzel) und der Provinzjournalist Thomas Raschke (herrlich schmierig: Uwe Kokisch). Beide wittern die ganz große Geschichte, denn Jan Landers soll informeller Mitarbeiter der Stasi gewesen sein. Als Landers' Sender von den Recherchen erfährt, wird der Nachrichtensprecher suspendiert - und unternimmt auf der Suche nach der Wahrheit eine Reise in seine ostdeutsche Vergangenheit ("Die Nachrichten", 3. Oktober, 20.15 Uhr im ZDF).

Interview mit Jan Josef Liefers

Brigitte.de: Wie die Hauptfigur Jan Landers im Film stammen auch Sie aus der DDR. Haben Sie damals je Kontakte zur Stasi gehabt?

Jan Josef Liefers: Nicht, dass ich wüsste, aber letztlich wusstest du ja auch nie, mit wem du redest. In meiner eigenen Akte und den Akten von Freunden habe ich jedenfalls keine spektakulären Entdeckungen gemacht. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass ich unwissentlich Gespräche mit Leuten geführt habe, die für die Stasi gearbeitet haben. Erstaunlich finde ich, dass mich nie jemand gefragt hat, ob ich nicht für den Verein arbeiten möchte. Ich kenne nur wenige Leute, bei denen nicht früher oder später an die Tür geklopft wurde.

Brigitte.de: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sie nicht angeworben wurden?

Jan Josef Liefers: Nein, ich weiß es nicht. Mein Vater lebte damals mit einer Frau zusammen, die dann eines Tages aus der DDR abgehauen ist. Nach ihrer Flucht wurde mein Vater ziemlich bearbeitet, weil man wissen wollte, ob ihm die Fluchtpläne bekannt waren. Bei dieser Gelegenheit hat man ihm sehr detailliert von meinem Studentenleben berichtet. Als er mir das erzählt hat, habe ich an der Schauspielschule gesagt, dass ich gern mal mit dem Typen sprechen möchte, der da für uns verantwortlich ist, weil mich doch sehr interessieren würde, was da läuft. Irgendwann bekam ich eine Rückmeldung, dass dieses Gespräch nicht nötig sei.

Brigitte.de: Sie haben sich damals geweigert, zur Nationalen Volksarmee zu gehen und durften deshalb kein Abitur machen. Sind Sie durch Ihre Weigerung nicht unangenehm aufgefallen?

Jan Josef Liefers: Das war schon ein Thema in meiner Akte, aber ich kann nicht sagen, dass mir daraus ein Nachteil entstanden ist. Wenn ich gleich mit 17 oder 18 die Einberufung bekommen hätte, wäre ich vermutlich auch für eineinhalb Jahre zur NVA gegangen. Doch um Abitur machen zu dürfen, hätte ich mich für drei Jahre verpflichten müssen. Da habe ich mich lieber für eine Tischlerlehre entschieden. Ich wusste sowieso, dass ich Schauspieler werden wollte, und die Voraussetzung für die Schauspielschule war entweder Abitur oder eine Berufsausbildung. Das fehlende Abi hat mir also nichts verbaut. Und während die anderen noch in die bescheuerte Schule gingen, habe ich schon ein bisschen Geld verdient und konnte das eine oder andere Mädel zum Eis einladen.

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  • Interview: Katharina Wantoch
    Fotos: ZDF/Svenja von Schultzendorff
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