Wie viel Madonna steckt in jeder von uns?

Alles an ihr ist extrem. Ihr Erfolg. Ihre Muskeln. Ihr Ego. Der Rummel um ihren 50. Geburtstag am 16. August. Warum ist sie uns trotzdem so nah? Sieben Frauen erzählen, was Madonna für sie und ihr Leben bedeutet.

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Vulgär, gefährlich und gleichzeitig sehr süß

Nicolette Krebitz, 36, Schauspielerin und Regisseurin, ist bis Ende Juni und ab November im Berliner Theater am Kurfürstendamm zu sehen. Mit Jasmin Tabatabai und Katja Riemann spielt sie in Tschechows "Drei Schwestern"

Als ich Madonna 1983 zum ersten Mal im Fernsehen sah, wusste ich sofort: Die werde ich nie wieder los!

Madonna war vulgär, gefährlich und gleichzeitig sehr süß. Während alle anderen Pop-Frauen eher wie Puppen daherkamen, war Madonna der pure Sex. Plötzlich räkelte sich da eine Frau selbstbewusst auf dem Boden herum und machte, was sie wollte. Madonna ist nicht gerade mit einer Wahnsinns-Stimme beschenkt worden. Was sie ausmacht, ist ihr Gesamtwerk - der Ausdruck ihrer großen, nie versiegenden Lust. An der Musik, am Tanzen, an Spaß, an Männern und an Frauen. Eine Wiederholung wäre ihr zu langweilig, und deshalb ist sie auch nach all den Jahren immer noch da. Ich hätte gern so wenig Angst wie sie davor, peinlich zu sein. Sie besitzt die Fähigkeit, der Welt erhobenen Hauptes entgegenzurufen: "Na und? Mir gefällt das!"

Madonna gibt einem die Zuversicht, dass sich auch eine Frau in unserer sehr männerdominierten Welt verwirklichen kann. Und zwar nicht dadurch, dass sie sich beschwert, sondern indem sie die Sache einfach anpackt. Sie sagt feministische Dinge und findet Männer trotzdem toll. Madonna hat die Welt schon dadurch zu einem besseren Ort gemacht, weil sie so vielen Mädchen und Frauen gezeigt hat, wie großartig es ist, eine Frau zu sein. Ich bewundere sie dafür, ihre Sexualität auszuleben, ohne darüber nachzudenken, wie das ankommt. Madonna ist frei und authentisch - bei ihr habe ich immer das Gefühl, ich kann sie riechen. Wenn Madonna mit einem Mann zusammen war, dann nie, weil er ihr beruflich weiterhelfen konnte, sondern aus Liebe. Sie war verknallt und hat Fehler gemacht, wie es jedem anderen in der Liebe auch passiert.

Nach jedem Beziehungsende ist sie, trotz mancher Demütigungen, voller Würde wieder aufgestanden und hat weitergemacht. Ich habe schon darüber nachgedacht, Madonna in einem meiner Filme zu besetzen, falls das möglich ist. Als Schauspielerin fand ich sie immer erfrischend. Ich würde sie gern ungeschminkt sehen, vielleicht in der Rolle einer Frau, die man wie ein Orakel befragt. Aber natürlich weiß man bei Madonna nicht, ob der Film am Ende so wäre, wie ich ihn mir als Regisseurin vorgestellt habe, oder ob es nicht eher der Film wird, den Madonna im Kopf hatte. Das Risiko würde ich eingehen.

Auf der nächsten Seite: BRIGITTE-Redakteurin Stefanie Hellge

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  • BRIGITTE Heft 14/08
    Fotos: Johannes Zacher (1), PR Photos
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