Nadja Benaissa: Wer ist die Frau hinter dem HIV-Skandal?

Das Urteil im Prozess um Nadja Benaissa ist gefallen: Sie bekommt zwei Jahre auf Bewährung und muss zudem 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten. BRIGITTE-Mitarbeiterin Tinka Dippel hat die No-Angels-Sängerin in den vergangenen Monaten begleitet und versucht herauszufinden, was für ein Mensch sie ist.

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Die Angst vor dem Outing ist weg - wenn die vergangenen Monate ein Gutes für Nadja Benaissa hatten, dann das. Diese Angst war über zehn Jahre in ihr gewachsen und hatte sie manchmal fast lahmgelegt. Sie wäre lieber abgetaucht, als ihre Krankheit publik zu machen. Es ist die Angst vieler mit HIV infizierter Menschen, und viele von ihnen schreiben Nadja jetzt, suchen ihren Rat oder reden ihr gut zu.

Nadja Benaissa, 28, im Jahr 2000 als Sängerin der Casting-Band No Angels bekannt geworden, konnte sich nicht gegen das Outing wehren: Die Staatsanwaltschaft Darmstadt machte ihre Infektion öffentlich, nachdem sie sie am Tag vor Ostern 2009 in einem Frankfurter Club wegen gefährlicher Körperverletzung verhaftet hatte; ein Mann hatte sie angezeigt, ohne Kondom mit ihm geschlafen zu haben, ohne ihm zu sagen, dass sie HIV-positiv ist. Das Vorgehen der Justiz ist umstritten, der Fall füllte tagelang Schlagzeilen und Sendezeit. Auf einmal war Nadja nicht mehr der Retorten-Popstar, sondern eine Frau, über die man eine Meinung hatte, sich empörte oder die man bedauerte. Lange hatte sie darum gekämpft, dass der Casting-Makel verblasst und man sie einfach als die talentierte Musikerin wahrnimmt, die sie ist - jetzt hat ihn ein anderer Makel abgelöst. Sie ist nun vor allem die Sängerin mit HIV.

Zum ersten Mal habe ich Nadja Benaissa Ende Januar 2010 vor dem Landespresseball in Hannover erlebt - eine Stunde, bevor sie mit den No Angels zum Soundcheck für einen kurzen Auftritt musste; wenige Tage, bevor die Anklage gegen sie erhoben wurde. Shirt und Jeans waren schwarz und eng, ihre braunen Locken ungebändigt, das Gesicht war kaum geschminkt. Sie wirkte ruhig und ernst, und sie war ehrlich, sagte, dass sie gerade dabei sei, sich und ihr Leben aufzuräumen, und dass es für uns beide nicht einfach würde, an einem Buch über sie zu arbeiten.

Video: Urteil im Benaissa-Prozess

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  • Text: Tinka Dippel
    Fotos: Laif
    Ein Artikel aus Heft 17/2010
Letzte Kommentare
  • vorhanden
    am 29.08.10 um 18:02
    KANN DICH GUT VERSTEHEN MELD DICH MAL
  • vorhanden
    am 29.08.10 um 18:00
    ich kann dich ganz gut verstehen wenn du mal reden willst meld dich einfach
  • sprotte
    am 17.08.10 um 12:41
    Soso. Sie wünscht sich Ruhe und Normalität. Jatzt. Damals wünschte sie sich ungeschützten Sex ohne jede Aufrichtigkeit.
    Wo ist das Sprachrohr für die betroffenen Männer?
    Fakt ist: Sie hat selber zugegeben, es billigend in Kauf genommen zu haben dass ihre Geschlechtspartner angesteckt werden - hätte diese Frau ein gesundes Gewissen, es würde sie zu Boden drücken.
    Enttäuschend, dass BRIGITTE sich zu so einem Artikel hinreißen lässt. Hätte hier nicht eher ein Bericht über die ggf. betroffenen nichtsahnenden Frauen/Partnerinnen der ebenso nichtsahnenden Männer gehört?
    Es gibt eine Grauzone zwischen der sinnlosen Stigmatisierung HIV-Positiver Menschen und dem Versuch, alles nachzusehen weil sie ja gestraft genug seien!
    Wenn sie sich Normalität wünscht, dann soll sie sich ihr stellen und die Verantwortung übernehmen statt sich Journalistinnen um die Finger zu wickeln für ihre Sache.
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