Joachim Löw: "Wir brauchen Mut zur Schwäche"

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BRIGITTE: Prallen im Fußball gerade zwei Welten aufeinander? Die neuen Männer auf die alten Kerle, die noch eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Ideologie verfolgen?

Joachim Löw: Das würde ich so nicht formulieren. Aber es ist schon was in Bewegung. Beispielsweise haben Jürgen Klinsmann und ich vor sechs Jahren einen Sportpsychologen zur Nationalmannschaft geholt. Wir wurden belächelt, es gab Spott und Hohn. Heute lacht keiner mehr.

BRIGITTE: Ein Fußballer darf jetzt Schwäche zeigen?

Joachim Löw: Warum sollten Männer nicht auch mal äußern, wenn sie einen schlechten Tag haben? Für mich persönlich ist es eine Stärke, wenn ein Spieler nach dem Spiel zu mir kommt und mir offen sagt, warum er heute seine Leistung nicht wie gewohnt abrufen konnte.

BRIGITTE: Bayern-Spieler Sebastian Deisler hat seine Krankheit öffentlich gemacht, er litt an Depressionen. Danach wurde er als "Fräulein Deisler" und "Deislerin" verunglimpft. Er ist aus dem Profi-Fußball ausgestiegen. Von Robert Enkes Depression hat die Öffentlichkeit erst nach seinem Tod erfahren. Ist Schwäche im Leistungssport überhaupt möglich?

Joachim Löw: Natürlich gilt im Profi-Fußball immer das Leistungsprinzip. Und es wird immer einen Konkurrenzkampf geben. Aber der kann ja auch positiv sein, wenn man ihn offen gestaltet. Ich glaube aber, dass die Spieler Mut zur Schwäche brauchen. Und dass wir alle gut daran tun, wenn wir mit vermeintlichen Schwächen offener umgehen. Ich hätte mir sehr gewünscht, Robert hätte die Kraft gehabt, über seine Krankheit zu sprechen. Auch Sebastian Deisler habe ich ja als Nationalspieler erlebt. Jürgen Klinsmann und ich, wir haben schon gemerkt: Wir kommen nicht an ihn ran. Ein unglaublich talentierter Fußballer, auch ein sehr sensibler Mensch, aber der hat eine Wand um sich aufgebaut. Es ist uns nicht gelungen, diese Wand zu durchbrechen.

BRIGITTE: Was hat sich geändert?

Joachim Löw: In der Vergangenheit wurde jemand, der eine Schwäche äußerte, in die Ecke gedrängt und dementsprechend behandelt. Aber Fußballer sind keine Roboter. Der Tod von Robert Enke zeigt, dass manche mit den Erwartungshaltungen und Zielsetzungen nicht so einfach umgehen können. Es war gut, dass wir alle nach dem Tod von Robert innegehalten haben. Vielleicht hat sich dadurch etwas verändert. Dass der Fußball sensibler geworden ist und es eine gewisse Toleranz und ein gewisses Verständnis gibt.

Das ganze Interview lesen Sie in der nächsten BRIGITTE: Ab Mittwoch, 10. Februar 2010, am Kiosk.

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  • Artikel vom 02.02.2010
  • Interviews: Stefanie Höfle / Madlen Ottenschläger
    Fotos: Edgar Rodtmann/laif, Thomas Rabsch/laif
    ein Artikel aus der BRIGITTE 05/10
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