Der Teufel trägt Field
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BRIGITTE: Also auch für Sie...
Patricia Field: Ich fühle mich nicht als Trendsetterin. Vielleicht bin ich trotzdem eine. Aber dann bin ich es nur, weil ich tue, was ich fühle. Mein Herz und mein Kopf sagen mir, was ich zu tun habe. Also höre ich einfach auf sie. Nur so kann etwas Originelles entstehen. Statt eine vermeintliche Trendserie im Fernsehen anzusehen, sollten die Leute lieber in sich selbst hineinschauen. Deinen Stil findest du nicht in Magazinen, deinen Stil findest du in dir selbst.
BRIGITTE: Aber Sie selbst sind durch Ihre ausgefallenen Kreationen in der Serie "Sex and the City" zum Medienstar geworden.
Patricia Field: Weil ich dem Einheitsbrei auf den Straßen ein paar Zutaten hingefügt habe. Mode ist heute globalisiert. Im Grunde ziehen alle dasselbe an. Selbst Milliardäre wie Bill Gates tragen Jeans und T-Shirt. Klar, die Jeans kostet mal 80, mal 500 Dollar, aber sie bleibt eine Jeans. Designer stellen Massen gleicher Kleidungsstücke her. Diesen Jedermann-Look persönlicher zu machen, ihm Atmosphäre zu verleihen, das können in Zeiten des Überangebots immer weniger. Darum sind Stylisten so gefragt.
BRIGITTE: Nach "Sex and the City" wollten plötzlich viele wie Hauptfigur Carrie Bradshaw aussehen. Sie beeinflussen den Geschmack von Millionen Frauen.
Patricia Field: Diese Macht liegt nicht bei mir, die Macht liegt bei den Frauen. Ich helfe Frauen nur, sich selbst zu entdecken. Bedauerlicherweise haben sie viel zu lange nicht darüber nachgedacht, was sie wirklich wollen. Kein Wunder, sie wurden jahrzehntelang einer Gehirnwäsche unterzogen und klein gehalten, auch modisch. Heute tun sie Dinge, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie möglich wären. Weiter so. Niemand kann euch stoppen außer ihr selbst!
BRIGITTE: Sie sind 62 und nicht zu stoppen. Ist es für Sie nicht schwieriger geworden, modisch auf der Höhe zu bleiben?
Patricia Field: Viel leichter. Je älter du bist, desto größere Freiheit hast du, aufzunehmen und auszudrücken, was du willst, ohne äußeren Druck. Ich bin heute keine andere als vor zwanzig, dreißig Jahren. Was mich interessiert und gut aussieht, das trage ich.
BRIGITTE: Aber die Welt um Sie herum hat sich doch ziemlich verändert. Mehr Freiheiten, mehr Möglichkeiten ...
Patricia Field: Haben wir die wirklich? Mir kommt die Gesellschaft repressiver vor als vor 20 Jahren. Das Individuum unterliegt ständiger Kontrolle. Menschen kleiden sich viel uniformierter, konservativer, und ob sie sich nur so kleiden? Politisch korrekt, wenn ich das schon höre ... Ich bin das nicht. Heute ist alles geregelt und beschränkt. Jeder redet dir in die Erziehung deiner Kin-der rein, selbst in deiner eigenen Wohnung brauchst du einen Rauchmelder. Und woanders ist das Rauchen eh verboten.
BRIGITTE: Wollen Sie diese Beschränkungen mit Ihren oft schrillen, "unkorrekt" zusammengestellten Outfits aufbrechen?
Patricia Field: Ich bin keine Provokateurin. Es sei denn, provozieren meint, Menschen dazu zu bringen, ihren Kopf zu benutzen. Das provoziere ich gern. Aber ich habe kein feuerrotes Haar, um zu provozieren, sondern weil es mir gefällt.
BRIGITTE: Im Film heißt es einmal sinngemäß: Wenn Miranda alias "Vogue"-Chefin Anna Wintour ein Mann wäre, würde niemand ihren Auftritt in Frage stellen.
Patricia Field: Wenn eine Frau stark ist, ist sie eine Hexe. Wenn ein Mann stark ist, ist er fantastisch. Aber sollen wir darum schwach sein? Ich finde nicht. Und ich hoffe, dass in Zukunft noch viel mehr Frauen so denken. Anna Wintour, Meryl Streep und ich wollen ja irgendwann auch mal abtreten.
BRIGITTE: Wann werden Sie also sagen: "That's all. Das ist alles, liebe Modewelt!"
Patricia Field: Wenn ich tot bin.













