Jessica Schwarz: Große Auftritte als Tony und Romy

Zwei Rollen haben Jessica Schwarz verändert: Tony Buddenbrook und Romy Schneider. Die Dreharbeiten führten sie ins tiefste Loch, in das die Schauspielerin je gefallen ist. Doch heraus kommt jetzt ein Star.

Filmkritik zu den "Buddenbrooks" plus Fotoshow und Trailer

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"Hoffentlich werde ich nicht zu sehr wie Romy Schneider. Ich möchte etwas länger leben"

"Hoffentlich werde ich nicht zu sehr wie Romy Schneider. Ich möchte etwas länger leben"

Jessica Schwarz rauscht in die Suite ihres Hotels, lässt sich in den nächsten Stuhl fallen und sagt: "Ich muss erst mal eine rauchen." Zunächst wirkt sie vergnügt wie früher in Interviews. Obwohl sie ein enges dunkelblaues Kleid trägt, Netzstrümpfe und hohe Schuhe, die 31-Jährige also aussieht wie eine herausgeputzte Dame, hängt sie gleich darauf ein Bein über die Lehne und hat dazu einen Blick, den man eher von Kindern kennt, die gerade etwas aushecken.

Ganz bewusst wählt sie eine Pose, die weder zu ihrem Aufzug passt noch zu dem Film, über den sie nun sprechen soll: Thomas Manns "Buddenbrooks", verfilmte Weltliteratur über den Zerfall einer Familie im 19. Jahrhundert. Der Roman gilt in Deutschland nahezu als heilig. Fast überall steht er im Bücherregal, jeder kennt ihn, auch wenn ihn nur die wenigsten zu Ende gelesen haben.

Jessica Schwarz hatte die Chance, als Kaufmannstochter Tony eine der Hauptrollen zu übernehmen. Ebenso wie sie das Angebot erhielt, Romy Schneider zu spielen, die größte deutsche Schauspielerin nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Rolle wurde ihr sogar doppelt angeboten, fürs Kino und fürs Fernsehen; sie entschied sich für "Romy" als Fernsehfilm. Zwei Mammutdrehs von vier beziehungsweise drei Monaten liegen jetzt hinter ihr - und Jessica Schwarz ist Ende 2008 nicht mehr dieselbe Frau wie vorher.

Wenn sie früher Interviews gab, zum Beispiel vor einem Jahr zum Kinostart der Komödie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken", sagte sie lustige Sätze wie "Treue ist etwas für Tauben". Sie erzählte gute Geschichten, wie die von dem Tag, an dem sie als Kind beim Fahrradfahren den Fuß in ihre Speichen hielt, um zu sehen, was dann passiert - und ihr anschließend zwei Zähne fehlten. Immer ging sie ihren Beruf leidenschaftlich an: Sollte sie eine betrunkene Frau spielen, leerte sie zuvor eine Flasche Martini. Und wenn sie einen Selbstmord zeigen sollte, wie in "Der Liebeswunsch", ließ sie sich rückwärts vom Balkon fallen - bei starkem Wind aus dem 19. Stock, hinunter auf eine Stunt- Matratze, zwei Stockwerke tiefer; Grenzen waren nur dazu da, sie zu überwinden.

Für ihren Einsatz erhielt sie unter anderem den Adolf-Grimme-Preis oder den Bayerischen Filmpreis. Und diese Frau sitzt nun im Hotelzimmer und sagt über ihren Dreh zu den "Buddenbrooks": "Nachdem ich die Rolle zugesagt hatte, brach alles über mich herein. Ich merkte plötzlich, dass ich keine Ahnung von der Schauspielerei habe. Oft dachte ich: Mein Genick ist gebrochen."

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  • Text: Andrea Hacke
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 01/2009
    Fotos: SWR/Joachim Gern, Detlev Overmann
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